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Frühkritik | Beitrag vom 30.07.2020

Neu im Heimkino: "The Hater" Mastermind der Intrige

Von Jörg Taszman

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Tanzende Menschen im Club (Netflix)
Düster und bildgewaltig: "The Hater" von Jan Komasa. (Netflix)

Ein Jurastudent gerät an eine PR-Agentur, die mit Hasskampagnen und Fake News den Ruf prominenter Liberaler zerstört. Der polnische Regisseur Jan Komasa erweist sich mit seinem Film "The Hater" erneut als intelligenter und unangepasster Chronist.

Worum geht es?

Der Jurastudent Tomek wird nach einem Plagiatsvorwurf von der Uni exmatrikuliert. Er stammt aus einem Dorf und wird von einer linksliberalen Warschauer Familie finanziell unterstützt, die jahrelang im Sommer bei seiner Mutter auf dem Hof Ferien machte.

Als Tomek, der heimlich in die Tochter Gabi verknallt ist, dann seine Gönner besucht und absichtlich sein Handy dort liegen lässt, um abzuhören, was man in seiner Abwesenheit sagt, stellt er fest, dass sich diese Intellektuellen sehr abschätzig über ihn äußern.

Tomek heuert bei einer zwielichtigen PR-Agentur an, die versucht, durch Hasskampagnen und Fake News prominente Liberale zu diskreditieren, so auch den Bürgermeisterkandidaten Rudnicki. Tomek wird zum Mastermind der Intrige und kennt aus verletztem Stolz und pathologischem Hass bald keine moralischen Grenzen mehr.

Was ist das Besondere?

Der 1981 geborene Jan Komasa gilt seit seinem auch auf der Berlinale 2011 gezeigtem Debütfilm "Sala samobójców" (Suicide Room) als Wunderkind des polnischen Kinos. In seiner Heimat erreichen seine Filme ein Millionenpublikum und sein dritter Spielfilm, "Corpus Christi" (der Anfang September in die deutschen Kinos kommt), erhielt in diesem Jahr eine Oscarnominierung für den "Besten Internationalen Film".

Mit seinen ebenso düsteren wie bildgewaltigen Coming-of-Age-Filmen beweist sich Komasa als intelligenter und unangepasster Chronist seiner Heimat.

Bewertung

Mit seinem neuen Werk, das auch als Sequel zu seinem Debütfilm gelesen werden kann, zeigt Komasa kompromisslos die Risse in der polnischen Gesellschaft auf. Nicht immer klischeefrei stehen sich linksliberale, wohlsituierte Intellektuelle (der Großstadt) und vom Wohlstand vergessene Antikommunisten, Nationalisten und Verarmte (aus der Provinz) gegenüber.

Das ist kraftvolles, hochemotionales modernes Kino, das thematisch weit über die Probleme Polens herausragt und in seiner beklemmenden, fatalistischen Konsequenz nachdenklich macht.

The Hater (Sala samobójców. Hejter)
Polen 2020
Regie: Jan Komasa
mit Maciej Musiałowski, Agata Kulesza, Danuta Stenka, Vanessa Aleksander, Maciej Stuhr

Zu sehen auf Netflix

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