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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 08.10.2011

Nachttisch oder Mülltonne?

Buchempfehlungen von und mit Denis Scheck

Moderation: Gisela Steinhauer

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Jede Menge Bücher - welche man lesen sollte, sagt uns Denis Scheck. (Stock.XCHNG / Paul Ijsendoorn)
Jede Menge Bücher - welche man lesen sollte, sagt uns Denis Scheck. (Stock.XCHNG / Paul Ijsendoorn)

Denis Scheck hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. "Ich kann mir ohne Bücher kein irdisches Glück vorstellen", bekennt der Literaturkritiker frei nach einem Zitat von Arno Schmidt. Scheck ist unseren Hörerinnen und Hörern nicht nur als Literaturredakteur beim Deutschlandfunk bekannt. Er ist auch Moderator der ARD-Büchersendung <papaya:link href="http://www.daserste.de/druckfrisch" text="&quot;druckfrisch&quot;" title="druckfrisch - mit Denis Scheck" target="_blank" />, in der er forsch-frech und lustvoll Bücher lobt, sie aber auch genauso meinungsfreudig und mit Furor in die Mülltonne tritt.

Scharfzüngige Literaturkritik zwischen Stand-up-Comedy, literarischem Feuilleton und Videoclip, für die er gerade – gemeinsam mit dem Regisseur Andreas Ammer – mit dem Deutschen Fernsehpreis 2011 ausgezeichnet wurde.

Der Oktober ist traditionell ein wahrer Marathon für den 46-Jährigen: Erst der mit Spannung erwartete Literaturnobelpreis, der in diesem Jahr an den schwedischen Lyriker Tomas Tranströmer geht. Denis Scheck:

"Die Lyrik von Tomas Tranströmer ist weltläufig und welterfahren. Sie ist ein ganzer Kosmos, erschaffen aus den Erfahrungen eines schwedischen Dichters, Pianisten, Käfersammlers, und dabei bis zur Wortkargheit knapp, aber nie reduziert. Sie operiert laserpräzis mit Sprache als Erkenntnismittel. Sie erweitert unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit mit originellen Metaphern und einfachen und doch schlagenden Bildern wie das des überallhin mitnehmbaren Grabes oder des Lichts, das sich auflöst wie eine Tablette in einem Glas Dunkelheit."

In der kommenden Woche startet zudem die Frankfurter Buchmesse:

Denis Scheck, Literaturredakteur im Deutschlandfunk (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Denis Scheck (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)"Für mich ist eine Buchmesse wie Weihnachten für Familienmenschen. Ich sehe 400, 500 Leute, mit denen ich befreundet bin. Der Literaturbetrieb ist so etwas wie ein wandernder Reichstag und wir machen zweimal Station, einmal in Frankfurt, einmal in Leipzig. Dann sehen wir uns und freuen uns, dass wir noch am Leben sind und erzählen uns von unserem Herzeleid."

Laut der Werbung für "druckfrisch" sieht er sich als "Streiter für das Schöne, Wahre, Gute". Ein hoher Anspruch – angesichts von allein in Deutschland jährlich 90.000 Neuerscheinungen.

"Prinzipiell lese ich jeden Tag, bevor ich einschlafe und morgens in der Badewanne auch immer 5 bis 10 Minuten. Abgesehen von einem Vollkoma gibt es keinen Tag, an dem ich nicht lese."

Er will als Kritiker nicht missionieren, höchstens anstecken:

"Ich bin kein Erziehungsdiktator. Ich möchte die Leute darauf aufmerksam machen, dass Lesen ihnen eine Flucht aus ihrem Leben ermöglichen kann. Das ist ein Angebot, das sie annehmen können oder eben nicht."

Seine Überzeugung:

"Jemand, der nicht liest, ist ein furchtbar fader Mensch. Ich sage immer: 'Wenn Sie feststellen, dass Ihr Lebenspartner nicht liest, schießen Sie ihn in den Wind!'"

"Nachttisch oder Mülltonne?" – Über gute und schlechte Bücher diskutiert Gisela Steinhauer heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit dem Literaturkritiker Denis Scheck. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der kostenlosen Telefonnummer 00800 – 2254 2254 oder per E-Mail unter gespraech@dradio.de.

Diskutieren Sie mit zum Thema auf unserer Facebook-Seite.

Links:
druckfrisch - mit Denis Scheck
Literaturportal auf dradio.de
Rezensionen bei Deutschlandradio Kultur

Literaturhinweis:
Eva Gritzmann & Denis Scheck: SIE & ER. Der kleine Unterschied beim Essen und Trinken, Bloomsbury Verlag 2011

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