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Frühkritik | Beitrag vom 03.09.2020

Neu im Kino: "Corpus Christi"Zweite Karriere als falscher Priester

Von Jörg Taszman

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In "Corpus Christi" geht es um einen Priester, der der keiner ist. (dpa / picture alliance / Everett Collection)
In "Corpus Christi" geht es um einen Priester, der keiner ist. (dpa / picture alliance / Everett Collection)

Der polnische Film "Corpus Christi" setzt sich kritisch mit der Rolle der Kirche auseinander. Im Mittelpunkt steht ein junger Krimineller, der ein Doppelleben führt und die Institution Kirche hinterfragt.

Worum geht es?

Daniel, ein junger Krimineller, der eigentlich in einem entlegenen Dorf die Arbeit in einem Sägewerk aufnehmen soll, hat in der Haftanstalt dem Gefängnispriester geholfen. Als er in der kleinen Kirche des Ortes eine junge Frau trifft, die in ihm einen Sträfling sieht, will er ihr imponieren und zeigt ihr sein Priestergewand. Fortan gibt er sich als katholischer Priester aus und verführt durch seine unkonventionelle, direkte Art zu predigen und Gott zu suchen die durch einen schrecklichen Unfall traumatisierte Gemeinde des Dorfes. Aber hat Daniel sich wirklich gewandelt, glaubt er plötzlich an Keuschheit und wie lange kann er als Hochstapler und Priester ein Doppelleben führen?

Was ist das Besondere?

"Corpus Christi" ist einer von vielen polnischen Filmen der letzten Jahre, die sich kritisch und vielschichtig mit der Rolle der Kirche auseinandersetzen. Komasa rückt dabei jedoch einen Außenseiter, einen noch jugendlich wirkenden Kriminellen in den Mittelpunkt, der durch seine Ehrlichkeit nicht nur die Institution Kirche hinterfragt, sondern auch bei der örtlichen Obrigkeit aneckt.

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Ist der Film zu empfehlen?

Wie schon in seinem aktuellen Film "The Hater" (Netflix), seinem Debüt "Suicide Room" und seiner schmerzlichen Reflexion über den Warschauer Aufstand, "Warschau 44", dreht der 1981 geborene Jan Komasa hochinteressante, komplexe und etwas andere Coming-of Age Filme. Mit "Corpus Christi" ist ihm sein bisher überzeugendster Film gelungen.

Neben dem herausragenden Bartosz Bielenia in der Hauptrolle überzeugt das gesamte Darstellerensemble. Gekonnt arbeitet sich Komasa nicht nur an der Kirche und Glauben ab, sondern schafft ein vielschichtiges Gesellschaftsporträt und mischt dabei die Genres zwischen Thriller, Drama und Komödie. Völlig zu Recht erhielt "Corpus Christi" in diesem Jahr eine Oscarnominierung für den besten internationalen Film.

"Corpus Christi"
Polen 2019
Regie: Jan Komasa
Darsteller: Bartosz Bielenia 

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