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Konzert / Archiv | Beitrag vom 08.03.2018

Neeme Järvi dirigiert ein OratoriumDes Jona Sendung

Festival Baltikum im Konzerthaus Berlin

Der Dirigent Neeme Järvi (Simon van Boxtel/DSO Berlin)
Der Dirigent Neeme Järvi (Simon van Boxtel/DSO Berlin)

Es ist ein gewaltiges Werk, das Oratorium "Des Jona Sendung" des estnischen Komponisten Rudolf Tobias. Seit Jahrzehnten setzt sich der Dirigent Neeme Järvi dafür ein. Jetzt hat er es mit vielen Vokalisten und Musikern aus Estland, Lettland und aus Berlin beim Festival Baltikum im Konzerthaus Berlin aufgeführt.

Wer kennt ihn nicht, den Propheten Jona aus dem Bauch des Wals, der in der Bibel immer als Wal-Fisch bezeichnet wird. Das alte orientalische Geschichtsbuch erzählt fantasievoll und bildreich das Schicksal des vom alleinseligmachenden Gott auserwählten Mannes namens Jona. Er sollte die Menschen in der Stadt Ninive, das heute ein Teil von Mossul im Irak ist, bekehren oder wenigstens läutern. Doch die wollten nichts von seinen Lehren hören. Vor ihrem Zorn floh Jona auf ein Schiff, doch auch die Seeleute fanden keinen Gefallen an seinen Predigten. Der Wal im Mittelmeer verschlang ihn ganz - im Bauch des Säugetieres erst erreichte Jona die Reife eines wahrhaften Mahners Gottes.

Der estnische Komponist Rudolf Tobias galt einst als große musikalische Hoffnung des baltischen Landes im Range eines Jean Sibelius. 1873 wurde er in einer estnischen Kleinstadt geboren. Musik studierte er bei Nikolaj Rimskij-Korsakow in Sankt Petersburg. Seit 1910 lebte Tobias in Berlin, wo er auch im Jahr 1918 einer Lungenentzündung erlag. Trotz seiner Deutschsprachigkeit war Tobias kein Deutschbalte, sondern estnischer Herkunft. Seine Kunst wollte er in den Dienst der kulturellen Selbstbehauptung seiner estnischen Heimat stellen. Da er vor allem als Kirchenmusiker wirkte, gehörten religiös konnotierte Werke für ihn unbedingt dazu, wenn es um die Identitätsfindung einer kleinen Nation zwischen den Großmächten Russisches und Deutsches Reich ging.

Das groß besetzte Werk "Des Jona Sendung" wurde erstmals 1909 in Leipzig gegeben, allerdings mit schwachen Interpreten und nach wenigen Proben. Diese Umstände haben dem Leumund des Oratoriums eher geschadet. Seit Jahrzehnten sorgt der Übervater der estnischen Musikszene, Neeme Järvi, immer wieder dafür, dass das Oratorium aufgeführt wird. Nun erklang es im Rahmen des Festivals Baltikums im Berliner Konzerthaus. Der Lettische Staatschor aus Riga und zwei Chöre aus Berlin sorgten für stimmliches Volumen. Für das Nationale Sinfonieorchester Estlands war es eine Frage der Ehre, dieses Werk in der Stadt noch einmal zu Gehör zu bringen, in der Rudolf Tobias sein Leben und Wirken als Komponist und Kompositionsprofessor bis zu seinem frühen Tod vollendet hatte.

Konzerthaus Berlin
Aufzeichnung vom 20. Februar 2018

Rudolf Tobias
"Des Jona Sendung" - Oratorium für Soli, Chor, Orgel und Orchester

Lettischer Staatschor "Latvija"
Cantus Domus
Staats- und Domchor Berlin
Susanne Bernhard, Sopran
Annely Peebo, Mezzosopran
Peter Svensson, Tenor
Ain Anger, Bass
Johann Tilli, Bass
Estnisches Nationales Sinfonieorchester
Leitung: Neeme Järvi

Konzert

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