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Fazit / Archiv | Beitrag vom 06.04.2016

Neu im Kino: "Freeheld – Jede Liebe ist gleich"Jede Geste überproportional aufgeblasen

Von Patrick Wellinski

Julianne Moore (l.) als Laurel Hester und Ellen Page als Stacie Andree in dem Film "Freeheld". (picture alliance / dpa /  Universum Film)
Julianne Moore (l.) als Laurel Hester und Ellen Page als Stacie Andree in dem Film "Freeheld". (picture alliance / dpa / Universum Film)

Das Drama "Freeheld – Jede Liebe ist gleich" erzählt die wahre Geschichte der lesbischen Polizistin Laurel Hester. Leider fehlt der Verfilmung mit Julianne Moore und Ellen Page die Geduld für das Sanfte, Stille und Zärtliche.

Laurel Hester (Julianne Moore) ist eine gute Polizistin in New Jersey. Sie ist hart im Nehmen und kämpft um ihren Platz in der von Männern dominierten Welt der Cops. Keiner fragt nach ihrem Privatleben. Und das ist auch gut so, weil Laurel lesbisch ist. Und sie hat sich nicht geoutet.

Als sie sich in die Automechanikerin Stacie Andree (Ellen Page) verliebt, erzählt sie allen, insbesondere ihrem mundfaulen Partner (Michael Shannon), Stacie sei lediglich eine neue Mitbewohnerin.

Das wird erst zum Problem, als Laurel unheilbar an Lungenkrebs erkrankt. Sie wird sterben und möchte, dass ihre Pensionsansprüche nach ihrem Tod an Stacie ausgezahlt werden. Doch die konservative Stadtverwaltung lehnt das zunächst ab. Es beginnt ein Kampf der beiden Frauen, der schon bald auch in der Öffentlichkeit ausgetragen wird.

Brave und faktentreue Nacherzählung

Das Drama "Freeheld – Jede Liebe ist gleich" erzählt von diesem Kampf. Dabei basiert die Geschichte auf einem wahren Fall. Drehbuchautor Ron Nyswaner hatte sie bereits in seinem Oscar nominierten Dokumentarkurzfilm festgehalten.

Der Spielfilm nun versteht sich als brave und faktentreue Nacherzählung. Das Ganze ist hervorragend besetzt. Aber der Film ignoriert die sanften Zwischentöne dieser schönen Liebesgeschichte. Er will Laurel Hester ein Denkmal setzen.

Dabei bot Hesters Widerwillen, sich eben nicht zu einer Ikone der ganzen LGBTQ-Bewegung machen zu lassen, genug Stoff, um etwas mehr Ambivalenz in die Heldengeschichte zu bringen.

Das Hollywoodkino verfällt hier in seine größte Schwäche: in einen Pathos, der nur den Ton der Überdeutlichkeit kennt. Jede Geste wird überproportional aufgeblasen.

"Freeheld – Jede Liebe ist gleich" fehlt die Geduld für das Sanfte, Stille und Zärtliche und ist am Ende eine gut gemeinte, aber eben auch vertane Chance.

Freeheld – Jede Liebe ist gleich
Regie: Peter Sollet
Darsteller: Julianne Moore, Ellen Page, Michael Shannon, Steve Carell u.a.
Drama, USA 2015
143 Minuten

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