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Fazit | Beitrag vom 16.10.2019

Neue Anlaufstelle für RestitutionGeraubte Kunst zurück nach Afrika

Von Vladimir Balzer

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Diese Holzobjekte -  vermutlich aus einer Grabplünderung in den 1880er Jahren - hat das Ethnologische Museum Berlin 2018 zurückgegeben. Bei der Restitution an die Chugach Alaska Corporation handelte es sich um die erste Rückgabe in der mehr als 100-jährigen Geschichte des Ethnologischen Museums an eine Herkunftsgesellschaft. (epd-bild/Christian Ditsch)
Die Anlaufstelle soll dabei helfen, bei der Suche nach Auskünften über Objekte - wie etwa solche Artefakte aus Alaska - mehr Klarheit und Transparenz zu bekommen. (epd-bild/Christian Ditsch)

Zehntausende Kunstobjekte aus Afrika liegen in deutschen Museen - vieles davon zu Unrecht. Deshalb wird geprüft, was zurück in die Ursprungsländer muss. Um Ansprüche reklamieren zu können, gibt es ab 2020 eine zentrale Anlaufstelle in Berlin.

Die Museen Deutschlands stellen sich spät, aber nun immer systematischer ihrer Geschichte. Es begann vor einigen Jahren mit der Suche nach NS-Raubkunst und einigen wenigen Rückgaben. Der Bund stellte Mittel bereit, Datenbanken wurden aufgebaut.

Das setzt sich seit kurzem fort mit der Raubkunst aus Deutschlands Kolonialgeschichte, vor allem aus Afrika. Das betrifft vor allem Namibia, aber auch Kamerun, Ruanda und Tansania. Es gibt erste zaghafte Kooperationen zwischen Museumsleuten von beiden Seiten, es gibt ein erstes Eckpunktepapier in dem im Frühjahr schon der Bund und die Länder klar gemacht haben: Deutschland ist bereit für Rückgaben.

Deutschland stellt sich der Vergangenheit

Unterstrichen wurde das mit staatlichen Mitteln von zwei Millionen Euro pro Jahr für die Herkunftsrecherche kolonial belasteter Kunstobjekte. Und vor allem will Deutschland etwas, was der Hamburger Kultursenator von der SPD, Carsten Brosda, noch mal betont: "Transparenz, Transparenz, Transparenz!"

Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda spricht bei einer Veranstaltung auf Kampnagel in Hamburg (imago stock&people)Künftig werde es leichter sein, Informationen zu kolonialen Objekten zu erhalten, sagte Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda. (imago stock&people)

Die ist auch bitter nötig nach Jahrzehnten des Verdrängens der deutschen Kolonialzeit in den Museen hierzulande. Zehntausende Objekte müssen überprüft werden, viele davon werden nach Afrika zurückgehen. Um Ansprüche und Nachfragen zu sammeln, wird es ab nächstem Jahr nun also ein Kontaktbüro in Berlin geben.

Ein zentrales Büro, das alle Informationen bündelt

Hamburgs Kultursenator sitzt zurzeit der neu eingerichteten Kulturministerkonferenz vor. "Das wird ein Büro sein, das einerseits informiert, das dokumentiert, das vernetzt – das wird in alle Richtungen Informationen bündeln und alle Teilnehmer informierter machen. Aber vor allen Dingen ein Türschild, eine Klingel, eine Telefonnummer an die ich mich wenden kann, wenn ich etwas suche und nicht mehr die Eigenrecherche: In welchem Haus in Deutschland könnte es denn liegen?"

Bisher mussten sich Interessenten aus dem Ausland an 16 Bundesländer oder an die Kommunen wenden und langwierig suchen. Das Büro soll das deutlich vereinfachen. Karin Prien, CDU-Kulturministerin in Schleswig-Holstein, setzt ebenfalls auf diese Kontaktstelle.

"Wir haben ja das Problem, wir haben Museen und Institutionen, die der Bund verantwortet - wenige, aber die haben wir. Aber wir haben natürlich viele Institutionen bei den Ländern und vor allem auch bei den Kommunen und bei Stiftungen. Das ist ein Dickicht, das für jemanden, der von außen kommt, kaum zu durchschauen ist. Deshalb eröffnet diese gemeinsame Anlaufstelle überhaupt erst den Zugang zu den notwendigen Informationen."

Finanziell limitierter Beginn

Das Geld für diese neue Stelle kommt zur Hälfte vom Bund und von den Ländern. Finanziert ist sie für die nächsten drei Jahre. Nur die Summe selbst nimmt sich angesichts der Aufgabe doch recht bescheiden aus. 400.000 Euro pro Jahr. Damit wird man angesichts hoher Betriebs- und Mietkosten nicht allzu viele Menschen beschäftigen können. Aber es ist ein Anfang - nach Jahrzehnten des Vertuschens unserer Kolonialgeschichte in den deutschen Museen.  

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