Seit 19:05 Uhr Konzert

Samstag, 06.06.2020
 
Seit 19:05 Uhr Konzert

Interview | Beitrag vom 07.05.2020

Nach dem Zweiten WeltkriegDer schleichende Prozess der Dekolonisierung

Andreas Eckert im Gespräch mit Axel Rahmlow

Beitrag hören Podcast abonnieren
Ein Soldat vor einer Hauswand. (picture alliance / AP Images / Horst Faas)
Ein französischer Soldat kurz nach Ende des Algerienkrieges im April 1962. (picture alliance / AP Images / Horst Faas)

Das Ende des Zweiten Weltkriegs war auch eine wichtige Marke für das Ende der Kolonialzeit. Aber die Einflussnahme sei noch lange weitergegangen, sagt der Historiker und Afrikawissenschaftler Andreas Eckert.

Indien, Indonesien, Vietnam, Ghana, der Senegal, der Kongo – die Liste der Länder, die in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg unabhängig geworden sind, ist lang. 

Das Kriegsende habe den Prozess der Dekolonisierung beschleunigt, wenngleich der Einfluss in Afrika und Asien unterschiedlich gewesen sei, sagt der Historiker Andreas Eckert, Direktor des Instituts für Asien- und Afrikawissenschaften an der Humboldt-Universität Berlin.

Nach dem Zusammenbruch ihrer Kolonialreiche in Asien hätten die europäischen Kolonialmächte noch stärker versucht, ihre Herrschaft auf dem afrikanischen Kontinent fortzusetzen: "Sie waren sogar noch stärker interessiert als vorher, eben weil ihre asiatischen Reiche zusammengebrochen waren und sie nun verstärkt glaubten, Ressourcen aus Afrika zu brauchen."

"Die Dekolonisierung ist bis heute nicht abgeschlossen"

Der Prozess der Dekolonisierung in Afrika habe mit drei Entwicklungen zusammengehangen, sagt Eckert: "Der Stärke der jeweiligen nationalistischen Bewegung in den afrikanischen Kolonien", aber auch an den hohen Kosten, die eine Modernisierung der kolonialen Herrschaft bedeutet hätte. Außerdem hätten der Kalte Krieg und die neue Konstellation der Supermächte eine "neue Dynamik" im Rahmen der Vereinten Nationen entfacht.

Frankreich sei das Land gewesen, das am längsten Einfluss in den ehemaligen Kolonien gehalten und gesucht hätte. Er sei zwar längst abgeschwächt, aber immer noch vorhanden: "Das zeigt eben auch, dass die Dekolonisation ein Prozess ist, der bis heute noch nicht so ganz abgeschlossen ist, selbst wenn formal nun eigentlich alle ehemaligen Kolonien unabhängig geworden sind."

Bis heute dauere der Wettstreit um die Rohstoffe Afrikas an, auch wenn dies nicht direkt mit der Kolonialisierung zu vergleichen sei, sagt Eckert. "Dieses Spiel spielt China im Moment relativ gut, und in gewisser Weise besser als die ehemaligen Kolonialmächte oder die Europäer insgesamt." 

(sed)

Interview

Urbanistin Noa HaDie Stadt vom Kolonialismus befreien
Westfassade des Humboldtforums in Berlin Mitte. (Bildagentur-online/ Joko)

Die koloniale Vergangenheit Europas spiegelt sich in Straßennamen und Gebäuden wider. Oft sind sie nicht einmal alt. Nach 1990 habe die Stadtplanung den Kolonialismus relativiert, sagt die Urbanistin Noa Ha. Ihr Beispiel: das Berliner Humboldtforum.Mehr

Vom bewaffneten Kampf in die DDRWas Stasi und RAF verband
Die ehemalige RAF-Terroristin Susanne Albrecht (r) auf dem Weg zur Verhandlung am 25. April 1991 in Stuttgart-Stammheim. Links eine Justizangestellte.  (picture alliance / dpa / Norbert Försterling)

Vom revolutionären Befreiungskampf in den spießigen Alltag des Arbeiter- und Bauernstaats: Dass RAF-Aussteiger wie Susanne Albrecht die DDR als neue Bleibe wählten, überraschte viele. Doch es gab gute Gründe dafür, wie der Autor Frank Wilhelm erklärt.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur