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Konzert / Archiv | Beitrag vom 17.12.2016

Neue Oper am GärtnerplatztheaterFilou und Schaukelbursche

Aufzeichnung aus der Reithalle München

Angelika Kirchschlager (Frau Muskat), Daniel Prohaska (Liliom) und Camille Schnoor (Julie) in Johanna Doderers Oper "Liliom" am Münchner Gärtnerplatztheater (Christian POGO Zach)
Angelika Kirchschlager (Frau Muskat), Daniel Prohaska (Liliom) und Camille Schnoor (Julie) in Johanna Doderers Oper "Liliom" am Münchner Gärtnerplatztheater (Christian POGO Zach)

Mehr als 100 Jahre nach seiner "Geburt" kommt der Hallodri Liliom nun auf die Opernbühne – Johanna Doderer hat eine Oper aus dem Molnár-Stück im Auftrag des Münchner Gärtnerplatztheaters komponiert.

"Es gibt Musik für Karussell, eine Drehleiermusik, eine sehr monotone Musik – davon bin ich als Komponistin ausgegangen!" Die Komponistin Johanna Doderer hat eine Oper aus Ferenc Molnárs Bühnenstück "Liliom" gemacht. Sie erzählt musikalisch die Geschichte eines Karussellburschen, geschrieben im Auftrag des Gärtnerplatztheaters München.
"Diese Musik kommt immer wieder, sie ist ein Ausgangspunkt!" Das Karussell ist die Attraktion im Budapester Stadtwäldchen, wir hören die Drehbewegungen in Johanna Doderers Musik. Eigentlich ein Lustplatz – aber ein Blick hinter die Kulissen zeigt, dass es da wenig zum Lachen gibt. Das Leben der Jahrmarktsleute zu Beginn des 20. Jahrhunderts war ein beinharter Überlebenskampf. "Es gibt also das Berauschende, das Drehende des Karussells - und auf der anderen Seite den Ernst – gerade auch in Bezug auf die Protagonisten Liliom und Julie!"

Der Schaukelbursche Liliom ist ein Filou – fesch und kernig, er hat die lockersten Sprüche drauf, er ist die Attraktion im Budapester Stadtwäldchen. Das ist aber nur die eine Seite des im Grunde unsicheren jungen Mannes. Seine andere Seite ist grob und  ungestüm, sie hat ihn polizeibekannt gemacht. Auch Frau Muskat – die Karussellbesitzerin und somit seine Arbeitgeberin – ist in ihn verliebt – das Verhältnis der beiden ist ungeklärt, der tägliche Umgang auch ein Spiel. Julie ist auch von diesem Hallodri angezogen, so sehr sogar, dass sie sich mit ihm einlässt. Sie bekommt ein Kind von ihm, er will für die Familie sorgen, weiß aber nicht, wie man das tut. So gerät Liliom an falsche Freunde, trifft falsche Entscheidungen, entzieht sich durch Selbstmord. Im Himmel gibt man ihm noch eine Chance: Er darf etwas Gutes tun, um wieder Mensch zu werden, auch diese Chance kann er nicht nutzen.

1909 brachte der ungarische Dramatiker Ferenc Molnár das Leben Lilioms, dem durch nichts in der Welt zu helfen ist, in Budapest auf die Theaterbühne. Dort fiel das Stück zunächst durch. Erst die Wiener Erstaufführung von "Liliom" - in der deutschen Fassung Alfred Polgar als "Vorstadtlegende" betitelt - brachte 1913 einen Erfolg und machte aus der Hallodri-Figur, die glaubt, das Schicksal treibe es böse mit ihm, Molnárs gleichwohl populärste Figur.

Mehrere Verfilmungen und das Musical »Carousel« haben das Bühnengeschehen zwischen Märchen und Sozialdrama in andere Kunstformen adaptiert. Die österreichische Komponistin Johanna Doderer verwandelte Molnárs Welterfolg erstmalig und exklusiv für das Staatstheater am Gärtnerplatztheater in eine Oper, das Libretto schrieb der Intendant des Münchner Hauses, Josef-E. Köplinger.

Reithalle München
Aufzeichnung vom 4. November 2016

Johanna Doderer
Liliom  - Auftragswerk des Staatstheaters am Gärtnerplatz
Frei nach dem Bühnenstück von Ferenc Molnár
Libretto von Josef- E. Köplinger

Liliom - Daniel Prohaska
Julie - Camille Schnoor
Marie - Cornelia Zink
Frau Muskat - Angelika Kirchschlager
Ficsur - Matija Meić
Luise - Katerina Fridland
Frau Hollunder - Dagmar Hellberg
Der Drechsler - Holger Ohlmann
Linzmann - Juan Carlos Falcón
Arzt Christoph Seidl
Stephan Kadar (Der Ärmlichgekleidete) - Maximilian Mayer
Ein alter Schutzmann - Martin Hausberg
Polizeikonzipist - Erwin Windegger
Wolf Beifeld / Dr. Reich - Christoph Filler
Chor, Kinderchor und Statisterie des Staatstheaters am Gärtnerplatz
Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz
Leitung: Michael Brandstätter

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