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Im Gespräch | Beitrag vom 02.01.2021

NaturschutzWas können wir für die Artenvielfalt tun?

Moderation: Gisela Steinhauer

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Von Topfpflanzen abgerissene vertrocknete Blüten liegen auf einem Haufen. (dpa / Karl-Josef Hildenbrand)
Naturschützer wollen, dass die Welt bunt und vielfältig bleibt - im Kleinen wie im Großen. Die Biodiversität verringert sich mit jeder Art, die ausstirb. Jeder kann etwas tun, damit die Vielfalt erhalten bleibt. (dpa / Karl-Josef Hildenbrand)

Die Natur ist unsere Lebensquelle, Nahrungslieferant, Klimaregulator. Doch das Gleichgewicht ist bedroht. Über 130 Tier- und Pflanzenarten sterben jeden Tag aus. In Deutschland gelten 7000 Arten als gefährdet, weltweit bis zu eine Million. Was tun?

2020 sollte ein Erfolgsjahr für den Artenschutz sein. Bis dahin wollte die Weltgemeinschaft den Verlust der biologischen Vielfalt halbieren, wenn möglich sogar auf null bringen. So hatten es die Staaten der UN-Biodiversitätskonvention 2010 beschlossen. Die Bilanz am Ende dieser UN-Dekade formuliert der Naturschutzbund Deutschland (NABU) nüchtern: "Die Weltgemeinschaft hat die meisten ihrer 20 Ziele krachend verfehlt."

"Unsere beste Verbündete gegen den Klimawandel"

"Die Biodiversität ist wie ein Netz, das uns trägt", sagt Konstantin Kreiser, Leiter des Fachbereichs globale und EU-Naturschutzpolitik beim NABU. Doch das Netz weise immer mehr Löcher auf, auch in Deutschland. "Im ländlichen Raum sieht es katastrophal aus. Wenn wir nur auf die Insekten oder die Vögel blicken: Einige Arten sind in den letzten 20, 30 Jahren um bis zu 90 Prozent zurückgegangen, wie das Rebhuhn oder die Feldlerche." Die Hauptursache liege in einer verfehlten EU-Landwirtschaftspolitik, in der Überdüngung der Felder, der Monokultur mit Raps und Mais, die zu "Agrarwüsten" führe: "Das ist ein großes Drama in Europa."

Gerade im Hinblick auf den Klimawandel sei Naturschutz wichtiger denn je. "Die Natur ist unsere beste Verbündete gegen den Klimawandel. Aber wenn wir sie zerstören, wird sie uns zum Feind." Das zeige sich auch angesichts der Corona-Pandemie. Der Mensch dringe immer tiefer in den Lebensraum der Tiere vor: "Je höher die Berührungsfläche zwischen Menschen und Wildtieren ist, umso größer ist die Gefahr, dass ein Virus überspringt."

Sein Appell: "Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität helfen auch, Pandemien vorzubeugen."

"Die Zukunft liegt in unserer Hand!"

"Jeder von uns kann etwas zum Schutz der Natur beitragen", sagt Hannah Emde. Die Tierärztin und Gründerin des Vereins Nepada Wildlife hat sich dem Schutz von Wildtieren verschrieben, besonders in den Dschungeln dieser Welt. Die Corona-Pandemie hält sie derzeit davon ab, ihre Projekte zu besuchen. Zum Beispiel die Orang-Utan-Schutzstation auf Borneo oder die dortigen Nebelparder, die ihrem Verein den Namen gaben. Von ihren Erfahrungen erzählt sie in ihrem Buch "Abenteuer Artenschutz. Als Tierärztin im Dschungel".

Mit der Bildungsaktion "Vom Regenwald ins Klassenzimmer" will Hannah Emde zeigen, wie unser hiesiger Konsum mit dem Verlust der biologischen Vielfalt zusammenhängt. Und was jeder dazu beitragen kann, um das Artensterben zu stoppen.

"Bewusst einkaufen, bewusst leben. Ich kann darauf achten: Woher kommen meine Produkte eigentlich? Wie sind sie zertifiziert? Ist die 1,50-Euro-Ananas vielleicht anders produziert worden als die für vier Euro? Wo kommt eigentlich das Palmöl her, das ich in meiner Nuss-Nugatcreme habe oder auch in meinem Bio-Sprit? Über 50 Prozent des in die EU importierten Palmöls steckt in unserem Bio-Sprit! Das Tier, dessen Fleisch wir hier essen, ist höchstwahrscheinlich mit Soja aus Brasilien gefüttert. Und für diese Soja-Monokulturen wird der Regenwald abgeholzt."  

Ihre Überzeugung: "Jeder von uns kann den Unterschied machen. Die Zukunft liegt in unserer Hand!"

(sus)

Schutz der Artenvielfalt – Was können wir dafür tun?
Darüber diskutiert Gisela Steinhauer heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit der Tierärztin Hannah Emde und mit Konstantin Kreiser vom NABU. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen: unter der Telefonnummer 0800 2254 2254 sowie per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de.
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*Redaktioneller Hinweis: Aufmerksame Userinnen und Hörer haben uns auf einen Satz von unserem Gast Herr Kreiser hingewiesen, der in seiner Absolutheit nicht korrekt ist. Herr Kreiser hat bestätigt, dass Städte nicht allgemein als Refugien für nahezu ausgestorbene Arten gelten. Dies gilt auch für die Nachtigall in Bayern.

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