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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 28.11.2012

Mut, Monster und Mystery in Versen

Robert Paul Weston: "Zorgamazoo", Verlag Jacoby & Stuart, Berlin 2012, 288 Seiten

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In "Zorgamazoo" werden die freundlichen Zauberwesen von bösen Monstern auf den Mond entführt.  (picture alliance / dpa /  Caroline Seidel)
In "Zorgamazoo" werden die freundlichen Zauberwesen von bösen Monstern auf den Mond entführt. (picture alliance / dpa / Caroline Seidel)

Der kanadisch-britische Kinderbuchautor Robert Paul Weston erzählt eine alte Geschichte auf besondere Weise. Spielerisch wirbelt er Motive aus antiken Mythen, Science-Fiction, traditionellen und modernen Märchen durcheinander. Und so kreativ wie der Text sind auch Victor Rivas’ Illustrationen: skurrile Fabelwesen und geheimnisvolle Schwarz-Weiß-Bilder.

Die Zorgels, Bewohner der Geisterstadt Zorgamazoo, sind freundliche kleine Zauberwesen irgendwo zwischen Bär, Ziege und Zwerg. Eines Tages werden sie alle - bis auf einen - von bösen Monstern auf den Mond entführt.

Die Geschichte beginnt jedoch mit Katrina Katrell, einem Mädchen mit großem Herzen und noch größerer Fantasie. Katrina flieht vor ihrem gemeinen Vormund, gerät in Not, wird gerettet vom letzten Zorgel Mortimer und hilft ihm, eine bizarre intergalaktische Verschwörung aufzudecken. Sämtliche Zauberwesen der Erde wie Drachen und Nixen, Elfen und Feen, Kobolde und eben Zorgels sollen ausgelöscht werden. Dass die guten Geister die letzte Schlacht dann doch gegen die bösen Monstermaschinen gewinnen, ist klar!

Robert Paul Weston erzählt eine alte Geschichte auf besondere Weise. Spielerisch wirbelt er Motive aus antiken Mythen, Science-Fiction, traditionellen und modernen Märchen durcheinander: Den Kampf der Guten gegen das Böse, die Auseinandersetzung zwischen Lust- und Realitätsprinzip, die Langeweile der grauen Gesellen auf dem Mond gegen die farbenfrohe Phantasie der gefangenen Zauberwesen. Mit überbordender Erfinderfreude entwirft Weston die Rettung der Welt durch ein kleines Mädchen und seine fantastischen Freunde – heißt: durch die Fantasie, das Geschichten-Erfinden und die Literatur.

Kommen dem Leser viele Motive und Figuren auch bekannt vor, so ist Westons Erzählweise doch einmalig: "Zorgamazoo" ist in Versen geschrieben, durchgängig gereimt und kongenial nachgedichtet von Uwe-Michael Gutzschahn. Das dreihebige Versmaß erinnert unwillkürlich an berühmte Geisterballaden und Hexenszenen von Goethe bis Fontane. Komisches und Unheimliches, Witz und Spannung halten sich bis zum Showdown die Waage. Westons/Gutzschahns Reime klappern kindlich, stolpern naiv, schwingen poetisch, drohen drastisch, zischen grotesk und klingen wieder niedlich oder sogar naiv. Man spürt förmlich den Spaß der Dichter an Sprachspielen und -bildern, knalligen Pointen und lustigen Lautmalereien.

So kreativ wie der Text sind auch Victor Rivas’ Illustrationen! Nicht nur seine skurrilen Fabelwesen und geheimnisvollen Schwarz-Weiß-Bilder begeistern. Ganz ungewöhnlich ist auch, wie er die Schrift als zweite Erzählebene einsetzt, Sätze – grafisch – springen und fliegen, dröhnen und flüstern lässt! Verschiedenste Schriftgrößen und -typen spiegeln die emotionale Lage der kleinen Helden und inszenieren ihre Abenteuer noch einmal optisch. Einfach großartig!

Ob Kinder mit 7 Jahren – ab diesem Alter ist "Zorgamazoo" vom Verlag empfohlen – gerne Geschichten in Reimen lesen – diese Frage ist berechtigt. Auch die, ob sie alle Anspielungen und Begriffe verstehen. Aber: "Zorgamazoo" ist sowieso kein Buch zum leisen Lesen, sein Rhythmus und Klang entfalten sich erst beim lauten Lesen und Vorlesen. Dabei lässt sich ja alles erklären. Und dann ist Spaß und Spannung garantiert, für kleine wie für große Leser: "Begeisterung, Staunen, Freude und Lust / Statt Erdengrau und Menschenfrust".

Besprochen von Sylvia Schwab

Robert Paul Weston: "Zorgamazoo""
Nachgedichtet von Uwe-Michael Gutzschahn
Illustrationen von Victor Rivas
Verlag Jacoby & Stuart, Berlin 2012
288 Seiten, 16,95 Euro, ab 7 Jahren

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