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Frühkritik | Beitrag vom 03.12.2020

Neu im Heimkino: „Mank“Die Abgründe der Traumfabrik in Schwarzweiß

Von Patrick Wellinski

Gary Oldman als Drehbuchautor Herman J. Mankiewicz in David Finchers "Mank" (picture alliance / Netflix/Entertainment Pictures/ZUMAPRESS.com)
Zurück ins Goldene Zeitalter von Hollywood mit Gary Oldman. (picture alliance / Netflix/Entertainment Pictures/ZUMAPRESS.com)

„Mank“ setzt dem vergessenen Drehbuchautor Herman J. Mankiewicz ein filmisches Denkmal. Der hatte das Drehbuch zu „Citizen Kane“ verfasst, dem „besten Film aller Zeiten“. Zugleich zeigt „Mank“ die unheilvolle Verquickung von Politik und Medienmacht.

Worum geht es?

Durch einen Autounfall außer Gefecht gesetzt liegt der Drehbuchautor Hermann J. Mankiewicz in einem Bett und soll für das Ostküstenwunderkind Orson Welles das Drehbuch für dessen Filmdebüt in Hollywood schreiben. Keine übliche Studio-Auftragsarbeit soll das werden, sondern ein persönlicher Stoff, der später als "Citizen Kane" in die Filmgeschichte eingehen wird.

Dazu nutzt Mankiewicz seine Erfahrung, die er als Drehbuchautor bei MGM gesammelt hat und seine Hassfreundschaft mit dem Medienmogul William Randolph Hearst.  

Was ist das Besondere?

David Fincher ("Zodiac", "Social Network") verfilmt mit "Mank" das Drehbuch seine verstorbenen Vaters Frank, der sich Jahrzehnte lang dafür eingesetzt hat, dem vergessenen Drehbuchautoren Hermann J. Mankiewicz ein filmisches Denkmal zu setzen.

Fincher feiert in seinem sensationell klugen Film die Kollaborationskräfte des Kinos. Mit "Mank" erkunden wir die hellen und düsteren Seiten des goldenen Zeitalters der Traumfabrik. Die Verquickung von Politik und Medien nimmt Anfang der 1930er-Jahre ihren Lauf. Fake News und Politikaußenseiter, die aufgrund ihres Vermögens die höchsten Ämter des Landes anstreben, die Sozialismus-Phobie Amerikas – kurzum: alles, was wir in diesem Wahljahr erlebt haben, wird in "Mank" aufgearbeitet.

Fincher inszeniert das alles mit ruhiger Hand. Er filmt in Schwarzweiß und Mono. Imitiert so das klassische Hollywoodkino, ohne sich im bloßen Zitat zu verlieren. Gary Oldman brilliert als daueralkoholisierter Zyniker Mankiewicz, der im Schlund der Lüge die Wahrheit spricht und daran zu zerbrechen droht.

Bewertung

"Mank" ist ein sehr unterhaltsamer, komplexer und wichtiger Film. Er funktioniert nicht voraussetzungslos. Man sollte "Citizen Kane" gesehen haben oder zumindest wissen, worum es im "besten Film aller Zeiten" geht. Aber das sollte keine allzu hohe Hürde sein, um Finchers Inszenierungskunst zu genießen. Neben den filmhistorischen Konfliktlinien, die "Mank" bravourös kommentiert, sind es vor allem die politischen Untertöne, die das ganze Projekt so gegenwärtig erscheinen lassen.

"Mank" ist ein Schlüsselfilm des Jahres 2020 und einer, der uns die Augen öffnet für die Sünden der amerikanischen Politik und die unheilvolle Rolle, die die Medien seit 100 Jahren dabei spielen. Wie einst "Citizen Kane" erweist sich "Mank" als modernistisch.

Dass dieser Film über die goldene Ära Hollywoods ausgerechnet von Netflix produziert wurde, entbehrt nicht einer gewissen Ironie, die das Projekt erst recht aufregend und gelungen macht.

Mank
USA 2020
Regie: David Fincher
mit: Gary Oldman, Amanda Seyfried, Lily Collins, Arliss Howard, Charles Dance
Länge: 131 Minuten
erschienen bei Netflix (ab dem 4.12)

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