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Frühkritik | Beitrag vom 16.01.2020

Neu im Kino: "1917"Ein Kriegsfilm, der zu sehr auf Technik setzt

Von Anke Leweke

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Filmszene aus "1917" von Sam Mendes: George MacKay als Soldat Schofield im Schützengraben, umgeben von anderen Soldaten. (Universal Pictures / DreamWorks Pictures / Francois Duhamel )
"1917" von Sam Mendes erhielt bereits den Golden Globe als bester Film. Bei den Oscars hat er auch gute Chancen. (Universal Pictures / DreamWorks Pictures / Francois Duhamel )

Sam Mendes ist auf dem besten Weg, mit seinem Kriegsfilm "1917" der große Oscar-Gewinner 2020 zu werden. Mit erheblichem Aufwand suggeriert er, die Geschichte zweier Soldaten in Echtzeit zu erzählen. Unsere Kritikerin hat er aber nicht überzeugt.

Um was geht es?

Die beiden britischen Soldaten Schofield und Blake werden zu ihrem Vorgesetzten in einen kargen Raum inmitten eines Schützengrabens gerufen. Da die Telefonleitungen gekappt sind, sollen sie einem abgeschnittenen Bataillon die Mitteilung überbringen, dass der Angriff des kommenden Morgens abgesagt wird. Die Deutschen wollen die Briten in einen Hinterhalt locken. Das Leben Tausender ihrer Kameraden, darunter auch Blakes Bruder, gilt es zu retten. Die beiden Männer müssen sich durch feindliches Gebiet schlagen, ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Was ist das Besondere?

Mit zehn Nominierungen geht der Film ins Oscar-Rennen. Bei den Golden Globes wurde er bereits als bester Film und Sam Mendes als bester Regisseur ausgezeichnet. Tatsächlich ist hier ein immenser produktionstechnischer Aufwand am Werk. Der Film wurde weitgehend in einer einzigen Einstellung gedreht, Schnitte wurden kaschiert, um die Illusion von Echtzeit und Unmittelbarkeit zu erzeugen. Die Bewegungsabläufe der beiden Soldaten mussten perfekt choreografiert, getimt und in Einklang mit dem Auftreten Hunderter Statisten gebracht werden. Die Kamera heftet sich an die Fersen der Protagonisten, läuft minutenlang mit ihnen durch die Schützengräben. Auf freiem Feld geht sie mit ihnen in Deckung, wenn der Feind schießt. Dann nimmt sie die subjektive Perspektive der beiden Helden ein, etwa wenn ein abstürzender deutscher Flieger auf die beiden zurast. Damit keine Anschlussfehler passieren, konnte nur gearbeitet werden, wenn stets das gleiche Wetter herrschte, der Himmel grau und bedeckt war.

Bewertung:

Es ist dieser enorme Aufwand, der sich in den Vordergrund schiebt. Man ist mehr mit logistischen Fragen beschäftigt, als dass man bei den Soldaten ist. Der Eindruck der Authentizität wird auch durch eine dröhnende Musikspur unterbunden, die stets die Stimmungslage vorgibt. Der dokumentarische Duktus der Echtzeit und die wiederum sehr stilisierten Bilder einer vom Krieg versehrten Landschaft stehen in keinem Spannungsfeld. Die Gewalt wird wie auf Knopfdruck in Szene gesetzt, weil sie nun einmal zum Krieg gehört. Ohnehin hat der Film etwas sehr Mechanisches, technisch gesehen läuft alles wie am Schnürchen. Dabei vergisst der Film eine Haltung zum Krieg und zu dem, was er mit den Menschen macht, zu entwickeln. Zu sehr ist er von seiner eigenen Grundidee fasziniert.

Unser Kritiker Jörg Taszman bewertet den Film dagegen positiv: 
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