Freitag, 29.05.2020
 

Fazit | Beitrag vom 05.01.2020

Neueröffnung der Prager Staatsoper"Wir müssen international denken – auch in der Oper"

Karl-Heinz Steffens im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Außenansicht der Prager Staatsoper (imago stock&people)
Der neuen Musikdirektor der Prager Staatoper hat große Pläne für das wieder eröffnete Haus. (imago stock&people)

Die Geschichte der Prager Staatsoper verbindet Deutschland und Tschechien. Nun öffnet die Spielstätte nach fast dreijähriger Sanierung wieder ihre Türen. Ihr neuer Musikdirektor Karl-Heinz Steffens will ein international angesehenes Haus schaffen.

Genau vor 132 Jahren, am 5. Januar 1888, war die heutige Prager Staatsoper als Neues Deutsches Theater eröffnet worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Haus in Smetana-Theater umbenannt.  Es habe quasi einen "Kulturkampf zwischen Tschechen und Deutschen" gegeben, der schon Ende des 19. Jahrhunderts begann, so Karl-Heinz Steffens, der seit August 2019 neuer Musikdirektor der Staatsoper in Prag ist. 

"Und in diesem Haus spiegelt sich die goldene Zeit, aber auch die abgründige Zeit unglaublich wider. Das repräsentieren wir auch im Programm natürlich. Heute ist es so, dass man eigentlich diese Diversität auch irgendwie wieder zulässt."

"Auf die internationale Landkarte zurückbringen"

Dass die Staatsoper in ihrem Repertoire viel weiter gehen und internationaler sein könne als das Nationaltheater, das die tschechische Musik im Vordergrund hat, lässt den Musikdirektor hoffen: "Meine erste Aufgabe ist erst mal, tolle Musik zu machen und vor allen Dingen das Opernhaus auf so eine internationale Landkarte zurückzubringen, was hier in den letzten 20, 30, 40 Jahren vielleicht ein bisschen eingeschlafen ist, weil man sich sehr auf die Tradition berufen hat."

Zum Eröffnungskonzert werden der tschechische Ministerpräsident Andrej Babis, Ungarns Regierungschef Viktor Orban und zahlreiche geladene Gäste aus Kultur und Gesellschaft erwartet. Sowohl in Ungarn als auch in Tschechien steckt die Kultur in politisch schwierigen Zeiten. Auch wenn er sich selber nicht politisch äußere, habe aber die Kunst sehr viele Möglichkeiten, immer wieder Stellung zu beziehen, so Steffens. 

Porträt Karl-Heinz Steffens, Dirigent und Klarinettist, aufgenommen nach einer Probe.  (Bild: Ulrich Wagner)Das Denken in Nationalitäten wie Deutsch oder Tschechisch sei "von gestern", meint Karl-Heinz Steffens. Auch an der Oper müsse man international denken. (Bild: Ulrich Wagner)

"Allein in der Auswahl der Stücke, in der Auswahl des Repertoires kann man schon irgendwie immer wieder auch sozusagen kämpferisch als Künstler das Panier hochhalten und sagen, wofür wir eigentlich stehen. Insofern sind es vielleicht nicht so ganz einfache Zeiten."

Aber im Theater könne man einfach offen sein für eine "große multikulturelle Idee" und dafür stehe er.  

Topqualität erreichen mit tollen Musikern

Heute müsse man immer wieder kämpfen für die Qualität, sagt Steffens, und er wolle "Topqualität abliefern". Er habe tolle Musiker und wunderbare Kollegen, "die mit großem Elan und Engagement mitarbeiten." Davon habe er in der kurzen Zeit seiner Tätigkeit als Musikdirektor schon viel mitbekommen.

"Wir wollen, wie es schon vor hundert Jahren war: Prag muss in einem Atemzug genannt werden mit Wien, mit Berlin, mit München. Da wollen wir hin, und da will ich natürlich letztendlich meinen Beitrag leisten."

(kpa)

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