Neonazi-Aussteiger TM Garret Schmid

    "Und dann dieser Hass"

    35:13 Minuten
    TM Garrett Schmid sitzt in seinem Auto, Ray Johnson lehnt von außen. Beide schauen in die Kamera.
    Einst war TM Garrett Schmid (im Auto) Neonazi - dann brach er mit seinem Umfeld und kehrte der Szene den Rücken zu. © Deutschlandradio / Sabine Adler
    Von Sabine Adler · 26.02.2021
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    TM Garret Schmid lebt heute in den USA und hält Vorträge über die Abgründe der rechtsradikalen Szene in Deutschland. Er ging einst selbst in ihr auf, trat sogar dem Ku-Klux-Klan bei. Heute versucht er sich in Wiedergutmachung.
    Es beginnt, als er zwölf Jahre alt ist: Achim Schmid, ein Junge, der bislang vor allem durch seine merkwürdige Brille und einen, wie er selbst von sich sagt, "schrecklichen Haarschnitt" in der Schule aufgefallen ist, erzählt auf dem Schulhof antisemitische Witze. Er lässt sich den Schädel kahl rasieren, wird Mitglied zweier Rechtsrock-Bands und bezeichnet sich selbst als "Nazi".

    Geprägt vom Hass

    Mit 17 tritt er in die NPD ein und zieht sich immer weiter in eine Welt zurück, die in jeder Hinsicht von Hass geprägt ist: "Man lebte isoliert in seiner Blase. Man hat keine Hollywoodfilme mehr angeschaut. Man ist nicht mehr zu McDonald's gegangen, zum Dönerladen sowieso nicht. Und dann dieser Hass. Man ist damit morgens aufgestanden und man hat den Hass wieder mit ins Bett genommen."
    Über zehn Jahre taucht Achim Schmid immer tiefer in die rechtsradikalen Strukturen Deutschlands ein, tritt dem Ku-Klux-Klan bei, übersetzt Pamphlete für "Blood and Honour", bis er es irgendwann richtig mit der Angst zu tun bekommt, weil Polizei und Verfassungsschutz ihn in die Enge treiben. Er zieht die Reißleine und steigt aus - die Initiative Exit ist ihm dabei behilflich. Aber kann man unter eine solche Vergangenheit wirklich einen Strich ziehen?
    In der Geschichte der Woche erzählt Sabine Adler den Werdegang eines Mannes, der in Extremen unterwegs ist. Mit 46 Jahren lebt er heute als TM Garret Schmid in Memphis, Tennessee, und versucht wiedergutzumachen, was er in der Vergangenheit angerichtet hat. Seine Ehefrau bezeichnet sich als Linksliberale, außerdem konvertiert er gerade zum Judentum.
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