Seit 15:30 Uhr Tonart

Donnerstag, 25.04.2019
 
Seit 15:30 Uhr Tonart

Fazit / Archiv | Beitrag vom 04.01.2017

Neu im Kino: "Die Taschendiebin"Nichts ist so wie es scheint

Von Patrick Wellinski

Podcast abonnieren
"Die Taschendiebin": Ein opulenter Geniestreich, wie ihn vielleicht nur das asiatische Kino hervorbringen kann. (picture alliance / dpa / Cannes Film Festival)
"Die Taschendiebin": Ein opulenter Geniestreich, wie ihn vielleicht nur das asiatische Kino hervorbringen kann. (picture alliance / dpa / Cannes Film Festival)

Das neue Werk von Park Chan-wook spielt im Korea der 30er Jahre. Dennoch ist "Die Taschendiebin" ein hoch moderner Film geworden - und ohne Zweifel einer der spannendsten und schönsten Thriller der letzten Zeit. Ein opulenter Geniestreich!

Korea ist in den 1930er Jahren fest in japanischer Hand. Das Volk wird unterdrückt. Auf dem Anwesen der reichen, japanischen Erbin Hideko lebt es sich aber ganz angenehm. Abgeschottet von der Außenwelt hat man hier genug, um sich nicht mit den düsteren Seiten der Politik auseinandersetzen zu müssen. Doch die Ruhe verpufft, als ein Hochstapler die Taschendiebin Sookee in das Anwesen einschleust. Sookee soll als Kammerzofe von Fräulein Hideko an das Erbe des Hauses gelangen. Doch Sookee ist von der Schönheit Hidekos überwältigt und verliebt sich in sie. Jetzt, da die Gefühle das Ruder übernehmen, ist von dem anfänglichen Betrugsversuch keine Rede mehr.

Herrlich elegantes Verwirr- und Vexierspiel

Der Film ist ein herrlich elegantes Verwirr- und Vexierspiel, das jede Intrige sofort auch in die eigene Dramaturgie überführt. Nichts ist so wie es scheint. Sind die geäußerten Gefühle echt oder nur ein Ablenkungsmanöver? Wer versucht hier wen hinters Licht zu führen? Wie Park Chan-wook sein Personal durch die atemberaubend schönen Innenräume des Palastes führt, ist eine Kunst für sich. Damit beweist der "Oldboy"-Regisseur erneut, dass er zu den führenden Kreativen des Weltkinos zählt. 

Die weiblichen Figuren entziehen sich dem männlichen Blick

"Die Taschendiebin" ist zudem ein hoch moderner Film, der von einer sehr eigenwilligen weiblichen Emanzipation erzählt. Mehr noch: Es scheint, als würden die weiblichen Figuren sich mit der Laufzeit des Films gegen den Regisseur wenden. Sie entziehen sich dem männlichen Blick und bringen das ganze Erzählkonstrukt ins Wanken. Das ist ohne Zweifel einer der spannendsten und schönsten Thriller der letzten Zeit. Ein opulenter Geniestreich, wie ihn vielleicht nur das asiatische Kino hervorbringen kann.

Die Taschendiebin
Regie: Park Chan-wook
Darsteller: Kim Min-hee, Kim Tae-ri, Ha Jung-woo, Cho Jin-woong
Südkorea 2016
Kostümthriller, 145 Minuten, FSK: ab 12

Mehr zum Thema

"Stoker"
(Deutschlandradio Kultur, Filme der Woche, 08.05.2013)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsEmpfehlung für Trockenrasen
Ausgetrocknete Erde eines ehemaligen Ackers mit Trockenrissen in Israel (imago stock&people / blickwinkel M. Schaef)

Die Feuilletons sorgen sich um die Trockenheit. Sei es die düstere Aussicht auf einen besonders regenarmen Sommer in Deutschland, der trockene Humor von Shakespeare oder einfach die Empfehlung der "TAZ" für Trockenrasen.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 14Der Stoff, aus dem der Osten ist
Szene aus "Düsterbuschs City Lights" am Theater Magdeburg (Theater Magdeburg)

Von einer Magdeburg-Reise kommen wir mit Fragen zurück: Welche Themen interessieren 30 Jahre nach dem Mauerfall das Publikum in den neuen Bundesländern? Muss man hier anders Theater machen? Und warum fallen Kritiken oft anders aus als Zuschauerreaktionen?Mehr

Folge 13Konfetti und Konflikte
Bühnenbild von Katrin Brack für „Immer noch Sturm“ am Thalia Theater Hamburg (Armin Smailovic)

Konfetti, Nebel und Schaumstoffquader: In Folge #13 des Theaterpodcasts schauen wir auf die Bühnenbilder von Katrin Brack und fragen am Beispiel der Bühnen Halle, wie viel Experimente das Stadttheater verträgt.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur