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Tonart | Beitrag vom 11.05.2015

Neues Album von Klaus DoldingerImmer noch enorm frisch

Von Jan Tengeler

Klaus Doldinger (Peter Hönnemann)
Klaus Doldinger: In seiner Jugendzeit in der Nachkriegszeit war Jazz noch verfemt. (Peter Hönnemann)

Die Titelmusik des "Tatort", der Soundtrack von "Das Boot" – in der Filmmusik ist Klaus Doldinger eine feste Größe. Seit Jahrzehnten ist der Jazzmusiker im Geschäft. Und er erfindet sich immer wieder neu. Auch sein mittlerweile 34. Album "En Route" überzeugt.

Klaus Doldinger: "Wenn ich mir überlege, dass ich gerade das 34. Passport-Album 'rausbringe, davor gab es unzählige andere Alben, dann erscheint einem das sehr lustig. Man möchte sich beim lieben Gott bedanken, dass er einen so lange schaffen und leben ließ.“

Und das macht Klaus Doldinger – er dankt dem lieben Gott, einer der erfolgreichsten deutschen Musiker geworden zu sein, dessen Leben bis heute von ungebrochener Aktivität auf der Bühne und im Studio geprägt ist.

Ein knapp 80-jähriger Mann, der aussieht wie 60 und sich vermutlich noch jünger fühlt. Sein Erfolgsrezept? Bescheidenheit ja, aber nicht zu viel. Auch im Umgang mit Kritik, die es in seiner langen Karriere natürlich reichlich gab, gilt es das richtige Maß zu finden.

"Das Thema ist schwierig, man muss mit sich ins Reine kommen und selber wissen, was verbesserungswürdig ist, und der innere Impetus, der Anstoß ist der entscheidende Faktor und dass man sich nicht entmutigen lässt. Es gibt Kollegen, die sofort schwarz sehen, aber das war nie mein Temperament, sondern ich denke positiv, - der natürlich auch Kritiken annimmt und ich bin seit 1960 verheiratet und meine Frau ist eine exzellente Kennerin. Sie ist Künstlerin und malt, allein das persönliche Umfeld ist entscheidend.“

Musikalische Sozialisation im von Briten besetzten Rheinland

Das persönliche Umfeld von Klaus Doldinger könnte man wohl durchweg als intakt bezeichnen. Den Krieg hat der 1936 geborene Musiker mit seiner Familie relativ unbeschadet in Wien überstanden. Seine musikalische Sozialisation erfuhr er dann vor allem im Rheinland, das von den Briten besetzt war, die den Jazz ähnlich stark pflegten, wie die amerikanischen Besatzungssoldaten. Eine Zeit, die er fast durchweg in guter Erinnerung hat, ohne sie zu glorifizieren.

"Manches war schwierig, zum Beispiel war der Jazz keineswegs willkommen bei der breiteren Gesellschaft, im Konservatorium, wo ich in der Gymnasiumszeit Klavier studiert habe, eher verfemt, ganz unerwünscht. Aber man hatte damals ein Ziel, das war der Jazz, in meinem Fall zunächst der traditionelle Jazz."

In der deutschen Jazzszene der 50er- und 60er-Jahre macht sich Klaus Doldinger schnell einen Namen. Entscheidender für seine weitere Karriere ist aber, dass er nicht auf Jazz beschränkt bleibt – er mischt ihn mit anderen Stilen, mit Beatmusik, Rock und Ethno – und er wird durch glückliche Zufälle ein gefragter Filmkomponist.

"Bei mir der wichtigste Punkt war, dass es Zuspruch und Anfragen gab aus Ecken, die ich nie erwartet hätte. Aus der Theaterszenerie, Dokumentationen, Werbung, Filme eben, Volker Schlöndorff. Da bin ich nicht vermittelt worden, sondern wir haben uns kennen gelernt. Bei mir sind alle Kontakte live entstanden, dass jemand sagte: Hör mal, du spielst so schön Saxofon und schreibst Stücke, kannst du nicht mal was für mich schreiben."

Erfolgsrezept: Langjährige Beziehungen pflegen

Ein weiteres Erfolgsrezept von Klaus Doldinger: Er pflegt langjährige Beziehungen, nicht nur privat, auch geschäftlich. Das gilt auch für seine eigene Band Passport, die seit über 40 Jahren besteht. Zwar gab es dort immer wieder personelle Veränderungen, aber es gab und gibt immer auch Konstanten – stilistische und in der Arbeitsweise.

"Die Basis ist unser Live-Musizieren, Konzerte, da gibt es ein Repertoire, das wir spielen, man hat eine gewissen Vorstellung, dann entwickelt man auch alle drei bis vier Jahre Vorstellungen, was man braucht, um das Repertoire interessanter zu machen, ganz einfach. Nur Stücke zu schreiben, die der Band Spaß machen zu spielen, die man ohne große Klimmzüge umsetzen und auf der Bühne spielen kann – weil sie nicht eine Kopie des bereits bestehenden darstellen. Gerade auf dem neuen Album sind schon wieder Stücke dabei, die wir in der Form noch nie gespielt haben. Das ist auch der Anker, mit dem man so eine Band gestalterisch fortleben lassen kann."

Mit 'En Route' ist es nun wieder soweit: Klaus Doldinger hat mit Passport neue 'Vorstellungen entwickelt, was die Band so braucht', wie er es ausdrückt, und ein weiteres Album vorgelegt. Schon in den 60er-Jahren schrieb die "FAZ": 'Doldinger hat ein neues Album rausgebracht – na und?' Das könnte man auch heute sagen. Denn natürlich erfindet dieser Mann das musikalische Rad nicht neu.

Doldingers Passport bietet eine handwerklich einwandfreie Mischung aus Jazz, Rock und Ethno, daran hat sich wirklich nichts geändert in all den Jahren. Geändert hat sich aber auch nicht, dass diese Musik immer noch enorm frisch klingt, dass Doldingers Spiel immer noch flexibel ist und dass seine Kompositionen immer wieder mit leichter Hand den Jazz aus seinem Nischendasein rausholen und einem breiterem Publikum zugänglich machen.  

Mehr zum Thema:

Klaus Doldinger - Reisen mit "Passport"
(Deutschlandfunk, Corso, 09.05.2015)

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