MusikTriennale Köln

Heimat. Ein schwieriges Wort. Zumal in unseren Breiten, wo der Verdacht tümelnder Gamsbart- und Butzenscheibenseligkeit selten auf sich warten lässt. Die MusikTriennale Köln hat sich nun "Heimat – Heimatlos" als Motto auf die Fahnen geschrieben und möchte dem Begriff andere, positive wie kritische Seiten abgewinnen.
Das rheinische Festival ist in diesem Jahr mit vier Konzerten und einer Oper im Deutschlandradio Kultur präsent. Das Konzert am 30. April mit Emilio Pomàrico und dem WDR Sinfonieorchester Köln steht unter dem Thema "Zerstörte Heimat".

Ein französischer Komponist mit germanischen Vorlieben, ein deutscher Komponist mit französischer Vorlage, ein italienischer Komponist mit japanischem Thema – dirigiert von einem in Italien wirkenden Argentinier, und das Ganze in der jovial-weltoffenen Domstadt: Die MusikTriennale Köln, die in diesem Jahr nach Heimat und Heimatlosigkeit fragt, bietet mit diesem Konzert des WDR Sinfonieorchesters ein geradezu idealtypisches Programm.

Von globalisierter Beliebigkeit kann hier wahrlich keine Rede sein, hat doch die in diesem Konzert präsentierte Neue Musik gerade in Köln eine Heimat gefunden. Ein Werk der klassischen Moderne, eines der inzwischen ebenfalls klassischen Avantgarde und eine Uraufführung werfen Blicke auf die politischen und geographischen Aspekte modernen Komponierens: Karl Amadeus Hartmann hatte sich 1937/38 in die "Innere Emigration" vor den Nazis zurückgezogen und schrieb eine Sinfonie, ausgehend von Emile Zolas Roman "L’œuvre" (nach dem Krieg überarbeitete Hartmann das Werk und veröffentlichte es neu als 6. Sinfonie).

Luigi Nono betrat 1962 neuen musikalischen Boden, als er sich in den "Canti di vita e d’amore" mit der Zerstörung Hiroshimas und der allgegenwärtigen atomaren Bedrohung auseinandersetzte. Und der 1964 geborene Mark Andre – eine maßgebliche Persönlichkeit unter den jüngeren Komponisten – sucht in seinem Auftragswerk "hij" nichts anderes als die "Hilfe Jesus".


MusikTriennale Köln
Kölner Philharmonie
Aufzeichnung vom 30.4.10


Mark Andre
"hij" für Orchester (Uraufführung)

Luigi Nono
"Canti di vita e d’amore: Sul ponte di Hiroshima" für Sopran, Tenor und Orchester

Karl Amadeus Hartmann
Sinfonie "L’œuvre"


Claudia Barainsky, Sopran
Niclas Oettermann, Tenor
WDR Sinfonieorchester Köln
Leitung: Emilio Pomàrico


nach Konzertende ca. 21:15 Uhr Nachrichten
anschließend:


MusikTriennale Köln
Kölner Philharmonie
Aufzeichnung vom 26.4.10 (Ausschnitt)


György Ligeti
"Musica ricercata" für Klavier


Dénes Várjon, Klavier