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Interview | Beitrag vom 15.05.2021

Neue Datenschutzbestimmungen bei WhatsAppWir sind einfach zu faul

Michael Thiel im Gespräch mit Axel Rahmlow

Illustration zum Messengerdienst WhatsApp: Vor dem Schriftzug "WhatsApp" stehen Menschen. (picture alliance / dpa / PHOTOPQR / LE PARISIEN / MAXPPP / Arnaud Journois)
WhatsApp: Die neuen Datenschutzbestimmungen des Unternehmens bleiben umstritten. (picture alliance / dpa / PHOTOPQR / LE PARISIEN / MAXPPP / Arnaud Journois)

WhatsApp hat neue Datenschutzbestimmungen eingeführt, die extrem umstritten sind. Warum sich das Unternehmen trotzdem nicht davor fürchten muss, seine Nutzer scharenweise zu verlieren, erklärt der Psychologe und Buchautor Michael Thiel.

Bei WhatsApp gelten ab sofort neue Datenschutzbestimmungen und damit auch neue Nutzungsbedingungen. Diese haben in den vergangenen Monaten für viel Aufregung und Unruhe gesorgt. Kritiker warnen vor einem erweiterten Daten-Austausch mit der Konzernmutter Facebook.

Das Unternehmen bestreitet die Vorwürfe

WhatsApp bestreitet das und betont, es gehe nur darum, die Kommunikation der Nutzer mit Unternehmen zu verbessern. "Wenn du mit einem Unternehmen über Telefon, E-Mail oder WhatsApp kommunizierst, kann es die Informationen aus diesen Interaktionen mit dir für eigene Marketingzwecke verwenden. Dies kann auch Werbung auf Facebook einschließen", hieß es in einer Erklärung.

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Die Pläne kamen dennoch nicht gut an, WhatsApp verschob die ursprünglich für Februar geplante Einführung der neuen Regeln um einige Monate. Nun ist es aber soweit. Entgegen früheren Ankündigungen sollen Nutzer, die den neuen Bedingungen nicht sofort zustimmen, den Dienst vorerst ohne Einschränkungen weiter nutzen können. Erst in einigen Wochen soll es dann Beschränkungen geben.

Faulheit, Sorglosigkeit und Bequemlichkeit

Rund 70 Prozent der Deutschen nutzen WhatsApp täglich, haben Studien ergeben. Wie kann es sein, dass ein Dienst, dessen Geschäftsmodell auf der Verwertung von persönlichen Daten beruht, solch einen Erfolg hat? Der Psychologe Michael Thiel erklärt das schlicht mit Faulheit, Sorglosigkeit und Bequemlichkeit.

Unter dem Strich gehe es bei der ganzen Sache doch wieder nur um jede Menge "Knete", sagt er - und gibt zu verstehen, wie ermüdend die Erkenntnis ist, dass sich die Welt immer nur ums Geld dreht: Das sei irgendwann nur noch langweilig.

Die Nutzer seien "relativ sorglos", sagt Thiel - doch ohne diese dafür zu verurteilen. Im Gegenteil: Diese Sorglosigkeit brauchten die Menschen, "um einigermaßen fröhlich durchs Leben zu gehen", betont der Psychologe. 

Bei dem Konflikt, einerseits den Dienst weiternutzen und dazugehören zu wollen und andererseits das Datenschutzproblem zu kennen, entstehe eine "kognitive Dissonanz", so Thiel:

"Und dann macht unser Gehirn Folgendes: Es wertet die Gefahr ab. Und sagt: Das Finanzamt weiß sowieso alles über mich. Meine Krankenkasse weiß auch alles über mich. Dann scheiß doch drauf, dann kann WhatsApp das auch."

Die Hamburger Datenschutzbehörde hat interveniert

Er sei von sich enttäuscht, dass er selbst so faul sei und WhatsApp weiter nutze, so Thiel. Doch: "Wir haben genug andere Sorgen und genug andere Sachen, die wir regeln müssen. Jetzt soll ich auch noch WhatsApp rausschmeißen und damit wird mein Leben noch unbequemer? Nee."

Wie der politische Streit um WhatsApp weitergeht, ist noch unklar. Die Hamburger Datenschutzbehörde hat Facebook die Verarbeitung von Nutzerdaten des Messengerdienstes zu eigenen Zwecken vorerst verboten. Das Verbot werde im Rahmen eines Dringlichkeitsverfahrens für drei Monate erlassen, teilte die Behörde vor wenigen Tagen mit.

(ahe)

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