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Thema / Archiv | Beitrag vom 13.05.2011

Niemand soll die Lerchen stören

Wie ein Bauer auf einem Feld im Münsterland aktiven Vogelschutz betreibt

Von Andrea Hansen

Ein Landwirt geht durch ein Lerchenfenster in seinem Weizenfeld.
Ein Landwirt geht durch ein Lerchenfenster in seinem Weizenfeld.

In Deutschland hat der Bestand der Feldlerche seit 1980 um etwa 30 Prozent abgenommen. Die Stiftungen Rheinische und Westfälische Kulturlandschaft hat daher angeregt, Lebensräume mitten im Acker für die Vögel einzurichten. Das geht ganz einfach.

Auf einem Acker bei Münster. Bauer Henrik Lütke Brintrup sitzt auf seinem Trecker:

"Wir haben jetzt ein Zusatzaggregat einbauen lassen, so dass wir mit einer einfachen Hebelbetätigung die Sähmaschine aussetzen können und dann bei drei Meter Arbeitsbreite, sieben Meter lang ungefähr, ein Lerchenfenster entsteht mit einer Größe von 20 Quadratmetern, so dass die Lerche dann einen Landeplatz hat, also technisch ist das überhaupt kein Problem."


Vom Trecker aus kann man sie gut sehen, die Lerchenfenster, die Henrik Lütke Brintrup in seinen Acker geschlagen hat. Noch steht das Getreide drum herum kurz genug. Ein Nest lässt sich im Vorbeifahren nicht entdecken. Und das ist auch gut so.

Weit genug weg von Fahrspuren, Ackerrändern und anderen Wegen sollen die Fenster liegen. Keiner soll die Lerche stören und auch Katzen oder Füchse nicht so schnell auf die Brut aufmerksam werden. Die Feldlerche weiß, wie unauffällig geht, sagt Landwirt Lütke Brintup. Seit drei Jahren schafft er Fenster für die Lerche in seinen Äckern. Doch das heißt noch lange nicht, dass sie sich ihm zum Dank auch mal zeigen würde.

Henrik Lütke Brintrup: "Aber man hört sie ab und zu, die Lerche. Die Lerche ist ein recht unscheinbarer Vogel, ungefähr so groß wie eine Amsel, sieht so wie ein kleiner Spatz aus vom Gefieder her, von der Farbe. Ist ein sehr scheuer Vogel, geht auch auf große Distanz, so dass man die Lerche sehr, sehr selten sieht. Ich habe sie hier in den letzten zwei Jahren noch nicht gesehen."


Darum macht er das schließlich, sagt er, weil die Feldlerche nicht wie die Kohlmeise an jeder Ecke herum sitzt und mit allem klar kommt, was der Mensch in der Kulturlandschaft so veranstaltet.

Henrik Lütke Brintrup: "Die Lerche ist ein herausragender Vogel, weil es eben ein Bodenbrüter ist und speziell die Bodenbrüter kommen in der Kulturlandschaft etwas unter die Räder. Die Lerche ist ein sehr markanter Vogel, weil jeder den Gesang kennt."

Der sich so anhören würde, (Atmo Feldlerche), wenn hier jetzt eine Feldlerche in der Nähe wäre. Ist sie aber nicht. Oder sie hält sich bedeckt, weil sie dem neuen Frieden noch nicht so recht traut. Schließlich hat der Mensch ihr in den letzten Jahrzehnten mit seiner intensiven Landwirtschaft das Leben schwer gemacht. Sie kann ja nicht ahnen, dass der Wind sich nun gedreht hat und die Menschen auf einmal um ihr Wohlergehen besorgt sind. Und Henrik Lütke Brintrups gute Gründe fürs Feldlerchenfensterln kennt sie auch nicht.

Henrik Lütke Brintrup: "Verantwortung haben wir als Christen für die Schöpfung, das ist eben halt ein Teil der Schöpfung, dass wir für die Tiere und die wilden Pflanzen gewisse Lebensräume erhalten."

Henrik Lütke Brintrup ist kein Bio-Bauer. Aber seine Familie lebt schon ewig auf diesem Flecken Erde, wie lang genau, kann er gar nicht sagen. Das verbindet, auch mit Fauna und Flora. Und so macht er bei vielen Naturschutzprojekten mit. Die Entschädigung von 10 Euro pro Fenster für den Ernteausfall ist für ihn bei auf jeden Fall nicht die Hauptmotivation.

Henrik Lütke Brintrup: "Die Frage überrascht mich ein bisschen, habe ich auch bisher noch nicht drüber nachgedacht. Es gibt eine Maximalgrenze von 50 Fenstern, die bezahlt werden und 70 habe ich angelegt, so dass die letzten 20 auch nicht bezahlt werden, aber das ist in Ordnung so, das passt schon."


Links auf dradio.de:

"Aktuell" vom 09.05.2011: Da fliegen sie wieder! - Die Große Vogelschau im Deutschlandradio Kultur vom 9.-14. Mai

Thema: "Die Situation ist schon sehr bedrohlich" - Naturschützer und Bauernverband arbeiten zusammen, um bedrohte Vogelarten zu retten

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Da fliegen sie wieder!
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