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Fazit | Beitrag vom 27.01.2021

Neu im Heimkino: "Beginning"Die Enge einer religiösen Gemeinschaft

Von Anke Leweke

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Die georgische Regisseurin Dea Kulumbegashvili. (IMAGO / Agencia EFE / Juan Herrero)
Die georgische Regisseurin Dea Kulumbegashvili. (IMAGO / Agencia EFE / Juan Herrero)

Mit meisterhafter Kameraführung erzählt Dea Kulumbegashvili in ihrem Regiedebüt "Beginning" von Einsamkeit und Isolation. Das von religiöser und privater Unterdrückung geprägte Leben der Protagonistin Yana ändert sich erst nach einem Anschlag.

Um was geht es?

Eine Kamera hat sich an der Rückwand einer Kirche der Zeugen Jehovas aufgebaut. Langsam füllt sich der Raum, Männer und Frauen sitzen getrennt, eine Frau ermahnt die Kinder, ruhig zu sein. Der Pfarrer erzählt von Abraham, von dem Gott forderte, seinen Sohn zu opfern. Plötzlich fliegt ein Brandsatz durch das Fenster und setzt den Gebetsraum in Flammen.

Dieses Ereignis wird das Leben von Yana, deren Mann der Prediger der kleinen Gemeinde ist, aus dem Takt bringen. Oder besser: Auf brutale Weise wird sie aus einer Stagnation, einer allumfassenden Lethargie gerissen.

Was ist das Besondere?

Schon in der ersten langen Sequenz in der Kirche wird die Kamera sich nicht bewegen. Sie harrt aus, beobachtet und registriert. Auch in einem übertragenen Sinn wird sie Yanas ständige Begleiterin. Zwar kann sie diese junge Frau vor manchen Situationen nicht schützen, doch ist sie da.

Sie ist da, um zu dokumentieren, in welcher feindseligen Umgebung Lara mit ihrem Mann und dem kleinen Sohn als Zeugen Jehovas lebt. Sie hält die sexuelle Übergriffigkeit des Polizisten bei einem Verhör fest. Und die Dominanz des Ehemannes, wenn es um Entscheidungen bezüglich des Zusammenlebens geht.

Die Kamera zeigt Lara aber auch in anderen, entspannteren Situationen, etwa wenn sie friedlich auf einer Wiese liegt, in den Himmel schaut und dann minutenlang die Augen schließt. Plötzlich meint man, eine innere Regung in ihrem reglosen Gesicht wahrzunehmen.

Bewertung

Das Regiedebüt der 35-jährigen Georgierin Dea Kulumbegashvili schildert ein von religiöser und privater Repression geprägtes Leben. Die meisterlich komponierten und subtil ausgeleuchteten Einstellungen geben der Heldin Raum und Zeit, zu sich kommen.

Bis zum Ende liegt eine kaum zu fassende Spannung über den Bildern, weil man nicht weiß, was hier beginnt und was enden wird.

"Beginning"
Regie: Dea Kulumbegashvili
Georgien, Frankreich 2020
Mit Ia Sukhitashvili, Tati Oneli, Kakha Kintsurashvili
125 Minuten, bei MUBI.com

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