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Konzert / Archiv | Beitrag vom 13.09.2018

Musikfest Berlin 2018Im Wirbel der Zeit

Moderation: Olaf Wilhelmer

Salomé Haller, das Ensemble intercontemporain und Matthias Pintscher im Pierre Boulez Saal Berlin (Adam Janisch)
Musik von Boulez im Pierre Boulez Saal Berlin: Salomé Haller, das Ensemble intercontemporain und Matthias Pintscher interpretieren "Le marteau sans maître" (Adam Janisch)

Drei Werke, drei Stationen der Musik des 20. Jahrhunderts. Das Ensemble intercontemporain spielt Musik von Alban Berg, Gérard Grisey und Pierre Boulez – passenderweise in jenem Berliner Konzertsaal, der nach Boulez benannt ist.

"Verein für musikalische Privataufführungen" nannte Arnold Schönberg nach dem Ersten Weltkrieg eine Initiative, die es ihm und seinem Umkreis in Wien ermöglichen sollte, neue Musik unter optimalen Bedingungen zu realisieren. Das Projekt ging in die Geschichte als erfolgreiches Labor ein, welches das Komponieren und Spielen von Musik entscheidend beeinflussen sollte.

Musikalische Domäne

Nach dem Zweiten Weltkrieg knüpfte der Komponist und Dirigent Pierre Boulez an diese Idee an, mit einem Unterschied: Er wollte die breite Öffentlichkeit einbinden. So gründete er die Konzertreihe Domaine musical, später dann das Ensemble intercontemporain und das Musikforschungszentrum Ircam. Der Erfolg gab ihm recht, Ensemble und Institut sind seit 40 Jahren Einrichtungen von Weltrang, und heutzutage spielt das Ensemble intercontemporain unter seinem aktuellen künstlerischen Leiter Matthias Pintscher im Pierre Boulez Saal Berlin vor ausverkauftem Haus.

Hammer ohne Meister

Das Programm reflektiert drei Stationen in der Musik des 20. Jahrhunderts: Am Anfang Alban Bergs ebenso zarte wie knappe Stücke für Klarinette und Klavier, komponiert 1913, erstmals gespielt 1919 im "Verein für musikalische Privataufführungen". In der Jahrhundertmitte Pierre Boulez‘ sinnlich-verspielte, mit exotischen Klängen nicht geizende Kantate "Le marteau sans maître" ("Der Hammer ohne Meister") nach rätselhaft-surrealen Gedichten von René Char.

Ein Werk, in dem der Text noch mehr in den instrumentalen Kommentaren als im tatsächlichen Gesang enthalten ist: "Das Gedicht bildet das Zentrum der Musik, aber es ist aus der Musik verschwunden, so wie die Form eines Gegenstandes durch die Lava festgehalten wird, wenngleich der Gegenstand selbst nicht mehr vorhanden ist", schrieb der Komponist dazu.

Klangwellen

Schließlich Gérard Grisey, der 1996 "Vortex Temporum", den "Wirbel der Zeit", vollendete. Ein extremes Stück, das ein wellenförmiges Motiv von Maurice Ravel nach allen Regeln der Kunst zerlegt und neu zusammensetzt – ausgehend von einer eher kompositionstechnischen Fragestellung erschließt Griseys Musik verschiedenste Ausdrucksbereiche; sie ist eine Abenteuerreise durch klangliche Möglichkeiten.

Musikfest Berlin
Pierre Boulez Saal Berlin
Aufzeichnung vom 10.09.2018

Alban Berg
Vier Stücke für Klarinette und Klavier op. 5

Gérard Grisey
"Vortex Temporum" für Klavier und fünf Instrumente

Pierre Boulez
"Le marteau sans maître" für Altstimme und sechs Instrumente

Salomé Haller, Mezzosopran
Dimitri Vassilakis, Klavier
Ensemble intercontemporain
Leitung: Matthias Pintscher

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