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Fazit | Beitrag vom 27.10.2020

Neue Coronaregeln für bayerische Theater"Der Umgang mit der Kultur macht mich wütend"

Barbara Mundel im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Barbara Mundel, die Intendantin der Münchner Kammerspiele, sitzt in leeren Publikumsreihen auf einem rot bezogenen Stuhl. (picture alliance / dpa / Patrick Seeger)
Dass Kultur in der Coronakrise nichts gelte, lasse sie an den Weltbildern anderer zweifeln, sagt Theaterintendantin Barbara Mundel. (picture alliance / dpa / Patrick Seeger)

Bayern verschärft die Coronaregeln und begrenzt die Zuschauerzahl in Theatern auf 50. Das sei „komplett absurd“, weil weder die Größe der Räume noch die Hygienekonzepte berücksichtigt würden, sagt Barbara Mundel, Intendantin der Münchner Kammerspiele.

Bisher sahen die Coronaregeln für die Theater einen Mindestabstand von eineinhalb Metern und das Tragen von Masken auf den Sitzplätzen vor, erklärt Barbara Mundel. Die Intendantin der Münchner Kammerspiele kritisiert die neuen Maßnahmen, die die bayerische Landesregierung beschlossen hat. Sie findet es "komplett absurd", die Zahl der erlaubten Zuschauer unabhängig von der Größe eines Veranstaltungsortes auf 50 zu beschränken. Sie hält dies für Willkür:

"Ich kann das nur so interpretieren, dass wir, die Verantwortung für die Häuser haben, von sich aus in den Lockdown gehen sollen, um die Häuser zu schließen, und der Ball im Moment bei uns liegt. Anders kann ich mir das nicht erklären."

Weiterspielen so lange es geht

Man wolle unbedingt weiterspielen, "die Räume offenhalten, solange es irgendwie geht", und hoffe dabei auf die Solidarität des Publikums. Gleichzeitig denke man auch darüber nach, wie es weitergehen und wie man sich mit den Künstlern solidarisch zeigen könne, die gar nicht mehr spielen könnten. Drei Münchner Kultureinrichtungen - Residenztheater Bayerische Staatsschauspiel, Münchner Kammerspiele und Münchner Volkstheater - haben sich dazu in einem gemeinsamen Brief geäußert.

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Auch zeigt sich Mundel enttäuscht darüber, dass es in Bayern, anders als in Stuttgart oder Hamburg, keine Ausnahmeregelungen für Kultureinrichtungen geben werde. So habe etwa Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda für die Kultur geworben: "Kommt ins Theater, da seid ihr sicher."

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter habe sich zwar in einem Brief mit den Anliegen der Künstler und Kulturinstitutionen an den Ministerpräsidenten gewendet. "Söder zeigt sich aber in keinster Weise bereit, darüber überhaupt nachzudenken", sagt Mundel. Ein Dialog finde nicht statt.

Zweifel am Weltbild

Für Mundel steht im Kern die Frage, was die Gesellschaft eigentlich ausmache und ob Kunst immer nur dann als ein wichtiger Teil der Gesellschaft akzeptiert werde, wenn man es sich leisten könne:

"Dieser Umgang mit Kunst und Kultur macht mich nicht nur ungläubig, sondern macht mich total wütend und lässt mich an den Weltbildern dahinter zweifeln."

Schulen und Kitas würden nicht um der Bildung Willen offengehalten, sondern "damit Mama und Papa arbeiten können". "Es geht darum, dass die Wirtschaft einigermaßen über die Runden kommte. Da guckt man in eine Fratze. Das finde ich wirklich bedrohlich."

(mle)

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