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Frühkritik | Beitrag vom 11.02.2016

Neu im Kino: "69 Tage Hoffnung"Dramatisches konventionell erzählt

Von Hannelore Heider

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Hoffnung auf Rettung: Im September 2010 wurden 33 Bergleute in einer Mine in Chile verschüttet (picture-alliance/ dpa / Esteban Gonzalez)
Hoffnung auf Rettung: Im September 2010 wurden 33 Bergleute in einer Mine in Chile verschüttet (picture-alliance/ dpa / Esteban Gonzalez)

Die Geschichte der Bergleute in Chile, die nach 69 Tagen aus einer verschütteten Grube gerettet worden, bewegte die Welt. Der neue Film über das Unglück mit Antonio Banderas bewegt nur jene, die sich nicht an Hollywood-Klischees stören.

Der Katastrophenfilm nach einer wahren Geschichte basiert auf dem Erfolgsroman "Deep Down Dark" des Journalisten Hector Tobar. Als Faktenroman hatte er auf Wunsch der verunglückten Bergleute deren unglaubliche Rettung nach einem Grubenunglück 2010 in Chile verarbeitet.

Die Geschichte machte Schlagzeilen und hielt 69 Tage lang die ganze Welt in Atem. Die mexikanische Regisseurin Patricia Riggen hat für ihren Überlebensfilm ein internationales Starensemble zusammenbekommen, das der konventionell erzählten Geschichte die Aufmerksamkeit des Publikums sichern soll.

Die Rettung der 33 Bergleute schien aussichtslos

Grubenunglücke sind in den alten Kupfer- und Goldminen Chiles leider keine Seltenheit. In der alten Mine von San José wurden 33 Bergleute so tief und von so massivem Gestein verschüttet, dass eine Rettung aussichtslos schien.

Dass sie nach 69 Tagen letztlich doch gelang, ist nicht nur dem Überlebenswillen der Bergleute zu verdanken, von denen in diesem Film einige mit deutlicher Charakteristik herausgehoben werden. So der Sicherheitsmann Luis (Lou Diamond Phillips), er hatte lange vor der Gefahr gewarnt. Hauer Mario (Antonio Banderas) sichert Ruhe und Disziplin in der kleine Höhle, aus der es kein Entkommen, nur wenig Proviant und keine Verbindung nach außen gibt.

Parallel dazu versucht ein inzwischen internationales Rettungsteam unter Leitung von Andre Sougarret (Gabriel Byrne), die dramatische Bergung voranzutreiben. Aus den vielen Angehörigen, die vor der Mine ausharren und Druck auf Besitzer und Regierung machen, ragt Maria Segovia (Juliette Binoche) heraus, die Schwester eines der Helden unter der Erde.

Trotz der Stars auf der Leinwand kommt keine Empathie auf

Während die ersten Bilder des Einsturzes dem Zuschauer noch die Dramatik, vor allem die Orientierungslosigkeit der Bergleute miterleben lassen, versinkt der Film zunehmend in einer Aneinanderreihung der einzelnen Rettungsetappen.

Trotz des sichtbaren Engagements der Stars gelingt es nicht, eine tiefe Anteilnahme am Schicksal der Bergleute herzustellen, weil sie in ihrer Charakterisierung eher der herkömmlichen klischeebehafteten  Hollywooddramaturgie folgen. Das gilt auch für die Musik. Besonders deutlich wird das im Schlussbild, als die realen Bergleute für Sekunden vor der Kamera stehen.

"69 Tage Hoffnung"
Regie: Patricia Riggen
Darsteller: Antonio Banderas, Rodrigo Santoro, Juliette Binoche, Lou Diamond Phillips, Gabriel Byrne, James Brolin
USA, Chile 2015
127 Minuten, ab 12 Jahren

 

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