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Frühkritik | Beitrag vom 31.01.2019

Neu im Kino: "The Mule" Blumenzüchter und Drogenkurier

Von Jörg Taszman

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Szene aus dem Film "The Mule" mit Clint Eastwood. (imago/Prod.DB)
"Opa" wird Drogenkurier. (imago/Prod.DB)

Richtig gutes Kino: Mit "The Mule" ist dem 88-jährigen Clint Eastwood als Regisseur und Hauptdarsteller ein vielschichtiger Film gelungen. Er spielt darin einen Lebemann, der sich im Alter auf seine Familie besinnt und sich aus der Pleite rettet.

Worum geht es ?

Im Alter von 88 Jahren haut Clint Eastwood als Regisseur und Hauptdarsteller noch einmal einen ganz großen Film heraus. Er verkörpert Earl Stone, einen Blumenzüchter, der die Zeichen der Zeit verschlafen hat und dem seine Leidenschaft für Lilien, Preise und Messeauftritte immer viel wichtiger war als die eigene Familie. So hat er es nicht einmal geschafft, bei der Hochzeit der eigenen Tochter aufzutauchen, die seitdem nicht mehr mit ihrem Vater redet.

Was ist das Besondere?

Nun ist Earl 90, gerade Pleite gegangen und er erscheint unangemeldet bei der Verlobung seiner Enkelin. Dabei lernt er einen jungen Mann kennen, der ihm einen Kontakt zu Mexikanern vermittelt, die Fahrer suchen. Und so soll der "Opa" in seinem klapprigen Truck immer eine "Fracht" quer durchs Land fahren und an einem gewissen Ort einfach nur parken und die Autotür offen lassen. Natürlich handelt es sich dabei um Drogen, aber Earl stellt keine Fragen, denn das Geld stimmt.

Szene aus dem Film "The Mule" mit Clint Eastwood. (imago/Prod.DB)Clint Eastwood spielt einen gealterten Lebemann. (imago/Prod.DB)

So lassen sich die Schulden abbezahlen, der Rausschmiss aus dem eigenen Haus verhindern und sogar für die Familie und Freunde kann er als großzügiger Sponsor auftreten. Earl wird für die mexikanische Drogenmafia zum wertvollsten Kurier, aber auch das FBI wird langsam neugierig.

Bewertung

Entspannt und unterhaltsam erzählt Eastwood als Regisseur schnörkellos von einem alten Hallodri und Lebemann, der es sich im Leben immer etwas zu leicht gemacht hat. Plötzlich möchte er sich doch wieder mit der Familie aussöhnen und wie der Film gegen Ende dann immer dramatischer, emotionaler und spannender wird, ist richtig gutes Kino. Zum ersten Mal seit "Back in the Game" von 2012 sieht man Eastwood auch wieder vor der Kamera und es ist ein beeindruckendes Wiedersehen mit einem Schauspieler, der mit sehr reduzierter Mimik so vielschichtige Charaktere verkörpert, die unter die Haut gehen. Mit Abstand Clint Eastwoods bester Film seit "Gran Torino" (2008).

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