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Fazit / Archiv | Beitrag vom 12.01.2009

Neuer Leiter der Bundeskunsthalle setzt auf internationale Zusammenarbeit

Robert Fleck: Wir sind Schaufenster des Kulturbegriffs der Bundesrepublik

Robert Fleck im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Robert Fleck, Leiter der Bundeskunsthalle in Bon (Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland)
Robert Fleck, Leiter der Bundeskunsthalle in Bon (Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland)

Der neue Leiter der Bundeskunsthalle in Bonn, Robert Fleck, will die Bedeutung der deutschen Kunst im internationalen Kunstgeschehen hervorheben. Deutschland sei nach den USA "die zweite Großmacht in der Kunst". Um dies hervorzuheben und zu verdeutlichen, will Fleck vermehrt mit ausländischen Partnern Ausstellungskooperationen eingehen. Die bisherige Krise der Bundeskunsthalle sei auch eine Chance zu einer wirklichen Erneuerung.

Vladimir Balzer: In den letzten Monaten stand eine Bonner Institution in keinem besonders guten Licht: die Bundeskunsthalle. Der alten Führung wurde Verschwendung von Geldern und eine selbstherrliche Haltung vorgeworfen. Kurzerhand wurde eine Interimsleitung einberufen, und seit 1. Januar hat das 1992 gegründete Kunstmuseum einen neuen Leiter, der auch fünf Jahre bleiben soll. Er soll eine Neuanfang wagen. Er kommt von den Hamburger Deichtorhallen, wo er Direktor war, und jetzt ist er also Leiter der Bundeskunsthalle in Bonn: Robert Fleck. Schönen guten Abend!

Robert Fleck: Guten Abend!

Balzer: Herr Fleck, noch mal nachträglich Gratulation zu Ihrer neuen Aufgabe!

Fleck: Danke!

Balzer: Haben Sie schon jeden Mitarbeiter, jede Ecke des Hauses kennengelernt?

Fleck: Nein, jede Ecke bald, aber jeden Mitarbeiter noch nicht, weil es sind sehr viele Mitarbeiter hier, dadurch auch, dass das Haus ja sehr vielfältig ist vom pädagogischen Programm, aber auch vom Veranstaltungsprogramm im Forum. Es ist ja eigentlich ein Haus so ähnlich gedacht wie das Centre Pompidou, das sehr unterschiedliche und große Abteilungen hat.

Balzer: Was wollen Sie ändern?

Fleck: Ich glaube, ein zentraler Punkt ist, auf den Grundgedanken der Kunst- und Ausstellungshalle zurückzugehen. Die Grundidee des Hauses ist, beide Publikumskreise zusammenzuführen. Es ist ja das Publikum der kulturgeschichtlichen Ausstellungen durchaus kein Kunstpublikum, es ist ein sehr unterschiedliches Interesse. Und beides zusammen macht aber diesen Bildungsgedanken aus.

Zugleich ist es eben so, dass das Haus hier eines der wenigen Häuser überhaupt in Europa immer war und auch potenziell nach wie vor ist, das mit den größten Häusern in den USA beispielsweise oder in Asien zusammengearbeitet hat. Und da war es im Vorfeld auch sehr wichtig, mich dessen zu versichern, dass nach wie vor diese ganz großen Häuser in den USA beispielsweise die Kunst- und Ausstellungshalle als natürlichen Partner ansehen.

Balzer: Aber passt das eigentlich alles, was Sie da an Funktionen aufgeführt haben, unter ein Dach und auch in eine mittelgroße Stadt wie Bonn?

Fleck: Ja, unter ein Dach sicher, weil das ist letztlich die Utopie dieses Hauses, dass man das eher historisch interessierte Publikum ein bisschen zur Kunst führt und das Kunstpublikum doch zur Geschichte führt. Das war letztlich auch so gedacht in dem Sinn des Begriffs einer offenen Kulturnation beispielsweise. Und diesbezüglich hat das Haus natürlich jetzt aus der Zeit, als Bonn Hauptstadt war, auch eine durchaus noch heute repräsentative Aufgabe im Sinne eines Schaufensters des Kulturbegriffs der Bundesrepublik.

Und jetzt in Bonn - natürlich, Bonn selbst ist nicht so groß, aber der Einzugsbereich hier, wo man feststellen kann, dass die Leute regelmäßig zur Kunst- und Ausstellungshalle kommen, ist eminent groß. Sie haben Berlin, wenn man das so zusammenfassen will, drei bis fünf Millionen, und hier sind 28 Millionen in einem Tagesumkreis. Und das spürt die Kunst- und Ausstellungshalle auch sehr stark, weil ja doch der Sockel sozusagen, wenn man das so sagen will, der Besucher ist um die 500.000 Besucher jährlich. Das ist schon sehr bedeutend. Und wenn Highlights waren, auch in den letzten Jahren, ist ja doch die Millionengrenze immer überschritten worden.

