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Interview / Archiv | Beitrag vom 06.01.2015

Navid Kermani"Das Christentum ist keine abendländische Religion"

Moderation: Katrin Heise und Christian Rabhansl

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Der deutsch-iranische Autor Navid Kermani (picture alliance/dpa/Horst Galuschka)
Der Ursprung des Christentums liegt nicht im Abend-, sondern im Morgenland, sagt der deutsch-iranische Autor Navid Kermani. (picture alliance/dpa/Horst Galuschka)

Die Kultur des christlichen Abendlands sei in Gefahr, fürchten die Anhänger der Pegida-Bewegung. Dabei hat diese Kultur ihre Wurzeln in der orientalischen Welt, betont der Schriftsteller Navid Kermani. "Jesus war ein Morgenländer", sagt er.

Der Islam bedrohe die christliche Kultur, orakeln die Demonstranten, die jeden Montag gegen die "Islamisierung des Abendlandes" auf die Straße gehen. Dabei vergessen sie allerdings, dass unsere christliche Kultur ihren Ursprung in der orientalischen Welt hat: im Morgenland. Nazareth liege nicht in Europa, "sondern mitten in der semitisch-arabischen Welt", betonte der deutsch-iranische Autor Navid Kermani im Deutschlandradio Kultur. 

In der Gegenwart unterliege das Morgenland einem extrem starken Einfluss aus dem Abendland. Früher habe es sich genau umgekehrt verhalten:

"Im Mittelalter bis in die Neuzeit hinein war der Kulturtransfer vor allem aus dem Osten in den Westen. 'Ex oriente lux' war nicht nur eine Redewendung oder ein Klischee, sondern das war faktisch die Bewegung. Die gesamte Entstehung eines originären europäischen Kulturraums, der sich abgrenzt vom Morgenland - der ist ja nicht verstehbar ohne diesen Einfluss des Morgenlandes."

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