Seit 20:03 Uhr Konzert
Dienstag, 11.05.2021
 
Seit 20:03 Uhr Konzert

Fazit / Archiv | Beitrag vom 28.02.2018

Neue "Ulysses"-Übertragung untersagtZehn Jahre Übersetzungsarbeit umsonst

Jonathan Landgrebe im Gespräch mit Andrea Gerk

Der irische Schriftsteller James Joyce in einer zeitgenössischen Aufnahme. (picture alliance / dpa / DB)
James Joyce hat mit "Ulysses" ein Jahrhundertwerk geschaffen. Der Suhrkamp-Verlag wollte jetzt eine überarbeitete Übersetzung veröffentlichen. (picture alliance / dpa / DB)

Zehn Jahre haben Forscher die deutsche Übersetzung von James Joyce's "Ulysses" überarbeitet. Nun darf der Suhrkamp Verlag das Werk nicht veröffentlichen. Dessen Chef Jonathan Landgrebe sprach von einer Lebensaufgabe des Teams, die nun zunichte gemacht werde.

Der Roman "Ulysses" des irischen Schriftstellers James Joyce von 1922 ist legendär. Ebenso wie die deutsche Übersetzung von Hans Wollschläger von 1975. Nun wollte der Suhrkamp Verlag eine überarbeitete Version dieser Übersetzung veröffentlichen. Eine Erbin Wollschlägers hat die Publikation aber mit Verweis auf das Urheberrecht untersagt. Sie bezweifelt, dass die Überarbeitung, die zehn Jahre dauerte und etwa 5000 Änderungen und Korrekturen umfasst, im Sinne Wollschlägers gewesen ist. 

Suhrkamp-Chef Jonathan Landgrebe bedauerte im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur diese Entscheidung. Es sei sehr schade, dass die Öffentlichkeit nicht beide Versionen der Übersetzung vergleichen könne - mit Ausnahme einiger Wissenschaftler, die eine limitierte Auflage kaufen könnten. Für diejenigen, die an der Übersetzung gesessen hätten, sei es so etwas wie eine Lebensaufgabe gewesen, die nun zunichte gemacht werde. "Es geht hier um eines der bedeutendsten Bücher der Literatur überhaupt und darum, dieses Werk zu pflegen und damit gut umzugehen."

"Ulysses" sollte auf aktuellen Forschungsstand gebracht werden

Nach Ansicht von Landgrebe entsprach die Überarbeitung auch dem Willen Wollschlägers. Im Jahr 2007 habe er einer Überarbeitung grundsätzlich zugestimmt. "Es ging darum, den Text Wollschlägers an den aktuellen Forschungsstand anzupassen, an fast 40 Jahre literaturwissenschaftliche und lexikografische Forschung", sagte Landgrebe. Schon in den 1980er Jahren sei ein veränderter Originaltext veröffentlicht worden. "Man wollte den (deutschen, Anm. d. Red.) Text ein wenig auf diesen Stand bringen."

Zum einen sei es um Wortkorrekturen gegangen. "Es ging dann aber auch um bestimmte Themen, beispielsweise hat James Joyce die ganze Szenerie in Dublin sehr genau aufgenommen, wusste sehr genau, wie es dort aussah - und Hans Wollschläger hat dort, wo es für ihn sprachlich nötig schien, die Dinge etwas freier übertragen und an allen diesen Stellen hat man korrigiert." Die Erbin aber habe keine Änderungen gewollt. 

Mehr zum Thema

Gedankenflüsse, Sprachströme - Woolf, Joyce, Stein - eine literarische Begegnung
(Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 22.01.2016)

James Joyce - Vor 75 Jahren starb der Vater des "Ulysses"
(Deutschlandfunk, Kalenderblatt, 13.01.2016)

Bloomsday - "Joyce-Lektüre darf kein Zwang sein"
(Deutschlandfunk Kultur, Lesart, 16.06.2015)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsCancel Culture und "Kanzelkultur"
Wegweiser zeigen die Optionen Meinungsfreiheit und Ausgrenzung. (Imago / U. J. Alexander)

Menschen wegen bestimmter Überzeugungen ausschließen - das nennt man Cancel Culture. Die "FAZ" fügt eine "Kanzelkultur" hinzu: Der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz hat das Buch "Papierklavier" als nicht preiswürdig abgekanzelt.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 34Auf der Bühne mit Behinderung: Theater und Inklusion
Lucy Wilke & Paweł Duduś in dem Stück „Scores that shaped our friendship”. (Theresa Scheitzenhammer)

Die Nominierung der Schauspielerin Lucy Wilke zum diesjährigen Theatertreffen macht die Fragen nach der Vereinbarkeit von Theaterarbeit und Behinderung wieder aktuell: Was fehlt zur ganzheitlichen Barrierefreiheit? Mit Lucy Wilke suchen wir nach konkreten Handlungsansätzen.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur