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Tonart | Beitrag vom 18.09.2017

Neues Album von Ex-Fugee Wyclef Jean"Ich würde gerne Präsident von Deutschland werden"

Von Martin Risel

Wyclef Jean bei einem Konzert in Cannes. (imago/E-PRESS PHOTO.com)
Wyclef Jean bei einem Konzert in Cannes. (imago/E-PRESS PHOTO.com)

Seit über 20 Jahren gehört Wyclef Jean zu den Großen in der afroamerikanischen Musikszene. Jetzt veröffentlicht der Ex-Fugees-Musiker ein neues Album – und spricht mit uns über seine politischen Ambitionen.

Club-Kracher kann er immer noch produzieren, nach all den Welthits – mit den Fugees, für Santana, Shakira und all die anderen.

Am liebsten sieht sich Wyclef Jean in seiner Rolle als politischer Künstler, der das Flüchtlingsthema schon vor 25 Jahren auf die Agenda gesetzt hat – familiär motiviert: Sein Vater ist aus politischen Gründen aus Haiti in die USA geflüchtet. Und:

"Meine Cousins waren Bootsflüchtlinge. Ich kenne Leute, die sind im Meer zwischen Kuba und Miami ertrunken. - Ob wir also vom Meer vor Somalia, Haiti oder Syrien reden – es geht um die Idee: Wir sind in irgendeiner Form Geflüchtete oder Nachfahren von Einwanderern."

Und so hat Wyclef Jean in sein Solo-Werk eine thematische Trilogie implementiert: Vor 20 Jahren das Debüt "The Carnival", zehn Jahre später den zweiten Teil, Untertitel "Memoiren eines Einwanderers". Und nach dem autobiografischen Buch "Geschichte eines Einwanderers" vor fünf Jahren nun den musikalischen dritten "The Carnival"-Teil "The Fall and Rise of a Refugee" – Fall und Aufstieg eines Geflüchteten.

Ungeklärte Veruntreuungs-Vorwürfe

"Jeder fällt mal. Alles, was man braucht, ist die Chance wieder aufzustehen. Und wenn Du die Geflüchteten überall auf der Welt siehst, braucht es eine Politik, die ihnen ermöglicht, sich in ihrem neuen Land kulturell einzubringen."

"The Fall and Rise of a Refugee" ist auch seine eigene Geschichte. Aus Haiti angekommen als Neunjähriger, in Brooklyn groß geworden bis zum Weltstar, ist Wyclef Jean zur umstrittenen Figur eines politisch aktiven Künstlers geworden.

Zwar waren seine angeblichen Sympathiebekundungen für Tea-Party-Darling Sarah Palin und die Republikaner offensichtlich Netz-Enten.

Immer noch ungeklärt sind aber die Veruntreuungs-Vorwürfe gegen seine Yéle-Haiti-Stiftung, mit der Jean seinem Heimatland nach Naturkatastrophen helfen wollte. Zwar gesteht er "administrative Fehler" ein, streitet aber den Vorwurf der persönlichen Bereicherung ab.

"Ich verurteile jede Form von Veruntreuung bei meiner Stiftung, das ist Blödsinn, eine Lüge. Wir haben öffentlich genau erklärt, was mit dem Geld passiert ist. Aber wie immer: Schlechte Nachrichten verbreiten sich besser als gute."

"Liebe besiegt Hass"

Verurteilt ist Wyclef Jean jedenfalls bisher nicht. Sein Versuch, als Präsident für Haiti zu kandidieren, ist an Formfehlern gescheitert. Dafür würde er es jetzt am liebsten in Deutschland versuchen – und nicht für Angela Merkel stimmen:

"Ich würde mich selbst wählen und gerne Präsident von Deutschland werden. Ich werde definitiv das Land hochbringen und Partys feiern. Ich liebe jeden und bringe alle zusammen. Und ich legalisiere sogar Marihuana."

Stilistisch fischt der Mann jetzt wieder in seinem eigenen großen Becken zwischen Salsa und Reggae, Pop, Hiphop und Afro. Nur dass nicht mehr die ganz großen Fische dabei sind wie bei den ersten Teilen der Trilogie. Auch wenn sich die Superstars von Wyclef Jean abwenden, nagt das an seiner Reputation.

Dabei leistet er weiterhin gute Arbeit. Nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit, aber man kann das ja auch oldschool nennen. So wie der Glaube an das Gute im Menschen.

"Der ganze Mist, der da global gerade passiert, geht von nicht mal einem Prozent der Weltbevölkerung aus. Aber: Jeder fühlt sich davon betroffen. Was ich sagen will, ist: Regierungen kommen und gehen. Liebe besiegt Hass. Und im Ganzen sind die Menschen gut."

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