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Aktuell / Archiv | Beitrag vom 31.10.2020

Nachruf auf Sean ConneryIhn interessierte nur das Schauspiel

Von Laf Überland

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Der Schauspieler Sean Connery. (imago images / Everett Collection)
Sechs James-Bond-Filme hat Sean Connery gedreht. Auch in zahlreichen anderen Filmen und auf der Bühne brillierte er. (imago images / Everett Collection)

Der Schauspieler Sean Connery ist im Alter von 90 gestorben. Berühmt wurde er durch seine Rolle als britischer Geheimagent James Bond, mit der er eine regelrechte Bondmania auslöste. Trotzdem verlor der Schotte aus armen Verhältnissen nie die Bodenhaftung.

Als Sean Connery 1962 als James Bond rauskam, da waren 007-Filme zum Träumen: eisklingelnde Cocktails in Nassau, schnelle Wagen, Luxus aller Art, Technoflash und sexuelle Freizügigkeit – und die verführerischsten Frauen landeten stets irgendwie überaus dekorativ in James Bonds Armen.

Zur selben Zeit wie die Beatlemania überschwemmte auch eine Bondmania mit kreischenden Teenagern und aufdringlichen Reportern die Welt – und das Leben der Connerys! Weshalb ihn seine erste Frau nach elf Jahren denn auch verließ.

"Sie waren auf dem Klo mit ihren Kameras. Nun, ich kann mir nichts Uninteressanteres für wen auch immer vorstellen als mich auf der Toilette!", sagte Connery dazu.

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Den bodenständig klaren Blick hat er nie verloren, der Junge aus ärmlichen Arbeiterverhältnissen in Edinburgh, der mit neun vor der Schule Milch rumbrachte, mit dreizehn von der Schule ging, um als Kohlenträger und im Tiefbau zu arbeiten, als Sargpolierer, Fliesenleger, im Stahlwerk und als Aktmodell.

Ein Mann, ein richtiger Mann

Der junge Mann, der sich selbst das Schauspielen beibrachte und, weil er so echt wirkte, wenn er spielte, ans Theater durfte: Arthur Miller, Anna Karenina oder Macbeth. Er kriegte auch Rollen im Fernsehen und in kleineren Filmen. Aber es dauert immer noch zehn Jahre, bis die Produzenten dieses wunderlichen neuen Spionage-Filmprojekts den 32-Jährigen anheuerten.

Sechs James-Bond-Filme hat Sean Connery gedreht, inklusive des Nachschlags von 1982, um den Ur-Bond-Produzenten eins auszuwischen. Aber nach den ersten zwei, drei sagte ihm sein Gespür für die Menschen, dass er unbedingt was gegen das Bond-Image tun musste: Er probierte sich aus, spielte in Hitchcocks Psychothriller "Marnie" und in Sidney Lumets düsterem Antimilitär-Psychodrama "The Hill".

Und spätestens mit "The Offence – Sein Leben in meiner Gewalt" von 1973 hatte er dann auch die Kritiker überzeugt: Wieder mit Lumet gab er einen Polizisten aus der Arbeiterklasse, der einen Kinderschänder verhört – und daran zerbricht, ihn schließlich umbringt.

Sean Connery war ein Mann, ein richtiger Mann! Egal, ob als Berberfürst in "Der Wind und der Löwe", als alternder Robin Hood in "Robin und Marian" und dann, für John Huston und mit seinem alten Kumpel Michael Caine, im Bravourstück "Der Mann, der König sein wollte".

Alles so einfach wie möglich halten

Die Rolle des Zauberers Gandalf im "Herrn der Ringe" lehnte er ab, weil er den Sinn der komplizierten Geschichte nicht verstand, sagte er: "Was die Komplexität betrifft: Ich versuche, immer alles so einfach wie möglich zu halten, was auch immer die Charaktere oder die Geschichte erzählen."

Und so konzentrierte er den Blick des Zuschauers auf seine schiere Präsenz: als Barbar mit langem Zopf und rotem Lendenschurz oder als stahlgrauhaariger Kapitän des U-Boots "Roter Oktober", als Strickjacke tragender, weltfremder Verleger oder als quertreibender, überaus abgeklärter Franziskanermönch in "Der Namen der Rose".

Beim Vater von "Indiana Jones" kam sogar sein wunderbar komödiantisches Talent zum Vorschein: "Diese Burschen versuchen uns umzubringen!" – "Ich weiß, Vater!" – "Das ist eine neue Erfahrung für mich!"

Festhalten am schottischen Akzent

Und für "Die Unbestechlichen" kriegte er schließlich seinen einzigen Oscar: als Nebendarsteller für den alterserfahrenen Polizisten Jim Malone zur Prohibitionszeit neben Kevin Costner, der heute noch von dem Kollegen schwärmt.

Zu Anfang seiner Karriere hatte man Sean Connery geraten, als Erstes müsse er unbedingt den schottischen Akzent ablegen, aber Connery meinte: So spreche ich nun mal. Und egal, was die Leute von ihm hielten: Ihn interessierte eigentlich nur das Schauspiel – gut zu arbeiten. Wie als Milchmann. Weil das irgendwann nicht mehr ging, zog er sich – konsequent wie ein sturer Schotte – in den Ruhestand zurück.

2003 war das, nach der furchtbaren "Liga der außergewöhnlichen Gentlemen". "Ich habe die Idioten satt, die inzwischen in Hollywood arbeiten", sagte er damals. Jetzt ist der große Schauspieler und Schotte Sir Sean Connery tatsächlich gestorben.

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Studio 9

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