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Studio 9 | Beitrag vom 01.06.2015

NepalUnterricht ohne Klassenzimmer

Von Silke Diettrich

Nepalesische Kinder auf dem Weg zur Schule in Kathmandu. (picture alliance / dpa / Narendra Shrestha)
Nepalesische Kinder auf dem Weg zur Schule in Kathmandu. (picture alliance / dpa / Narendra Shrestha)

Gut einen Monat nach dem verheerenden Erdbeben hat am Sonntag für Tausende Kinder in Nepal offiziell die Schule wieder begonnen. Für viele Kinder auch ein Weg, sich von den schrecklichen Erlebnissen abzulenken.

An kaputten Häusern vorbei, über Schutt und Trümmer führt nun der Schulweg von rund 14.000 Kindern in Nepal. Einen Monat nach dem verheerenden Erdbeben können wir nun endlich wieder zum Unterricht, erzählt Januka. Sie trägt wie ihre Mitschüler die grau-blaue Schuluniform, die Zöpfe baumeln rechts und links akkurat geflochten auf ihre Schultern:

"Wir haben es so doll vermisst, Spaß zu haben. Zuhause waren wir so allein und hatten nichts zu tun."

Eigentlich sollte der Unterricht Mitte Mai wieder beginnen. Das hatte nicht geklappt, weil zu diesem Zeitpunkt noch viele Menschen in Nepal damit beschäftigt waren, Trümmer zu beseitigen, Notunterkünfte zu bauen und Nahrungsmittel zu transportieren. Auch provisorische Schulen mussten erst einmal gebaut werden.

Etwa eine Million Kinder in Nepal haben kein Schulhaus mehr, sagt der Unicef-Mitarbeiter Tomoo Hashimoto:

"Jetzt gibt es immerhin vorübergehende Lernzentren und die Kinder haben die Chance, zurück in die Schule zu gehen."

Unterricht im Zelt oder im Freien

Der Unterricht findet für die meisten Schüler jetzt in Zelten, provisorischen Bambushütten oder im Freien statt. Aber es wurde Zeit, endlich wieder mit dem Unterricht zu beginnen, sagt eine Schuldirektorin aus Katmandu:

"Es gibt keine andere Wahl. Bildung bedeutet Zukunft und wenn wir jetzt nicht wieder starten, wird sich das negativ auf die Zukunft der Kinder auswirken. Deshalb mussten wir jetzt einfach mit der Schule wieder starten."

Endlich die Freunde wiedertreffen

Wenn Kinder nicht in der Schule sind, sei das Risiko höher, dass sie für Arbeit ausgebeutet oder verschleppt werden, fürchten Hilfsorganisationen im Land. Die Lehrer hoffen, dass die Schüler die traumatischen Erfahrungen des letzten Monats besser überwinden können, wenn sie mit Unterrichtsaufgaben beschäftigt sind und wieder mit ihren Mitschülern auf dem Schulhof lachen können. Das sieht Roshan ganz genauso, der die zehnte Klasse besucht:

"Die Freunde endlich nach einem Monat wieder zu treffen tut richtig gut!"

Doch sehr bald beginnt die Regenzeit in Nepal und dann stehen die Schüler erneut vor einem Problem. Die Bambushütten, die jetzt als Klassenzimmer dienen, könnten dann im Schlamm versinken.

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