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Frühkritik | Beitrag vom 28.05.2015

Neu im Kino: "Das Zimmermädchen Lynn"Schaulust und sexuelles Erwachen

Von Patrick Wellinski

Vicky Krieps spielt die Hauptrolle im Kinofilm "Das Zimmermädchen Lynn", Deutschland 2014 (Verleih Movienet Film)
Das Spiel mit Identitäten: Vicky Krieps verkörpert exzellent die Hauptrolle im Kinofilm "Das Zimmermädchen Lynn" (Verleih Movienet Film)

Die Hauptfigur versteckt sich in Schränken und unter den Betten der Gäste und dringt so in fremde Leben ein. "Das Zimmermädchen Lynn" von Regisseur Ingo Haeb ist einer der außergewöhnlichsten jungen deutschen Filme der letzten Zeit.

Wie ist das wohl, wirklich einsam zu sein? So einsam, dass die Welt einen nicht mehr wahrnimmt. Bis zu dem Punkt, dass man sich gar nicht mehr sicher sein kann, am Leben zu sein. Das ist der Zustand des stummen, alltagsfremden Mädchens Lynn – exzellent gespielt von Vicky Krieps. Als Zimmermädchen heuert sie in einem gesichtslosen Hotel in der deutschen Provinz an. Hinter jedem Zimmer verbirgt sich eine andere Welt. Zunächst ist Lynn nur Dienstleisterin. Doch nach und nach beginnt sie in fremde Rollen zu schlüpfen. Sie versteckt sich in Schränken und unter den Betten der Gäste und dringt so in fremde Leben ein.

Im Labyrinth der Identität

Ingo Haebs ("Sohnemänner"; "Fraktus") formal selbstbewusstes Drama wirkt in seiner inszenatorischen Reife wie ein Film aus dem Frühwerk von Michael Haneke - ohne dessen Welthass. Die Einstellungen sind starr, bis in den letzten Winkel durchkomponiert und immer voller Zärtlichkeit gegenüber seiner Hauptfigur. Lynns Versteckspiele werden nach und nach durchzogen von einer neugierigen Schaulust und gipfeln in einem - auch sexuellen - Erwachen.

So fragt Haeb, der sich bislang als hervorragender Komödienregisseur hervorgetan hat, auch sehr klug nach dem Wert der Individualität, nach der Erotik des Blicks und dem Labyrinth der Identität in einer vollkommen abweisenden und anonymen Gesellschaft. Genau in dieser Abstraktion liegt die anziehende Kraft von "Das Zimmermädchen Lynn", einem der außergewöhnlichsten jungen deutschen Filme der letzten Zeit.

Zum Trailer auf Youtube

Deutschland 2014,Regie: Ingo Haeb, Hauptdarsteller: Vicky Krieps, Lena Lazemis, Oliver Hirschberg, Ingo Haeb, 90 Minuten, ohne Altersbegrenzung

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(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 18.04.2012)

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