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Tonart | Beitrag vom 09.10.2015

Neue PlattenDas muss man gehört haben oder auch nicht

Von Uwe Wohlmacher

Der Musiker John Grant (Pressebild / Michael Berman)
Der Musiker John Grant (Pressebild / Michael Berman)

Der Hamburger Musiker Enno Burger verbindet akustischen Folk und elektronische Elemente, bei dem Briten Tom Jones paart sich Delta-Blues mit Gospel und Country. Und John Grant, amerikanischer Singer-Songwriter, klagt Homophobie und Rassismus an.

Enno Bunger: "Flüssiges Glück"

"Flüssiges Glück" heißt das neue Album des Hamburger Musiker Enno Bunger, der nach alter Liedermacher-Schule nachdenkliche Texte mit sparsamer Musik verbindet. Früher zupften die Kollegen in diesem Genre ihre Texte zur akustischen Gitarre, moderne Musiker, wie Enno Bunger, nutzen dafür gepflegten Indie-Pop, der akustischen Folk und elektronische Elemente verbindet. Eigentlich mittlerweile ein eigenes Genre: Electro-Songwriter. 

Textlich gibt sich Bunger auf seinem neuen Album kämpferischer als bislang und singt in dem besten Song der Platte, der aktueller nicht sein kann, gegen Fremdenfeindlichkeit und gegen Rassismus in Deutschland an. Auch wenn der Hamburger sicher nicht mit einer großen Stimme gesegnet ist, muss man ihn doch zu den klügsten Pop-Textern des Landes zählen.

John Grant: "Grey Tickles, Black Pressure"

Der amerikanische Singer/Songwriter John Grant sucht und findet auf seinem neuen, mittlerweile dritten Soloalbum "Grey Tickles, Black Pressure" den perfekten Einklang zwischen sensiblen Folk-Balladen und dynamisch-mitreißendem Electro-Pop.

Seit zwei Jahrzehnten beschreibt Grant in seinen Liedern sein persönliches Drama, das hauptsächlich von Alkohol und Drogen, desaströsen Beziehungen und seiner HIV-positiv-Diagnose geprägt ist. Dennoch findet der bekennende homosexuelle Sänger Kraft, gegen Homophobie ganz allgemein und den stärker werdenden Rassismus anzusingen - allein dafür ist ihm zu danken. 

Noch konsequenter als Enno Bunger nutzt John Grant elektronische Geräte, um seine sarkastischen, anklagenden und wütenden Texte musikalisch irgendwo zwischen Bee Gees und Pet Shop Boys anzusiedeln. Sicher keine leichte Kost, aber Musik soll ja auch nicht immer nur unterhalten, sondern bisweilen auch zum Nachdenken anregen.

Tom Jones: "Long Lost Suitcase"

Tom Jones, walisisches Urgestein der englischen Pop-Branche, veröffentlicht mit "Long Lost Suitcase" das dritte Album auf dem Weg zurück zu seinen Wurzeln. Knochentrockener und knarzender Delta-Blues paart sich darauf derart gelungen mit Gospel und Country, das man sich fragt, warum der mittlerweile 75-jährige Sänger nicht schon viel früher dem Testosteron-geschwängerten aufwendig arrangierten Pop abgeschworen hat.

Das aktuelle Tom Jones-Album ist in seiner Qualität mit den Spätwerken von Johnny Cash vergleichbar, und wie Cash hat Jones auf sämtliche soundtechnische Weichzeichner oder beschönigende Effekte verzichtet. Der Tiger steht mit karger Begleitung unverfälscht und pur vor dem Mikrofon und interpretiert einfühlsam und immer noch kraftvoll einige seiner persönlichen Favoriten von Musikern wie Gillian Welch, den Rolling Stones, Hank Williams und The Milk Carton Kids.

Den breiten Massengeschmack trifft er mit dieser Musik ganz bestimmt nicht, dafür aber die Hörer, die wirklich hinhören und erkennen, dass ihnen einer der besten Popsänger den puren Stoff vorsetzt. Einfach brillant.

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