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Tonart | Beitrag vom 31.03.2016

Neues Album "Azel" von BombinoEin Sound, der auch den Tuareg gefällt

Von Thorsten Bednarz

Der nigrische Gitarrist Bombino auf dem Roskilde Music Festival 2013 (dpa / picture alliance / Torkil Adsersen)
Der nigrische Gitarrist Bombino beim Roskilde-Festival (dpa / picture alliance / Torkil Adsersen)

Zweieinhalb Jahre Tournee waren die Vorbereitung für Bombino, dann ging er mit seinen Musikern ins Studio, um sein neues Album "Azel" einzuspielen. Und das ist unerwartet rockig geraten - was auch die Tuareg in seiner Heimat mögen.

Azel, das neue Werk Bombinos, ist noch einmal deutlich rockiger geworden, die Vergleiche mit einem Jimi Hendrix wurden inzwischen auch immer lauter. Obwohl die Art und Weise, wie Bombino seine Gitarre spielt, kaum etwas mit diesem gemein hat. Keine ausdauernden Soli, keine Feedback-Orgien. Der in Niger geborene und inzwischen in Frankreich lebende Musiker konzentriert sich auf der Bühne und im Studio eher auf den Song als auf Fingerfertigkeit. Denn letztere ist nur ein Produkt vom vielen Spielen und dazu hatte Bombino in den letzten Jahren ausführlich Gelegenheit.

"Bevor wir ins Studio gingen, waren wir zweieinhalb Jahre auf Tournee. Es war eine sehr lange Tour mit der Band und viel harte Arbeit, und das Album, das ist so etwas wie die Ernte dieser Arbeit. In New York haben wir uns ein stilles Plätzchen gesucht, wo wir ganz in Ruhe alles aufnehmen konnten, wo wir nach den richtigen Noten und Songs suchen konnten. Zwischendurch habe ich auch viele traditionelle Musik gehört, die mich an meine Jugend erinnert hat. Wir waren also gut vorbereitet, als wir für Azel ins Studio gingen. Wir mussten nicht einmal viel proben, denn die Tour, die war unsere Probe für die Aufnahmen!"

Auch wenn Bombino heute kaum noch Zeit hat, seine alte Heimat zu besuchen, so verfolgen seine Freunde dort doch sehr genau, wie die Karriere verläuft. Und auch wenn hier in Europa schon der eine oder andere Weltmusikfan ein wenig die Nase rümpft vor so viel geballter Rockpower – den Tuareg daheim gefällt der Bombino Sound.

"Meine Leute verfolgen genau, was wir machen. Auch in der Wüste hat man Facebook! Sie mögen ganz besonders den Schlagzeuger. Er kann unglaublich genau die traditionellen Rhythmen spielen, davon sind sie sehr beeindruckt. Er ist kein Tuareg, spielt aber wie sie! Sie lieben diese Musik, denn sie sehen den Tuareg Bombino, aber sie hören auch viele neue Sounds und das interessiert sie sehr."

Ganz eindeutig eine Rockplatte

Sein erstes internationales Album aus dem Jahr 2011 war noch sehr traditionell produziert, mit Dan Auerbach von den Black Keys als Produzenten liebäugelte er 2013 mehr als nur ein wenig mit dem Rock und auch wenn sich auf Azel im zweiten Teil noch einige traditionellere Stücke finden – wenn man mit Weltmusik eher traditionelle Musik verbindet, dann ist das neue Album eindeutig eine Rockplatte geworden.

"Ich denke, du hast recht, es ist Rockmusik! Ja, wir spielen Rock und wir werden ja auch immer schneller! Und wir wollen das auch so. Keiner hört sich bei einem Festival mitten in der Nacht nur die leisen Musiker an. Wenn wir spielen, dann bewegen sich alle und je schneller wir spielen, umso mehr und wilder tanzen sie. Das Tempo bestimmt das Gefühl für die Musik und so spielen wir sie dann auch. Und das ist es, was uns am Ende von anderen unterscheidet."

Tuaregs in der Wüste in Mauretanien (dpa / picture alliance / Volkswagen_Motorsport)Tuaregs in der Wüste in Mauretanien (dpa / picture alliance / Volkswagen_Motorsport)

Im Jahr 2007 gab es im Niger und nicht nur dort Aufstände der Tuareg für ihre politische Anerkennung. Die Regierung antwortete mit harter Hand und neben vielen erbitterten Kämpfen gab es auch ein Verbot von Gitarren für die Tuaregmusiker. Sie galten als Zeichen der Rebellion. Aber auch schon vorher war es schwierig für den damals noch als Goumar Almoctar bekannten Bombino, überhaupt ein solches Instrument zu bekommen.

Seiner Gitarre hat er keinen Namen gegeben

"Es ist sehr schwierig, eine Gitarre zu bekommen. Ich war damals 15, der Friedensvertrag war gerade unterzeichnet und wir zogen aus dem Flüchtlingscamp von Tamanrasset zurück nach Agadez. Zu dieser Zeit reiste mein Onkel, ein bekannter Maler, nach Europa, verkaufte dort seine Bilder und brachte dafür Instrumente mit. Klavier, Akkordeon, Gitarren… Ich dachte, das ist jetzt meine Chance! Ich reiste also zu ihm und er gab mir – ein Akkordeon! Ich wollte natürlich keines, aber wie hätte ich ihm das sagen sollen? Er ist ein sehr freigiebiger und ungemein hoch angesehener Mann! Ich habe dann mit seinem Sohn gesprochen und der sagte: Da musst Du mit meinem Vater reden. Drei Tage habe ich überlegt, wie ich es ihm sagen sollte. Dann war es kein Problem mehr. Er sah mich mit dem Instrument und es war auch ihm klar – ich wollte die Gitarre und kein Akkordeon."

Die Gitarre hat er bis heute aufbewahrt, auch wenn er sie nicht mehr auf der Bühne spielt. Sein heutiges Instrument hat zwar keinen Namen, so wie dies bei einigen anderen Gitarristen der Fall ist, aber auch er hat – ganz Rockgitarrist - ein besonderes Verhältnis zu seinem Instrument. Weshalb er auch nur eine einzige Gitarre auf der Bühne und im Studio spielt.

"Ich habe eine tolle Gitarre. Aber am Ende des Tages ist sie auch nur ein Instrument. Wenn du ein schlechter Gitarrist bist, dann nützt dir auch die beste Gitarre nichts. Aber für einen guten Gitarristen braucht man nur eine Gitarre, die reicht völlig. Und ich habe eine gute Gitarre."

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