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Dienstag, 31.03.2020
 
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Konzert / Archiv | Beitrag vom 25.02.2020

Nicholas Collon beim Finnischen RSOSymphonische Tänze in Helsinki

Moderation: Volker Michael

Nicholas Collon (Benjamin Ealovega)
Nicholas Collon ist designierter Chefdirigent des Finnischen Radio-Symphonieorchesters (Benjamin Ealovega)

Der englische Dirigent Nicholas Collon war zu Gast beim Finnischen Radio-Symphonieorchester. Gleich zweimal Symphonische Tänze gab es - die von Rachmaninow und die von Kalevi Aho. Pekka Kuusisto spielte außerdem das Violinkonzert von Thomas Adès.

Sie halten es beide für eines der schönsten Violinkonzerte der letzten Jahrzehnte - Dirigent und Solist haben schon einige gemeinsame Erfahrungen gesammelt mit dem Stück von Thomas Adès: Der finnische Geiger Pekka Kuusisto und der Londoner Dirigent Nicholas Collon. Der Komponist selbst hat es wie ein Triptychon angelegt - der wichtigste Teil steht in der Mitte in der Form eines lyrisch-gesanglichen Satzes. Adès hat seinen Stil in diesem Konzert perfektioniert, traditionelle Spielgesten und melodische Figuren in einem zeitgenössischen Licht aufscheinen zu lassen.

Der Geiger steht auf einer Freilichtbühne und spielt. (imago images/CHROMORANGE)Der Geiger Pekka Kuusisto. (imago images/CHROMORANGE)

Das finnische Epos Kalevala gehörte lange Zeit zu den wichtigsten Inspirationsquellen der Komponisten des Landes. Der Komponist Uumo Klami schrieb Mitte des letzten Jahrhunderts eine Ballettmusik darüber. Das Werk mit dem Titel Pyörteitä (Wirbel) blieb unvollendet. Als Finnland dann 1988 das große Kalevala-Jubiläum feierte (150 Jahre der schriftlichen Fixierung des Epos'), machte sich Kalevi Aho (geboren 1949) an die Vollendung des Balletts, indem er die Skizzen und unvollendeten Passagen instrumentierte und ergänzte.

Ausdrucksstarkes Ballett zum Kalevala-Epos

Herausgekommen ist ein eigenständiges Werk, das sein Leben im Konzertbetrieb entfaltet hat und nicht als Vollendung des Balletts begriffen wurde. Völlig zu Recht, denn es ist ein gewaltiges und gut verständliches vierteiliges Stück mit ungemein starkem Ausdruck und voll unbändiger musikalischer Fantasie. In ihrem Titel und ihrem offenen Inhalt gleichen die Symphonischen Tänze Kalevi Ahos denen Sergej Rachmaninows. Auch der russische Komponist beabsichtigte diese drei sinfonischen Stücke nicht in eine Reihe mit den Ungarischen Tänzen von Johannes Brahms oder den Slawischen Tänzen von Antonín Dvořák zu stellen.

Tänzerischer Lebensrückblick

Viel wichtiger war ihm der sinfonische Ausdruck und die freie Form, die er nicht gehabt hätte, wäre es seine vierte Sinfonie geworden, was er da im drittletzten Jahr seines Lebens im US-amerikanischen Exil konzipiert hatte. Das Werk ist in all seinen drei Sätzen geprägt vom Rückblick in seine zeitliche und geografische Vergangenheit, in die Jugend in Russland und in sein Leben als Komponist und reisender Virtuose. Das reicht von den sanften Tanzmelodien im ersten Satz, die von einem Saxophon vorgetragen werden bis zu den beiden Zitaten im dritten Satz, dem Dies Irae, seinem Lieblingsmotiv aus der mittelalterlichen katholischen Totenmesse und dem Auferstehungsmotiv aus seinen eigenen orthodoxen Vigilia/Vespern op. 37.

Ab dem Jahr 2021 wird der aus London stammende Nicholas Collon Chefdirigent des Finnischen Radio-Symphonieorchesters in der Nachfolge von Hannu Lintu.

Musiikkitalo Helsinki
Aufzeichnung vom 14. Februar 2020

Kalevi Aho
Symphonische Tänze für Orchester

Thomas Adès
"Concentric Paths", Violinkonzert op. 24

Sergej Rachmaninow
Symphonische Tänze für Orchester op. 45

Pekka Kuusisto, Violine
Finnisches Rundfunk-Sinfonieorchester
Leitung: Nicholas Collon

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