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Konzert / Archiv | Beitrag vom 14.09.2016

Musikfest BerlinUtopie der Musik

Aufzeichnung aus dem Kammermusiksaal der Philharmonie

Der Komponist, Pianist und Lehrer Ferruccio Busoni (picture alliance / dpa / Ullstein)
Der Komponist, Pianist und Lehrer Ferruccio Busoni (picture alliance / dpa / Ullstein)

Das Musikfest Berlin ist ein Orchesterfestival, aber auch Kammermusik kommt nicht zu kurz. Heute gratuliert das Klavierduo GrauSchumacher Ferruccio Busoni zum 150. Geburtstag.

Alljährlich werden zum Saisonauftakt in Berlin die orchestralen Kräfte gebündelt: Die Berliner Festspiele richten in Zusammenarbeit mit den Berliner Philharmonikern das Musikfest Berlin aus.
Früher unter dem Namen "Berliner Festwochen" eine Institution der westdeutschen Nachkriegskultur, findet das Festival in dieser Form nun zum zwölften Mal statt. Hier treffen die Klangkörper der vereinigten Hauptstadt auf die großen Orchester der Republik und der internationalen Szene, aber auch ausgewählte Kammer- und Klavierabende flankieren das stringent geplante Programm.
Als Medienpartner dokumentiert Deutschlandradio Kultur das Musikfest Berlin in lockerer Folge mit der Übertragung von acht Sinfoniekonzerten, drei Kammerkonzerten und dem "Quartett der Kritiker".


In diesem Jahr richtet sich der Blick nach Amerika: Das Festivalprogramm streift mit San Francisco (John Adams) und Los Angeles (Filmmusik) die Musikmetropolen der US-Westküste und erobert dank des Pionierwerks "Déserts" von Edgard Varèse die Wüste New Mexicos. Von Varèse (1883-1965) sind insgesamt nur 16 Stücke überliefert, sein Gesamtwerk passt auf zwei CDs, und dennoch ist er einer der wichtigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts – ein Visionär, der viele jüngere Musiker anregte.
Beim diesjährigen Musikfest wird Varèse nicht nur gespielt, er steht auch wie eine graue Eminenz hinter den Programmen:  Mit Ferruccio Busoni kommt ein früher Mentor Varèses zu seinem Recht, auch er ein Vordenker der Moderne. Varèse seinerseits beeinflusste Pierre Boulez und den angehenden Rockmusiker Frank Zappa, deren Werke ebenfalls auf dem Musikfestprogramm zu finden sind.
Varèse und Boulez wiederum inspirierten den jungen Wolfgang Rihm; ihm ist ein weiterer Musikfest-Schwerpunkt gewidmet.


Heute senden wir ein Klavierduo-Programm mit Andreas Grau und Götz Schumacher.
Die beiden Pianisten, die seit Jahrzehnten gemeinsam musizieren, widmen sich Busoni, über den nach dem Konzert eine Ausstellung in der Kunstbibliothek Berlin eröffnet wird. "Frei ist die Tonkunst geboren und frei zu werden ihre Bestimmung" – dieses Credo Busonis war dem jungen Edgard Varèse ein Ansporn, während Wolfgang Rihm aus Sicht der Nachwelt von Busonis Doppelgesichtigkeit fasziniert ist: "Die Lösung kontrapunktischer – also historischer – Probleme ist ihm gleich nah wie der Essay über die Zukunft, die Utopie der Musik."


Musikfest Berlin
Philharmonie Berlin, Kammermusiksaal
Aufzeichnung vom 4. Septmeber 2016

Ferruccio Busoni
Improvisation über ein Bachsches Chorallied
Fantasie für eine Orgelwalze von W. A. Mozart, bearbeitet für zwei Klaviere
Duettino Concertante für zwei Klaviere nach dem Finale aus W. A. Mozarts Klavierkonzert Nr. 19

ca. 20.35 Uhr Konzertpause, darin: Götz Schumacher im Gespräch mit Ruth Jarre

Ferruccio Busoni
Fantasia contrappuntistica für zwei Klaviere, gefolgt von einer Quadrupelfuge über ein Bachsches Fragment

GrauSchumacher Piano Duo:
Andreas Grau, Klavier
Götz Schumacher, Klavier

Konzert

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