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Fazit | Beitrag vom 03.09.2020

Neuer BBC-GeneraldirektorDem Druck der Öffentlichkeit gebeugt?

Korrespondent Burkhard Birke im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Tim Davie, neuer Generaldirektor der BBC, steht vor einem BBC-Gebäude.  (picture alliance / empics / PA Wire / Andrew Milligan)
Hat bereits eine umstrittene Entscheidung der vorhergehenden Führung revidiert: Tim Davie, der neue Generaldirektor der BBC will einiges umkrempeln. (picture alliance / empics / PA Wire / Andrew Milligan)

Der BBC wird oft vorgeworfen, zu links zu sein. Der neue Generaldirektor, Tim Davie, gilt als konservativ und hat bereits angekündigt, einiges erneuern zu wollen. Was das heißen könnte, hat er schon gezeigt.

Der neue Generaldirektor des britischen öffentlich-rechtlichen Senders BBC, Tim Davie, der am heutigen Donnerstag seine Antrittsrede gehalten hat, ist mit einer richtungsweisenden Entscheidung in sein Amt gestartet.

Seit Dienstag sitzt er auf dem Chefsessel der Medienanstalt, die von den meisten Briten als Teil ihrer nationalen Identität empfunden und - ähnlich wie die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland - über Beiträge der Bürger finanziert wird. Und dort habe er eine sehr umstrittene Entscheidung der vorhergehenden BBC-Führung aus dem August verändert, sagt unser Großbritannien-Korrespondent Burkhard Birke.

Es ging darum, ob das Singen zweier patriotischer Lieder bei dem Musik-Festival "Last Night of the Proms" erlaubt wird. Davis entschied, dass ein Chor die Lieder "Rule Britannia!" (Herrsche, Britannien!) und "Land of Hope and Glory" (Land der Hoffnung und Herrlichkeit) interpretieren und bei der Übertragung der Text eingeblendet werde.

"Er hat sich da dem Druck der Öffentlichkeit gebeugt." Breite Schichten der Bevölkerung verstünden die beiden Lieder "als britische Identitätshymnen", erklärt Birke.

Notwendigkeit der Erneuerung

Ursprünglich wollte der Sender wegen der Bezüge zu Kolonialzeit und Sklaverei nur Orchester-Versionen ohne Gesang zulassen. Das "war die Entscheidung einer linksintellektuellen Hauptstadtgang", so sei es ihm auch von Kommunikationswissenschaftlern und Kulturhistorikern gesagt worden, sagt Birke.

Genau das sei der Punkt, an dem Davie ansetzen werde. Ihm, der als konservativ gilt, eilt der Ruf voraus, dass er die Institution BBC stark verändern könne.

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Davie betonte, die BCC erreiche breite Schichten. 91 Prozent aller Erwachsenen in Großbritannien sähen mindestens einmal pro Woche das Programm. Weltweit erreiche die BBC 468 Millionen Menschen. Aber sie brauche Erneuerung - und er nannte erste Prioritäten. "Die Verpflichtung, unparteiisch zu sein, sollte erneuert werden", meint Birke zu Davies Antrittsrede. "Einzigartige und wirkungsintensive Inhalte sollten transportiert werden, die Onlineaktivitäten beschleunigt und mit der neuesten Technologie verbreitet werden. Und der kommerzielle Arm der BBC solle ausgebaut werden."

Vorsicht mit der eigenen Meinung

Das Ganze soll mit Personaleinsparungen einhergehen: 900 Stellen im Bereich News, Nations und Regions sollen wegfallen. Man solle schauen, was mit vier Fünfteln der bisherigen Arbeitszeit machbar sei. "Er selbst mit gutem Beispiel voran", so Birke. "Er hat die Geschäftsführung gekürzt, von 17 auf 11 Mitglieder, aber eine neue Controllerin eingesetzt."

Auch prominente Mitarbeiter müssen sich wohl auf Neues einstellen. Unparteiisch zu sein, bedeute auch, "dass bestimmte Starmoderatoren nicht mehr ungehindert in den sozialen Medien ihre Meinung verbreiten dürfen, sondern sie müssen immer dabei berücksichtigen, dass sie für die BBC arbeiten."

Sie sollen vorsichtiger und unvoreingenommener agieren. Auch deren Nebenaktivitäten sollen unter die Lupe, erklärt Birke.

(abr)

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