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Frühkritik | Beitrag vom 17.06.2021

Neu im Kino: "Frühling in Paris"Zarte Liebe mit großem Altersunterschied

Von Jörg Taszman

Filmszene: v. l. Raphaël (Arnaud Valois), Suzanne (Suzanne Lindon). (Avenue B Productions)
Filmszene aus „Frühling in Paris”. (Avenue B Productions)

Suzanne ist 16 und verliebt sich in den Schauspieler Raphaël, der mehr als doppelt so alt ist. Die selbst sehr junge Suzanne Lindon hat das Buch geschrieben, Regie geführt und die Hauptrolle gespielt. Ein Hauch von einem Film.

Um was geht es?

Suzanne  (Suzanne Lindon) ist 16, trinkt im Café gerne Granatapfelsirup und langweilt sich unter Gleichaltrigen. Sie stammt aus einem gut bürgerlichen Elternhaus, wirkt beschützt und sorgenfrei.

Beim Weg zur Schule kommt sie täglich an einem kleinen Theater im Montmartre vorbei und interessiert sich zunehmend für den Schauspieler Raphaël (Arnaud Valois). Er ist 35 Jahre alt und ein wenig gelangweilt von seinem Alltag.

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Suzanne und Raphaël treffen sich täglich, flanieren, unterhalten sich, frühstücken gemeinsam oder sitzen abends im Café. Sie siezen sich noch, als sie sich längst ineinander verliebt haben …

Was ist das Besondere?

Regisseurin, Autorin, Hauptdarstellerin und Sängerin Suzanne Lindon war 15, als sie diese Geschichte schrieb, und 19, als sie den Film drehte. Sie ist die Tochter zweier Schauspielgrößen in Frankreich: Ihre Mutter ist Sandrine Kiberlain, ihr Vater Vincent Lindon.

Ihr Regiedebüt ist eine zarte, verspielte und beschwingte Etüde über eine platonische Liebe. Der Film setzt bewusst auf Leerstellen und verzichtet auf das große Drama.

Fazit

Aufgelockert mit melancholischen Chansons und ein wenig Klassik, schöpft Suzanne Lindon für ihren kleinen, feinen Film cineastisch schon aus dem Vollen. Man erinnert sich an die ersten Filme von Charlotte Gainsbourg ("Das freche Mädchen") und Sandrine Bonnaire ("Auf das wir lieben") und an die Stimmung von Sophia Coppolas "Lost in Translation". Ein Film für die Sinne, etwas intellektuell angehaucht, aber mit schönen Szenen, wenn Suzanne und Raphaël ihren Gefühlen bei Pantomime und beim Tanzen freien Lauf lassen.

Mehr ein Hauch von einem Film, durchsetzt mit einem Schuss Melancholie, angenehm kurz mit 72 Minuten, und dabei sympathisch und berührend.

"Frühling in Paris"
("Seize Printemps") Frankreich 2020
Regie: Suzanne Lindon 
DarstellerInnen: Suzanne Lindon, Arnaud Valois, Frédéric Pierrot
Länge: 74 min.

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