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Frühkritik | Beitrag vom 07.02.2020

Neue Krimis: "Was sie nicht wusste" von Nicci FrenchEin Netz aus Lügen und Geheimnissen

Von Sonja Hartl

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Das Bild zeigt das Cover des neues Buchs des Autorenduos Nicci French. Es ist ein Psychothriller mit dem Titel "Was sie nicht wusste". (Bertelsmann / Deutschlandradio)
Der neue Thriller von Nicci French zeigt, was innerhalb der Genregrenzen möglich ist. (Bertelsmann / Deutschlandradio)

Seit mehr als 20 Jahren schreibt das Autorenehepaar Nicci Gerrard und Sean French gemeinsam Psychothriller und produziert eher durchschnittliche Genreware. Ihr neues Werk "Was sie nicht wusste" ist hingegen klar gelungen.

"Was sie nicht wusste" beginnt mit einem ganz normalen Morgen im Leben von Neve Conolly: Sie steht in der Küche, dann tauchen nach und nach ihre Kinder und ihr Ehemann auf. Zwischen drei verschiedenen Frühstückszubereitungen und dem Einpacken von Pausenbroten erhält Neve eine SMS - ihr Geliebter will sie sehen. Also macht sie sich mit dem Fahrrad auf den Weg zu dem Apartment, in dem sie sich immer treffen.

Der Liebhaber liegt tot auf dem Boden

Doch dort liegt ihr Geliebter tot auf dem Boden, er wurde offensichtlich ermordet. Neve will die Polizei rufen, doch dann überlegt sie, was die damit verbundene Entdeckung der Affäre für ihre Ehe und insbesondere ihre labile Tochter bedeuten würde. Also entscheidet sie sich, alle Spuren, die auf ihre Affäre hindeuten, zu beseitigen – und damit auch alle Spuren, die der Mörder hinterlassen haben könnte.

Schon bald interessiert sich die Polizei für diesen Fall und für den Toten, der zugleich Neves Chef war. Erzählerisch bleibt Nikki French bei Neve Conolly. Sie ist eine Frau, die scheinbar mühelos Haushalt, Arbeit und Familie vereinbaren kann und zudem noch für jeden ein offenes Ohr und Verständnis hat.

Die Tochter ahnt, dass die Mutter etwas verbirgt

Tatsächlich aber ist Neve unzufrieden und kämpft mit sich. Durch die Affäre sowie die Beseitigung der Spuren verstrickt sie sich in einem Netz aus Lügen und Geheimnissen, das sie gegenüber der Polizei immer verdächtiger wirken lässt. Zumal auch ihre Tochter ahnt, dass ihre Mutter etwas verbirgt.

Schon bald verdächtigt hier jeder jeden. Diesem altbekannten Spannungskonzept gewinnt Nicci French insbesondere durch die Verankerung in einer Familie der großstädtischen Mittelschicht sehr genaue Beobachtungen von Beziehungsdynamiken und der alltäglichen Belastung vieler Frauen ab. Daher erfindet der ungemein spannende und unterhaltsame Psychothriller "Was sie nicht wusste" das Genre zwar nicht neu, aber er zeigt, was in ihm möglich ist.

Nicci French: "Was sie nicht wusste"
Aus dem Englischen von Birgit Moosmüller
C. Bertelsmann, München 2019
448 Seiten, 16 Euro

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