Seit 01:05 Uhr Tonart

Mittwoch, 14.11.2018
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Konzert / Archiv | Beitrag vom 04.09.2018

Musikfest Berlin 2018Gipfelsturm im Banne Wagners

Moderation: Ruth Jarre

Der Dirigent Manfred Honeck (Felix Broede/DSO)
Sherpa der sinfonischen Gipfelstürmer: Der österreichische Dirigent Manfred Honeck (Felix Broede/DSO)

Das Concertgebouw-Orchester Amsterdam gehört zu den besten Klangkörpern der Welt. Und es ist ein Stammgast beim Musikfest Berlin. In diesem Jahr dirigiert Manfred Honeck die Amsterdamer mit Werken von Webern, Berg und Bruckner.

Auf der Suche nach Extrembergsteigern würde man sich vermutlich nicht zuerst in den Niederlanden umsehen. Was für den Sport gelten mag, trifft auf die Musik nicht zu, denn die Massive der österreichischen Orchesterliteratur des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts werden von wenigen Musikern mit einer solch traumwandlerischen Sicherheit erklommen wie von den Mitgliedern des Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam.

Bruckner an der Nordsee

Schon Gustav Mahler dirigierte seine Sinfonien lieber in Amsterdam als anderswo – und er hatte immerhin den Vergleich zu den Wiener, Berliner und New Yorker Philharmonikern. In der Mitte des 20. Jahrhunderts brachten die Chefdirigenten Eduard van Beinum und Bernard Haitink dem Concertgebouw-Orchester dann Bruckner nahe. Die Ergebnisse waren auch beim Musikfest Berlin zu bestaunen, wo die Amsterdamer etwa unter Mariss Jansons eine überragende Aufführung von Bruckners Dritter Sinfonie gespielt haben.

Der österreichische Dirigent Manfred Honeck, einst Bratscher der Wiener Philharmoniker und heute Chef des Pittsburgh Symphony Orchestra, lenkt die Amsterdamer also auf vertrautes Terrain, wenn er mit ihnen ebenfalls Bruckners Dritte angeht. Dem monumentalen zweiten Teil steht eine konzise erste Programmhälfte gegenüber, in der Anton Weberns Streicherstücke op. 5 und Alban Bergs Orchesterlieder nach Texten von Peter Altenberg op. 4 erklingen.

Wagnerianische Wehmut

So sehr sich die Werke der beiden Schüler Arnold Schönbergs von Bruckners Sinfonik unterscheiden, so sehr eint sie doch der gemeinsame Bezugspunkt: Bruckner widmete sein Werk Richard Wagner, Berg und Webern schufen ihre Stücke als glühende Wagnerianer. Bei aller Modernität ist in Weberns Seufzermotiven eine tiefe Verwurzelung in der altösterreichischen Musik zu erleben, und Berg kann die Nostalgie in seinen hochdifferenzierten Liedern kaum zurückhalten. Und noch etwas haben diese Werke gemeinsam: Sie alle lösten heftige Publikumsreaktionen bis hin zu Schlägereien im Saal aus. Heute sind sie für ein repräsentatives Festivalprogramm gerade recht…

Musikfest Berlin
Live aus der Philharmonie Berlin

Anton Webern
Fünf Sätze für Streichquartett op. 5 (Fassung für Streichorchester)

Alban Berg
Fünf Orchesterlieder nach Ansichtskartentexten von Peter Altenberg op. 4

ca. 20.35 Uhr Konzertpause, darin: Olaf Wilhelmer über Entstehung und Rezeption der Dritten Sinfonie von Anton Bruckner

Anton Bruckner
Sinfonie Nr. 3 d-Moll (3. Fassung 1889)

Anett Fritsch, Sopran
Koninklijk Concertgebouworkest
Leitung: Manfred Honeck

Dolby Digital 5.0 über Satellit

Mehr zum Thema

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin - Verwandlungskünste
(Deutschlandfunk, Konzertdokument der Woche, 21.01.2018)

Der Dirigent Manfred Honeck - Taktstocktiger mit Samtpfoten
(Deutschlandfunk, Musikforum, 28.09.2016)

Die neue Platte - Strauss von Zarathustra bis Till Eulenspiegel
(Deutschlandfunk, Die neue Platte, 01.12.2013)

Vergessenheit und Renaissance
(Deutschlandfunk Kultur, Konzert, 31.05.2012)

Konzert

Baltic Sea FestivalMusik für die See
(Baltic Sea Festival)

Vor 15 Jahren wurde das Baltic Sea Festival gegründet, um hochkarätige Konzertveranstaltungen mit Diskussionen um die schlechte Umweltlage der Ostsee zu verbinden. Wir präsentieren hier das Abschlusskonzert, bei dem auch Star-Cellist Truls Mørk spielte.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur