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Studio 9 | Beitrag vom 06.12.2018

Neue Festnahmen von Kreativen in der Türkei"Das Theater war lange Zeit ein relativer Freiraum"

Susanne Güsten im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Menschen gehen demonstrierend durch eine Straße. In der Mitte des Bildes ist eine Frau oder ein Mann mit einer weißen Maske auf dem Gesicht. (picture alliance / NurPhoto/ Erhan Demirtas)
Ein Künstler während des Welt Theater Tages in Istanbul. (picture alliance / NurPhoto/ Erhan Demirtas)

Türkische Kreative geraten zunehmend ins Visier von Polizei und Staatsanwaltschaft. Sie würden als Beteiligte der Gezi-Proteste inhaftiert, sagt unsere Korrespondentin Susanne Güsten. Das Vorgehen zeige die große Macht von Präsident Recep Tayyip Erdogan.

In der Türkei wurden erneut Haftbefehle gegen Künstler und Kreative erlassen. Für besondere Aufmerksamkeit habe der Haftbefehl gegen den Schauspieler und Regisseur Memet Ali Alabora gesorgt, sagt Korrespondentin Susanne Güsten im Deutschlandfunk Kultur. Ihm werde zur Last gelegt, dass er 2011/2012 in Istanbul ein Theaterstück über einen Diktator und den Widerstand gegen ihn inszeniert habe. "Die Staatsanwaltschaft interpretiert das als 'Generalprobe' für die Gezi-Proteste", sagt Güsten. Die Proteste begannen im Jahr 2013 aufgrund eines Bauprojektes im Istanbuler Gezi-Park und dehnten sich landesweit aus als Proteste gegen die Politik Recep Tayyip Erdogans.

Warnschuss an Erdogans Gegner

Es sei kein Zufall, dass prominente Vertreter der Demonstranten nun verhaftet werden oder zumindest werden sollen, erklärt Güsten. Es handele sich auch um deutlich mehr als einen Warnschuss an seine Gegner. "Es geht um eine Abrechnung." Erdogan habe sich beispielsweise schon vor Jahren über die Inszenierung Alaboras aufgeregt. Nun habe er seine Macht genügend ausgedehnt, um sich zu rächen. "Die Justiz war damals auch unabhängiger als heute."

Die Theater erfüllten eine wichtige Funktion in der Türkei und erreichten viele Menschen, sagt Güsten. Sechs Millionen Besucher seien es im vergangenen Jahr gewesen. "Das Theater war lange Zeit ein relativer Freiraum." Zuletzt sei die Meinungsvielfalt in den Medien extrem geschrumpft, im Theater seien jedoch erstaunlich kritische Stücke aufgeführt worden. Aber nun nehme auch hier die Kontrolle immer mehr zu.

(ske)

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