Bono und "The Edge" in Kiew

U2-Auftritt im Bunker statt üblicher Friedensbilder

06:14 Minuten
Links ein Foto einer U-Bahn-Station in Kiew, rechts ein Foto des U2-Frontmanns Bono.
Die U-Bahn in Kiew und U2-Frontmann Bono: Der Auftritt passe gut in die Geschichte der Band, sagt der Historiker Benjamin Möckel. © Unsplash / Tobias Reich / Todd Poirier / Montage: Deutschlandradio
Benjamin Möckel im Gespräch mit Massimo Maio · 10.05.2022
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U2-Frontman Bono und der Band-Gitarrist „The Edge“ an der Seite eines Uniformierten in einem Kiewer Bunker – für den Historiker Benjamin Möckel ist dies ein Signal: Der Bruch mit einem jahrzehntelangen vor allem pazifistischen Konsens der Popmusik.
U2-Frontman Bono und „The Edge“, Gitarrist der Band, haben am 8. Mai überraschend in Kiew ein kleines Konzert gegeben. Die Musiker traten in einer U-Bahn-Station, die als Bunker dient, auf und erklärten später via Twitter: „Präsident Wolodymyr Selenskyj hat uns eingeladen, in Kiew zu spielen und unsere Solidarität mit den Menschen in der Ukraine zu zeigen und das haben wir getan.“

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Mit dabei war auch Taras Topolja von der ukrainischen Band Antytila – in Uniform.

„Passt gut in die Geschichte der Band“

Für den Historiker Benjamin Möckel ist bereits die Bildsprache dieses Auftritts ein außergewöhnliches Signal: Die beiden irischen Musiker an der Seite eines Uniformierten vor diesem kleinen Publikum im Kiewer Untergrund.
„Man kann sagen: Das passt gut in die Geschichte der Band – eine Band, die seit Jahrzehnten politisch aktiv ist und bei vielen Krisen sehr publikumswirksam präsent war, wo aber nun die Präsenz von Uniformen etwas Neues ist“, erklärt er.
Diese Neuerung steht Möckel zufolge in einer klaren Spannung zu Projekten für Frieden und Versöhnung, mit denen Bono bekannt geworden ist – und auch zu der Bildsprache, die damit verbunden ist.

Kontrast zum pazifistischen Konsens

Zwar gebe es durchaus auch eine lange Tradition von Auftritten, mit denen Stars die Kriegsmoral stärken, so der Historiker: etwa Marilyn Monroe oder Elvis Presley.
„Aber wenn wir nach Friedenskonzerten und auch politischer Popmusik fragen, sieht das ein bisschen anders aus. Da ist unser Verständnis sehr stark geprägt vom politischen Engagement der 60er-Jahre und der Anti-Vietnamkriegsproteste“, sagt Benjamin Möckel. Dies sei zuletzt vor allem ein pazifistischer Konsens gewesen, in den sich Musiker gestellt hätten.
Für den Historiker lassen sich diese Bilder von U2 an der Seite eines Uniformierten nicht so leicht einordnen: „Wenn wir jetzt Bono gesehen hätten, wie er Hilfsgüter verteilt – das wäre uns sehr viel einfacher gefallen zu verstehen.“ Ob dies nun ein langfristiger Bruch sei, könne man aber kaum verlässlich vorhersagen.

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