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Frühkritik | Beitrag vom 25.08.2016

Neu im Kino: "Looping"Liebe zu Dritt in einer Märchenanstalt

Von Jörg Taszman

Szene aus "Looping" mit Jella Haase als Leila. (Edition Salzgeber)
Szene aus "Looping" mit Jella Haase als Leila. (Edition Salzgeber)

Der Film zeichnet die Liebe zwischen drei Frauen aus drei Generationen. Doch damit nicht genug. Psychiatrie, Tod, Vergewaltigung und Klischees - dieser Abschlussfilm der Filmuniversität Babelsberg will zu viel und wirkt dadurch wenig glaubwürdig, sagt unser Rezensent Jörg Taszman.

Das deutsche Autorenkino krankt oft an schlechten Drehbüchern, kann dafür aber bei den vielen guten DarstellerInnen aus dem Vollen schöpfen. Das ergibt dann verkopfte Filme wie LOOPING, die als Ganzes scheitern, aber in wenigen schönen Momentaufnahmen überzeugen. Und Jella Haase, die 23-jährige Berlinerin, die noch so mädchenhaft wirkt, eignet sich wunderbar als Projektionsfläche. Sie muss schon lange nicht mehr beweisen, dass sie mehr kann als Chantal in "Fack Ju Göhte".

Und so ist sie auch in diesem Abschlussfilm der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf emotionales Zentrum und einsamer Leuchtturm. Sie verkörpert die 19-jährige Schaustellerin Leila, die vom Drehbuch mit Klischees überfrachtet wird.

Die Mutter ist weg oder tot, der Vater überfordert, die Freundin eine untreue kleine Schlampe und ein LKW-Fahrer, den sie betrunken vor einer Peep-Show aufgabelt, ein Vergewaltiger. Nach einem Kurzaufenthalt in der Notaufnahme lässt sich Leila in eine Psychiatrie einweisen, die eher an ein idyllisches Frauenhaus ohne Wärter und Pflichten erinnert. Dort lernt Leila dann die Liebe zu zwei erwachsenen Frauen kennen, zur 35-jährigen Frenja und zur 50-jährigen Ann.

Aber Liebe zu Dritt in einer Märchenanstalt kann nicht andauern. Tod, Depressionen und Desillusionierung lauern überall.

Schlechtes Drehbuch mit guten Schauspielern

Dank der drei wirklich guten Schauspielerinnen - neben Jella Haase wirken auch Lana Cooper und Marie Lou Sellem mit - hat "Looping" immer wieder poetische und sinnliche Momente, in denen es keine bedeutungsschwangeren Dialoge gibt und sogar die Bilder passen. Das schlechte Drehbuch wird in diesen Momenten entschädigt und dann deutet sich das Potenzial des Filmes an.

Aber wieder einmal will eine junge Regisseurin zu viel, inszeniert unentschieden zwischen realistischem Drama und verspielter Utopie und wird dabei von den öffentlichen Geldgebern wie ihrer Filmhochschule, ihrem Produzenten und dem Fernseh-Redakteur unterstützt.

"Looping"
Deutschland 2016
Regie: Leonie Krippendorff
Mit Jella Haase, Lana Cooper, Marie-Lou Sellem
Länge: 104 Minuten

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(Deutschlandradio Kultur, Im Gespräch, 17.02.2016)

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