Seit 17:05 Uhr Studio 9

Freitag, 16.11.2018
 
Seit 17:05 Uhr Studio 9

Fazit / Archiv | Beitrag vom 28.02.2018

Neue "Ulysses"-Übertragung untersagtZehn Jahre Übersetzungsarbeit umsonst

Jonathan Landgrebe im Gespräch mit Andrea Gerk

Podcast abonnieren
Der irische Schriftsteller James Joyce in einer zeitgenössischen Aufnahme. (picture alliance / dpa / DB)
James Joyce hat mit "Ulysses" ein Jahrhundertwerk geschaffen. Der Suhrkamp-Verlag wollte jetzt eine überarbeitete Übersetzung veröffentlichen. (picture alliance / dpa / DB)

Zehn Jahre haben Forscher die deutsche Übersetzung von James Joyce's "Ulysses" überarbeitet. Nun darf der Suhrkamp Verlag das Werk nicht veröffentlichen. Dessen Chef Jonathan Landgrebe sprach von einer Lebensaufgabe des Teams, die nun zunichte gemacht werde.

Der Roman "Ulysses" des irischen Schriftstellers James Joyce von 1922 ist legendär. Ebenso wie die deutsche Übersetzung von Hans Wollschläger von 1975. Nun wollte der Suhrkamp Verlag eine überarbeitete Version dieser Übersetzung veröffentlichen. Eine Erbin Wollschlägers hat die Publikation aber mit Verweis auf das Urheberrecht untersagt. Sie bezweifelt, dass die Überarbeitung, die zehn Jahre dauerte und etwa 5000 Änderungen und Korrekturen umfasst, im Sinne Wollschlägers gewesen ist. 

Suhrkamp-Chef Jonathan Landgrebe bedauerte im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur diese Entscheidung. Es sei sehr schade, dass die Öffentlichkeit nicht beide Versionen der Übersetzung vergleichen könne - mit Ausnahme einiger Wissenschaftler, die eine limitierte Auflage kaufen könnten. Für diejenigen, die an der Übersetzung gesessen hätten, sei es so etwas wie eine Lebensaufgabe gewesen, die nun zunichte gemacht werde. "Es geht hier um eines der bedeutendsten Bücher der Literatur überhaupt und darum, dieses Werk zu pflegen und damit gut umzugehen."

"Ulysses" sollte auf aktuellen Forschungsstand gebracht werden

Nach Ansicht von Landgrebe entsprach die Überarbeitung auch dem Willen Wollschlägers. Im Jahr 2007 habe er einer Überarbeitung grundsätzlich zugestimmt. "Es ging darum, den Text Wollschlägers an den aktuellen Forschungsstand anzupassen, an fast 40 Jahre literaturwissenschaftliche und lexikografische Forschung", sagte Landgrebe. Schon in den 1980er Jahren sei ein veränderter Originaltext veröffentlicht worden. "Man wollte den (deutschen, Anm. d. Red.) Text ein wenig auf diesen Stand bringen."

Zum einen sei es um Wortkorrekturen gegangen. "Es ging dann aber auch um bestimmte Themen, beispielsweise hat James Joyce die ganze Szenerie in Dublin sehr genau aufgenommen, wusste sehr genau, wie es dort aussah - und Hans Wollschläger hat dort, wo es für ihn sprachlich nötig schien, die Dinge etwas freier übertragen und an allen diesen Stellen hat man korrigiert." Die Erbin aber habe keine Änderungen gewollt. 

Mehr zum Thema

Gedankenflüsse, Sprachströme - Woolf, Joyce, Stein - eine literarische Begegnung
(Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 22.01.2016)

James Joyce - Vor 75 Jahren starb der Vater des "Ulysses"
(Deutschlandfunk, Kalenderblatt, 13.01.2016)

Bloomsday - "Joyce-Lektüre darf kein Zwang sein"
(Deutschlandfunk Kultur, Lesart, 16.06.2015)

Kulturpresseschau

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 9Überwältigende Übergänge
Die Schauspielerin Sesede Terziyan (als Elisabeth) steht am 10.01.2018 in Berlin bei der Fotoprobe zu dem Stück "Glaube Liebe Hoffnung" im Maxim Gorki Theater auf der Bühne. (picture alliance / Britta Pedersen / dpa)

Ist das "Postmigrantische Theater" ein Erfolg? Wie erlebten jüdische Bühnenkünstler Deutschland eigentlich nach ihrer Rückkehr aus dem Exil? Im Theaterpodcast #9 schauen wir auf einschneidende Übergänge und erinnern an den verstorbenen Theaterkritiker Dirk Pilz.Mehr

Folge 8"Siegreich" und "schiffbrüchig"
Porträt der Kulturmanagerin Adolphe Binder. (picture alliance / dpa / Caroline Seidel)

Was steckt hinter der Theaterkrise in Wuppertal und den Vorwürfen gegen Jan Fabre? Warum sind die Arbeiten des Regisseurs Jürgen Gosch so unvergesslich? Im September-Theaterpodcast schauen wir auf "siegreiche" und "schiffbrüchige" Theatermacher.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur