Neu im Kino: "Menashe"

Permanentes Abweichen vom vorgeschriebenen Weg

Yossi Rosenzweig, LA Rosenzweig, Eliezer Niborski, Meyer Schwartz, Yoel Weisshaus, Ruben Niborski, Menashe Lustig
Szene aus "Menashe" von Joshua Z. Weinstein © Yoni Brook
Von Anke Leweke · 05.09.2018
Im jüdisch-orthodoxen Borough Park in Brooklyn bestimmen Religion und Tradition noch immer Alltag und Leben. Witwer Menashe weicht ab – äußerlich, aber auch, indem er sich dem Plan der Gemeinde verweigert, ihn schnell wieder zu verheiraten.

Worum geht es ?

Im jüdisch orthodoxen Borough Park in Brooklyn bestimmen Religion und Tradition immer noch Alltag und Leben. Schon durch sein Aussehen fällt der Titelheld auf. Warum er nicht den hohen Hut und den schwarzen Mantel wie die anderen Männer trägt, will sein etwa zehnjähriger Sohn Rieven wissen. Auch die Schläfenlocken klemmt sich Menashe hinter die Ohren, so dass sie kaum mehr zu sehen sind. Permanent weicht der junge Witwer vom vorgeschriebenen Weg ab. Die Gemeinde will ihn so schnell wie möglich wieder verheiraten. Er kann sich aber keine Zukunft mit einer anderen Frau vorstellen und brüskiert die ihm zugeführten Kandidatinnen. Da er nicht genug Geld verdient und seinen Haushalt nicht allein führen kann, beansprucht ein Onkel die Erziehung von Menashes Sohn.

Was ist das Besondere?

Sein Drama wie auch seine Komik entwickelt dieser Film aus präzise beobachteten Details des chassidischen Regelwerks. Der tolpatschige Held kommt als orthodoxe Variante von diversen Woody-Allen-Figuren daher oder als unorthodoxe Ausgabe eines Hiob. Er entwickelt seine eigenen Lebensweisheiten, zieht aber gleichzeitig stets das Unglück an.

Fazit

Diskret und voller Empathie gelingt es der Kamera, eine Kultur zu erkunden, die für alle sichtbar ist, die aber eigentlich undurchdringlich für Außenstehende bleibt.

Menashe
USA 2017
Regie: Joshua Z. Weinstein

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