Nach Kritik an geplantem Auftritt: Wiener Festwochen laden Tech-Millardär Thiel wieder aus

    Der umstrittene Tech-Milliardär Peter Thiel steht an einem Redepult und gestikuliert mit den Händen.
    Der umstrittene Tech-Milliardär Peter Thiel wurde von den Wiener Festwochen wieder ausgeladen. © picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Rebecca Blackwell
    Die Wiener Festwochen haben einen geplanten Auftritt des umstrittenen US-Milliardärs Peter Thiel wegen wachsender Kritik wieder abgesagt. Das teilte die Festivalleitung mit. Thiel hätte ursprünglich an einem öffentlichen Diskussionsabend am 7. Juni teilnehmen sollen. Im Vorfeld hatten mehrere Künstler ihre Auftritte bei den Wiener Festwochen aus Protest gegen die geplante Teilnahme Thiels abgesagt. Da diese Absagen das Festival "in einem untragbaren Umfang" schwächten, habe sich die Geschäftsführung dazu entschlossen, die Debatte mit Thiel abzusagen, teilten die Veranstalter mit. Kritik kam zuvor auch von der Stadt Wien, die die Festwochen finanziert. Kulturstadträtin Kaup-Hasler hatte in der Zeitung "Der Standard" erklärt, die Einladung Thiels führe "durchaus berechtigt zu großem Unmut". Der Paypal-Gründer Thiel gilt als einer der einflussreichsten Männer des Silicon Valley und als wichtiger Akteur des Rechtsrucks in den USA. Der Tech-Milliardär ist bekannt für seine libertären und rechtskonservativen Positionen, seine Nähe zu US-Präsident Trump und seine Kritik an liberalen Demokratien. In letzter Zeit hatten Berichte über Thiels apokalyptische Weltsicht auch seine religiöse Ideologie in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Thiel hätte in Wien an einer Debatte mit dem österreichischen Theologen Wolfgang Palaver teilnehmen sollen. Der Festwochen-Intendant und Regisseur Milo Rau hatte sich für den öffentlichen Diskussionsabend eingesetzt. Er nehme die Kritik an der Veranstaltung ernst, halte aber auch das Gespräch für wichtig, sagte Rau im Deutschlandfunk Kultur. Es sei nötig, sich Thiels Ideologie anzuhören und sich mit Macht, Einfluss und politischen Netzwerken kritisch auseinanderzusetzen. Dies nicht zu tun, wäre "fast schon ein politisch unentschuldbares Versäumnis", erklärte Rau.