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Fazit / Archiv | Beitrag vom 08.10.2014

Neu im KinoSpannende Rache auf der Leinwand

"The Salvation" von Kristian Levring und "Ein Geschenk der Götter" von Oliver Haffner

Von Hans-Ulrich Pönack

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Mads Mikkelsen als Jon mit seinem ermordeten Sohn Kresten (Toke Lars Bjarke) in "The Salvation". (picture alliance / dpa / Concorde Film / Jens Schlosser)
Mads Mikkelsen als Jon mit seinem ermordeten Sohn Kresten (Toke Lars Bjarke) in "The Salvation". (picture alliance / dpa / Concorde Film / Jens Schlosser)

Zwei sehenswerte Filme in dieser Woche: Der dänische Regisseur Kristian Levring hat einen fesselnden Western gedreht, in dem es um erbarmungslose Rache geht. Und "Ein Geschenk der Götter" ist ein pfiffiges Kleinod unter den Ensemble-Filmen.

Die Dänen können auch Western! Regisseur Kristian Levring, Jahrgang 1957, einst der vierte Unterzeichner der aufsehenerregenden cineastischen "Dogma95 Bewegung" aus dem Hause und Umfeld von Lars von Trier, ist mit seiner Reanimation des Genres eine großartige Hommage an Werke von John Ford, Fred Zinnemann, Akira Kurosawa, Sergio Leone, Sergio Corbucci, Clint Eastwood und Enzo. G. Castellari gelungen.

"The Salvation" / "Die Erlösung" ist ein spannender Rache-Film. Da will einer anständig sein und nicht in die Fänge des Bösen geraten, muss aber erkennen, dass er sich "genauso benehmen" muss, um Werte von Recht, Gerechtigkeit, Moral und Anstand halbwegs wieder herzustellen.

Mit verblüffenden Wendungen und guter Besetzung

Wir befinden uns im Jahr 1871. Mit seinem Bruder Peter (Mikael Persbrandt, hierzulande bekannt als Detektiv Gunvald Larsson in der populären "Kommissar Beck"-TV-Serie) hat Jon (Mads Mikkelsen) bereits im deutsch-dänischen Krieg anno 1864 gekämpft. Nach der Niederlage musste er schweren Herzens seine Frau Marie und den kleinen Sohn Kresten zurücklassen, um im Grenzland des amerikanischen Westens eine neue Existenz aufzubauen. Jetzt, sieben Jahre danach, hat sich die Schufterei gelohnt: Er hat ein kleines Stück Land in der Nähe der Gemeinde Black Creek urbar gemacht und ein Haus darauf gebaut. Seine Frau und der inzwischen 11-jährige Kresten können endlich nachkommen. Per Postkutsche soll es zur Farm gehen. Zwei dunkle Gestalten reisen mit, die sich als aggressive Angreifer erweisen.

Aus dem Human-Menschen Jon wird (nach den einstigen elenden Kriegssoldat-Erfahrungen) erneut die Bestie Mensch. Doch was zunächst nach einem privaten Duell zwischen Außenseitern ausschaut, entwickelt sich immer mehr zu einem geschäftsmächtigen Politikum. Die "Chefetage" in der Gemeinde ist korrupt; das Sagen hat hier einzig der brutale, kompromisslose Banden-Chef Delarue (Jeffrey Dean Morgan). Der wird fortan sein erbitterter Gegner sein, denn einer der beiden nun toten Postkutschen-Räuber war sein Bruder. Außerdem arbeitet Delarue insgeheim für ein fernes, aber mächtiges Öl-Unternehmen, das hier große Geschäfte plant. Es geht also wieder einmal ums große Geld.

"The Salvation" ist ein richtig guter Western mit verblüffenden Wendungen, guter Besetzung und einem stimmungsvollen Gitarren-Western-Sound von Kasper Winding (Ennio Morricone lässt grüßen). 

"The Salvation"
Dänemark/GB/Südafrika 2013
Regie: Kristian Levring
89 Minuten

 

Von den vielen Filmen, die in dieser Woche neu in die Lichtspielhäuser kommen, hätte ich auf diesen eigentlich am Allerwenigsten gesetzt. Was für eine schöne Überraschung!

Neulich erst kam wieder die gesellschaftliche Diskussion auf, dass viele Berufsschauspieler in Deutschland, darunter durchaus namhafte, sich am Existenzminimum bewegen .Jetzt kommt also der Film zu diesem Thema. Anna (Katharina-Marie Schubert /"Shoppen") verliert aus heiterem Himmel ihre Festanstellung beim Stadttheater in Ulm. Sie landet wohl oder übel im örtlichen Jobcenter.

Ihr Aktenvermerk: Schwer vermittelbar. Doch dann hat die Sachbearbeiterin eine Idee: Bevor es mit der Bildungsmaßnahme "Computer" für acht Langzeitarbeitslose losgeht, soll Anna ihnen doch bis dahin etwas Schauspielunterricht geben. Gedacht, gemeint, getan. Natürlich stößt Anna bei ihren Schützlingen nicht gerade auf eitle Freude. Ganz im Gegenteil. "Sie sind ja noch nicht mal im 'Tatort' aufgetreten", wird sie willkommen geheißen.

Eine gelungene deutsche Komödie

In der Gruppe mit dem begabten Tischler in Konkurs, dem Griechen Dimitri, der von seinem eigenen Boots-Restaurant nie übers Träumen hinweg gekommen ist, den Legastheniker Max, die übergewichtige Kinderpflegerin Betty, die stille und stets zu spät kommende Friederike, die zwei Kinder und einen "defekten" Ehemann durchbringen muss, die hibbelige Dauer-Praktikantin Linda, den ledigen Bibliothekar Alfred und den aufbrausenden Fahrlehrer Hubert herrscht zunächst Abwehrstimmung. Doch Anna hält und zieht durch: Die antike Klassik-Tragödie "Antigone" wird angegangen. Und aus Aktionismus entwickelt sich nach und nach Team-Stimmung mit viel Situationsgespür und tragikomischen Folgen.

Was für ein kleiner feiner Ensemble-Film! Motto: Du hast keine Chance, also nutze sie. Gescheit werden die Figuren vorgestellt, entwickelt, präsentiert, keiner wird vorgeführt oder denunziert. Autor und Regisseur Oliver Haffner, ein Vielstudierter - Politikwissenschaft, Schauspiel-Regie und Spielfilm-Regie – ist an Bühnen und in den Studios (Kurzfilme) in Österreich und Deutschland unterwegs und hat hier ein respektables, pfiffiges Kleinod geschaffen. Ohne Pathos, dafür mit wohl temperiertem Mittelfinger-Spaß! "Ein Geschenk für Götter" ist eine gelungene, stimmungsvolle deutsche Working-Class-Komödie um Selbstachtung, Würde und solidarische Energie.

"Ein Geschenk der Götter"
Deutschland 2013
Regie: Oliver Haffner
102 Minuten

Weiterführende Information

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(Deutschlandradio Kultur, Kompressor, 07.10.2014)

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