Seit 19:05 Uhr Oper

Samstag, 16.02.2019
 
Seit 19:05 Uhr Oper

Thema / Archiv | Beitrag vom 21.08.2013

Nachrichtenhorror als Computerspiel

Newsgames verwickeln den Spieler in Handlungen, die an die Wirklichkeit angelehnt sind

Von Marcus Richter

Computerspieler: Auf dem Weg in die reale Welt? (picture alliance / dpa Foto: Oliver Berg)
Computerspieler: Auf dem Weg in die reale Welt? (picture alliance / dpa Foto: Oliver Berg)

Newsgames – so wird eine neue Form von Videospiel genannt, die den Nachrichtenjournalismus ergänzen will. Die Nutzer sollen sich komplexe, tagesaktuelle oder historische Themen spielerisch erschließen und Hintergrundwissen aneignen.

Ich muss eine Entscheidung für die syrischen Rebellen treffen: Nehmen wir Daten ausländischer Geheimdienste in Anspruch? Das bringt bei Kämpfen einen militärischen Vorteil. Oder nutzen wir Kontakte in der Türkei um breitere Unterstützung in der Bevölkerung zu gewinnen? Damit hätten wir mehr Einfluss bei etwaigen Friedensverhandlungen - die aber noch in weiter Ferne liegen. Aber: Egal was ich tue, es wird Menschenleben kosten.

Das sind keine Zitate aus dem Tagebuch eines Rebellengenerals, das sind Spielmomente aus dem Newsgame "Endgame: Syria". Ziel des Spiels: Der Spieler muss als Mitglied der Rebellen im aktuellen Syrien-Konflikt die richtigen Entscheidungen treffen, um sich in eine gute Position für die Friedensverhandlungen am Spielende zu bringen. Heraus kommt immer ein Kompromiss, die Ideallösung gibt es nicht. Auch das ist eine Botschaft des Newsgames "Endgame: Syria".

"News" bedeutet dabei aber nicht unbedingt "Aktualität" – auch historische Ereignisse oder komplexe Zusammenhänge können in "Newsgames" vermittelt werden. Der Begriff "News" soll vor allem zeigen, dass journalistische Grundsätze gelten – das Spielerlebnis lässt sich zwar nicht eins zu eins auf die reale Welt übertragen, basiert aber auf Fakten. Gezielt wird auf einen Lerneffekt des Spielers auch in der realen Welt.

Doch Newsgames sind nicht immer ernst und bedächtig: In "Smuggle Truck" etwa muss der Spieler einen Jeep möglichst schnell über eine holprige Geländestrecke steuern, ohne "Ladung" zu verlieren. Doch die sogenannte "Ladung" sind Flüchtlinge, das Ziel die Grenze zwischen Mexiko und den USA. Ein normales Geschicklichkeitsspiel, mit ernsthaftem Hintergrund.

Ob es eine Wirtschaftssimulation ist, die Smartphonefabriken in Billiglohnländern nachstellt oder der Egoshooter, der uns in die Haut von Mauerschützen und Flüchtlingen an der innerdeutschen Grenze schlüpfen lässt: Der Bereich der Newsgames hat viele Facetten. Die Ausschöpfung beginnt gerade erst.

Thema

Karl der GroßeKunstsinniger Barbar
Eine Figur Karls des Großen steht am 16.06.2014 in Aachen (Nordrhein-Westfalen) im Centre Charlemagne. Die Ausstellung "Karl der Große, Macht, Kunst, Schätze" ist vom 20.06.2014 bis zum 21.09.2014 in Aachen zu sehen.  (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

Er war einer der Gründungsväter Europas: Karl der Große hat die karolingische Renaissance eingeleitet. Eigentlich sei es ihm aber nur um die Legitimierung seiner Macht gegangen, meint Kunsthistoriker Michael Imhof. Mehr

DDR-GeschichteSieg über den Ort des Grauens
Der ehemalige politische Gefangene Gilbert Furian in einer Gefängniszelle der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus vom Verein Menschenrechtszentrum in Cottbus (Brandenburg). (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)

Weil er in der DDR Interviews mit Punks publizierte, kam Gilbert Furian in den Cottbuser Knast. In der heutigen Gedenkstätte wird er nun in der Oper "Fidelio" mitsingen - um einen "großen Rucksack Bitterkeit" erleichtert.Mehr

Agenturfotos"Das ist sicher ein Aufbruch"
Sheryl Sandberg, Geschäftsführerin des US-amerikanischen Internetkonzerns Facebook  (picture alliance / dpa / Foto: Jean-Christophe Bott)

Die Karrierefrau, die am Schreibtisch sitzt, oder das schamlose Zeigen von Terroropfern in Afrika - Sheryl Sandberg von Facebook und Pam Grossman von der Bildagentur Getty Image wollen solchen Klischeefotos etwas entgegensetzen. Sie haben die Datenbank "Lean In Collection" gegründet. Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur