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Fazit / Archiv | Beitrag vom 29.04.2020

Neue Hilfen für die KulturGeld fürs Weitermachen

Christiane Habermalz im Gespräch mit Andrea Gerk

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Ein leerer Konzertsaal. Die Instrumente warten auf das Orchester. (picture alliance/dpa/CTK)
Die Orchester schweigen still. Wie sollen ihre Musiker jetzt überleben? (picture alliance/dpa/CTK)

Die bestehenden Corona-Hilfsprogramme reichen nicht aus. Das beklagen vor allem freie Künstler und Musiker. Jetzt hat Kulturstaatsministerin Grütters neue Hilfen für die Kultur angekündigt. Christiane Habermalz stellt sie vor.

In den vergangenen Wochen haben viele Kulturschaffende auf ihre prekäre Lage hingewiesen. "Zwar gibt es Corona-Hilfsprogramme. Aber vor allem freie Künstler und Künstlerinnen und Musiker und Musikerinnen fallen dabei durchs Raster", sagt Christiane Habermalz.

Über das Solo-Selbstständigen-Programm des Bundes könne man beispielsweise nur Betriebskosten abrechnen. "Musiker, die zuhause üben, haben aber keine Betriebskosten und profitieren so auch nicht davon", erklärt Habermalz.

Entsprechende Landesprogramme, die in dieser Notzeit jetzt direkte Hilfe für Lebenshaltung zahlen, gab es nur in einigen Ländern. Daran wird sich laut Habermalz auch erst einmal nichts. "Damit aber ein kulturelles Leben weitergehen kann, soll ein Infrastrukturprogramm als Baustein dienen".

Hilfen für Orchester

Viele freie Orchester finanzieren sich über ihre Auftritte und Tourneen. Um die zu unterstützen hat Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) laut Habermalz ein schon bestehendes Förderprogramm für "exzellente Orchester" zu einem Corona-Soforthilfe-Programm umgewidmet. 5,4 Millionen Euro stünden dieses Jahr als Nothilfe für professionelle Orchester, die ihren Sitz in Deutschland haben, zur Verfügung. Die könnten bis zu 200.000 Euro erhalten.

Ab sofort sollen freien Musikern und Künstlern, die für Auftritte in Kulturinstitutionen des Bundes schon fest gebucht waren, außerdem Ausfallhonorare gezahlt werden. Auch das hat Grütters angekündigt. Das betreffe allerdings wenige Institutionen, räumt Habermalz ein. Dazu zählten die Berliner Festspiele mit dem Gropius Bau, das Haus der Kulturen der Welt und die Bayreuther Festspiele. Sie sollen analog zum Kurzarbeitergeld 60 beziehungsweise 40 Prozent ihrer vereinbarten Gagen ausgezahlt bekommen.

Für Habermalz stellt sich an dieser Stelle die Frage, ob das die Länder und Kommunen dann auch mit ihren Häusern machen werden. "Die sind natürlich auch klamm. Auf der anderen Seite sparen sie Personalkosten, wenn sie Festangestellte in Kurzarbeit schicken, sodass Geld für Soforthilfen für die Freien zur Verfügung stehen würde."

Jetzt mehr Projekte fördern

Die Kultur wieder auf die Beine bringen, vor allem zu ermöglichen, wieder Kunst zu machen, das sollen jetzt Projektförderungen mit öffentlichen Mitteln. Der deutsche Kulturrat hatte diese Idee schon ins Spiel gebracht, nun gibt es auch in den Ländern Überlegungen dazu. 

So zum Beispiel vonseiten Carsten Brosdas, Hamburgs Kultursenator und Sprecher der Kulturminister der Länder: "Wenn wir in einem ersten Soforthilfeprogramm für Hamburg allein 25 Millionen Euro ausgegeben haben, dann heißt das auf das ganze Land hochgerechnet, dass man mit locker einer Milliarde rechnen muss." Hinzu könnten Hilfen des Bundes kommen, ergänzt Brosda.

Auch Monika Grütters kündigte an, mit Finanzminister Olaf Scholz über ein Kulturpaket zu verhandeln: eine Mischung aus Projektförderung und Direktzahlungen an Kulturinstitutionen. "Für die Finanzierung will Grütters an den Haushalt des Bundes. Ich habe gehört, dass das in den kommenden zwei Wochen über die Bühne gehen soll", so Habermalz.

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