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Kompressor | Beitrag vom 31.03.2021

Neue Lokalzeitung für Mecklenburg-VorpommernInfografik-Magazin will den Markt umkrempeln

Benjamin Fredrich im Gespräch mit Massimo Maio

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Zeitung ragt aus einem Briefschlitz (imago / Chromorange)
Konkurrenz zwischen Lokalzeitungen gibt es in Mecklenburg-Vorpommern bisher kaum. Das könnte sich jetzt ändern. (imago / Chromorange)

Eine Regionalzeitung gründen! – Das klingt in Zeiten der Zeitungskrise verrückt. "Katapult"-Chefredakteur Benjamin Fredrich wagt es, um eine Alternative zur Berichterstattung in Mecklenburg-Vorpommern zu schaffen, die er als teils rassistisch bezeichnet.

"Katapult" ist ein Magazin für Kartografik und Sozialwissenschaft. Das hört sich sehr sperrig und seriös an, ist aber eine Publikation, die sehr spielerisch und unterhaltsam mit Karten umgeht. Im Verlag des Magazins sind schon einige Bücher erschienen. Nun wagt man sich auf neues Terrain vor: eine Lokalzeitung für Mecklenburg-Vorpommern.

Eine außergewöhnliche Idee

Das klingt verrückt in einer Zeit, in der auf der ganzen Welt die Regionalzeitungen sterben. Eine außergewöhnliche Idee, findet auch Benjamin Fredrich, Chefredakteur und Gründer von "Katapult". "Hab ich auch nicht geplant, wollte ich auch überhaupt nicht machen. Wir haben es aber nicht mehr ausgehalten", sagt Fredrich.

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"Wir haben hier in dieser Region eine ziemlich rechte Zeitung, die rassistische und fremdenfeindliche Überschriften macht, was natürlich ganz, ganz schwer zu ertragen ist", sagt Fredrich.

Deswegen habe er bisherige Pläne – wie beispielsweise "Katapult" in einer englischen Version herauszubringen – hintenangestellt. "Vorher müssen wir das einmal regional machen, weil wir das nicht mehr ertragen, von so einer Regionalzeitung hier informiert zu werden", sagt er.

Rassismus und Fremdenfeindlichkeit benennen

Fredrichs Ziel mit seiner neuen regionalen "Katapult"-Ausgabe: "Wir müssen die Sachen beim Namen nennen. Wenn jemand ein Nazi ist, dann müssen wir das auch so nennen. Das trauen sich die anderen Zeitungen ganz, ganz selten. Im Zweifelsfall sind die da sehr, sehr vorsichtig. Das ist ein großes Problem in unserem Bundesland."

Ansonsten habe "Katapult" über seine statistischen Zugänge aber auch eine ganz andere Herangehensweise als die anderen Zeitungen. "Wir sind ja gar nicht nur lokal vor Ort unterwegs, sondern bewegen uns ganz viel in Datenbanken und Statistiken und werten die aus, was andere ganz, ganz selten machen."

"Katapult" hat schon die erste Hürde des Crowdfundings und der Abonnentensuche genommen und sucht derzeit bereits nach Personal für die neue Zeitung. "Ich habe das Projekt nur gestartet, weil genug Geld zusammengekommen ist", so Fredrich. Über 20.000 Euro pro Monat würden in etwa zur Verfügung stehen. "Und davon kann man natürlich schon einmal eine kleine Fünf-Personen-Redaktion aufbauen."

Später sollen in Rostock, Schwerin und Neubrandenburg Lokalbüros aufgebaut werden. "Und danach dann auch in die Kleinstädte kommen", sagt er.

Lokal- und Regionalzeitungen sind wichtige Medien

Für die regionale Ausgabe möchte "Katapult" seine Anmutung beibehalten und mit Grafiken arbeiten. "Wir wollen auf jeden Fall 'Katapult' erhalten", so Fredrich. Zusätzlich sollen aber Bilder verwendet werden. "Wir kommen nicht darum herum, dass wir auch ein paar Bilder benutzen. Ich würde schätzen, dass wir auf 50/50 rauskommen."

Aus Benjamin Fredrichs Sicht sind Lokalzeitungen von entscheidender Bedeutung: "Ich bin mit Lokal- und Regionalzeitungen aufgewachsen, die immer ganz, ganz wichtig waren. Ich wurde so sozialisiert."

(lkn)

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