Balzer: Welche Ausstellungsprojekte gehen Sie gerade an, Robert Fleck?

Fleck: Wir haben vor allem jetzt die Ausstellungen für 2009 zu bewältigen in der allerersten Phase.

Balzer: Die schon ohne Sie geplant wurden?

Fleck: Ja, genau. Herr Vitali hat ja da wirklich eine sehr gute Arbeit geleistet.

Balzer: Der Interimsdirektor?

Fleck: Genau. Und Herr Dr. Vitali zählt ja auch zu dieser ersten Generation der Ausstellungsmacher, die für diese Häuser spezifisch sind, um das so hinzuzufügen. Das Centre Pompidou wurde von Pontus Hultén gegründet, einem Schweden, der sehr unorthodox war und völlig unorthodox gedacht hat. Er hat auch dieses Haus hier eröffnet und eigentlich konzipiert. Das ist eigentlich diese Generation so ähnlich wie der berühmte Schweizer Harald Szeemann oder Kasper König jetzt in Köln. Es sind ganz anders gebaute Häuser als ein Museum und als eine klassische Kunsthalle. Und vor allem ist im Herbst jetzt eine große Retrospektive von Markus Lüpertz zu produzieren, und das ist dann letztlich die erste Ausstellung, die ich zu produzieren habe, obwohl ich sie noch nicht sozusagen programmiert habe.

Balzer: Ihrem Vorgänger wurde vom Bundesrechnungshof ja vorgeworfen, er habe Gelder verschwendet, also der, der vor Christoph Vitali, Jürgen Wenzel Jacob, das führte ja letztendlich auch zu seiner Ablösung. Und ohne jetzt den alten Streit und die vergangenen Vorwürfe wieder aufzuwärmen, aber ein Wort wäre doch noch gut über die Art und Weise des Wirtschaftens in der Bundeskunsthalle, ein Museum dieser Dimension. Was ist für Sie eigentlich gutes Wirtschaften in einer Institution wie dieser?

Fleck: Ein kaufmännisches Denken. Man darf nie vergessen, dass man zu einem sehr großen Teil mit Steuergeld umgeht, und mit diesem Steuergeld so genau und gewissenhaft und kaufmännisch seriös umgehen muss, wie man mit Steuergeld umgeht. Ich denke aber, ich habe jetzt diese Phase der Kunst- und Ausstellungshalle kennengelernt über den neuen Geschäftsführer Herrn Dr. Spieß, der jetzt seit über einem Jahr tätig ist und der genau da sehr zentrale Weichen gestellt hat, sodass ich eigentlich jetzt in eines der bestbetreuten Häuser komme, die ich je gesehen habe. Und oft ist ja so eine Krise für ein solches Haus auch wieder nicht nur reinigend, sondern eigentlich der Anlass sozusagen einer wirklichen Erneuerung.

Balzer: Zum Abschluss doch noch zu Projekten, die Sie selber nun anstoßen. Sie haben Markus Lüpertz schon erwähnt, was sozusagen noch vor Ihrer Zeit geplant wurde, was Sie aber produzieren, eine große Ausstellung über den Künstler. Was wollen Sie machen in 2010 wahrscheinlich dann zum ersten Mal?

Fleck: Der Ausgangspunkt, denke ich, muss schon hier sein, dass letztlich, wenn Sie jetzt nehmen die Künstler, die in der Bundesrepublik arbeiten, so ist das zumindest nach den USA die zweite Großmacht in der Kunst. Es ist [unverständlich] zu sehen, wie Künstler, die in der Bundesrepublik gearbeitet haben, zum Teil ja auch Ausländer, heute sind sehr viele ausländische Künstler mit internationalem Wert in Berlin und in anderen Städten in der Bundesrepublik tätig, wenn man das überblickt, so ist das wirklich die zweite künstlerische Großmacht nach den USA seit 1960, und das kontinuierlich.

Und ich denke, wir müssen da mit sehr unkonventionellen Wegen letztlich eine Aufarbeitung leisten und zugleich mit den internationalen Partnern im Dialog sein, um genau diese Ausstellungen ins Ausland zu vermitteln und wieder ihre besten Ausstellungen hereinzuholen.

Balzer: Robert Fleck, der neue Chef der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn. Ich danke Ihnen sehr für das Gespräch!

Fleck: Danke schön!

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