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Tonart | Beitrag vom 25.06.2018

Neue Alben – ClubmusikBei Jazzanova geht's sonnig zu

Von Martin Risel

Der Plattenspieler (Turntables) einer Musikanlage, aufgenommen am 14.04.2005 (picture-alliance/ ZB / Andreas Lander)
In einem Club - vom DJ-Pult aus gesehen (picture-alliance/ ZB / Andreas Lander)

Unser Musik-Kolumnist präsentiert drei neue Alben, die allesamt ihre Wurzeln in frühen Clubmusik-Sounds haben. Er empfiehlt "Voids" von Martyn und "The Pool" von Jazzanova. "Reboot" von U96 hält allerdings einen Tiefpunkt bereit.

Nanu, ein neuer Kraftwerk-Track? Gab es seit Jahrzehnten nicht. Auch jetzt nicht. Ur-Kraftwerker Wolfgang Flür hat aber zwei Tracks mitgestaltet auf dem neuen Album von U96. Wer war das noch?

Vor 27 Jahren war das deutsche Projekt für den kommerziellen Durchbruch des damaligen Underground Sounds Techno mitverantwortlich. Mit dieser Billigbeat-Variante der Titelmelodie aus "Das Boot". Als ich das jetzt auf Youtube wieder gehört habe, folgte DJ Bobo. Zufall?

Das Ergebnis: unterirdisch

Auch mit dem Albumtitel "Reboot" wollen die zum Duo geschrumpften U-96er elf Jahre nach ihrem jüngsten Album wieder an alte Erfolge anknüpfen. Das Ergebnis: Unterirdisch. Außer Flürs "Zukunftsmusik" und wenigen brauchbaren unter den 25 neuen Tracks geht der Rest gnadenlos unter. Tiefpunkt: Der Gastauftritt von Ex-NDW-Sänger Joachim Witt.*

Klingt ein bisschen nach Goldies Genre-definierendem Klassiker "Timeless" vor gut 20 Jahren, ist aber ein anderer Musiker, der mit Drum and Bass zur gleichen Zeit in Holland begonnen hat: Martyn – geschrieben mit Y statt I – kommt aus Eindhoven, lebt heute in den USA und hat dort zuletzt mit Alben beim In-Label Brainfeeder für Furore gesorgt. Sein neues, "Voids", ist sein erstes beim Berghain-Label Ostgut Ton. Noch so eine schwer credible Adresse.

Schön und nicht cheesy

Martyn macht nach seinen Dubstep-Exkusionen jetzt eher einen warmen House-Sound für den Sonntagvormittag in der Panorama Bar. Wenn die ersten Sonnenstrahlen auf den dancefloor scheinen - oder zur after hour daheim aufs Sofa. Schön und nicht zu cheesy.

Nicht nur mit dem Song "Heat wave" geht’s auch auf dem neuen Album "The Pool" von Jazzanova sonnig zu. Und am Pool des Berliner Kollektivs, das seit über 20 Jahren Jazz- mit Clubsounds vereint, sonnen sich diesmal so viele Gäste wie noch nie. Fast jeder der 12 Tracks glänzt mit einem anderen Sänger oder Rapper. Auch Jamie Cullum und Pete Josef sind dabei.

Nach all den Gerüchten zuletzt um Querelen oder Auseinanderbrechen des Jazzanova-Kerns, klingt das Album auch weniger nach Gesamtkunstwerk denn als Aneinanderreihung von – allerdings ziemlich vielen ziemlich vielversprechenden – Songs. Einer davon hat sogar das Zeug zum Sommerhit.

*Aus redaktionellen Gründen haben wir an dieser Stelle eine Formulierung aus dem Text gelöscht.

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