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Konzert / Archiv | Beitrag vom 18.06.2021

Musiker der Staatskapelle WeimarNörgelnder Beethoven, ängstlicher Schostakowitsch

Moderation: Stefan Lang

Blick auf eine weiße Beethoven-Büste, die scheinbar auf Regale voller alter Bücher blickt, die im Rokoko-Saal der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar stehen. (imago / fotokombinat)
Beethoven-Büste in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar: zahlreiche Überraschungsmomente. (imago / fotokombinat)

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz: Orchestermusiker haben immer Lust auf Kammermusik. Mitglieder der Staatskapelle Weimar spielen Beethovens leicht bekömmliches Septett. Außerdem: ein Quintett von Schostakowitsch, das unter besonderen Umständen entstand.

Erst freute sich Beethoven, dann wunderte er sich, und schließlich nörgelte er: Sein Septett op. 20 war und blieb erfolgreich und beliebt, obwohl er in der Folgezeit viel Größeres komponiert hatte.

Gewidmet ist das Werk, das in der Tradition eines leicht bekömmlichen Unterhaltungstons steht, der Kaiserin Maria Theresia. Ihr wurde ein eher einfaches musikalisches Gemüt nachgesagt - daher die perfekte Wahl. 

Heutige Musiker und Zuhörer lieben das Werk nach wie vor. Sie genießen die zahlreichen Überraschungsmomente und merken auf, wenn sich das heitere Stück plötzlich mit dunklem Kolorit mischt.

Dunkle Zeiten für Schostakowitsch

Schostakowitsch schrieb sein Quintett op. 57 im Jahr 1940. Schwere Zeiten lagen hinter dem Komponisten: Er hatte in Folge seiner Oper "Lady Macbeth", die als zu fortschrittlich und kritisch empfunden wurde, Repressalien zu erdulden.

Seine Werke standen auf dem Index, er fürchtete Tag und Nacht um sein Leben und schlief nachts in voller Montur, wie viele andere auch, die eine Verhaftung fürchteten.

So nahm er die Bitte seiner Freunde vom Beethoven-Quartett dankbar auf, für das gemeinsame Musizieren ein Klavierquintett zu schreiben. Das ging ihm locker von der Hand – schon Ende des Jahres war die Uraufführung.

Sie leitete die Wende für Schostakowitsch ein, denn das Quintett wurde ein großer Erfolg. Er erhielt den Stalinpreis 1. Klasse, inklusive 100.000 Rubel. Es folgte der Rotbannerorden und die offizielle Rückkehr in die Öffentlichkeit.

Doch die Angst schrieb immer mit, auch wenn sie sich hinter einer musikalisch-heiteren Fassade versteckte.

Interpreten sind Fabio Martino (Klavier) und das Amalia-Quartett, das sich nach der berühmten Weimarer Herzogin Anna Amalia benannt hat. Zudem kommt Schlossdirektor Peter Krause zu Wort, mit einer kurzen Einführung in die Örtlichkeiten von Schloss Ettersburg.

Live aus dem Gewehrsaal, Schloss Ettersburg bei Weimar
Kammermusikabend der Staatskapelle Weimar

Ludwig van Beethoven
Septett für Violine, Viola, Violoncello, Kontrabass, Klarinette, Horn und Fagott in Es-Dur, op. 20

Gernot Süßmuth, Violine
Neasa Ni Bhriain, Viola
Alexandre Castro-Balbi, Violoncello
Michael Kogan, Kontrabass
Jan Doormann, Klarinette
Anne Grethen, Horn
David Mathe, Fagott

Camargo Guanieri
Danca negra

Alberto Ginastera
Danza del gaucho matrero aus Danzas Argentinas

Fabio Martino, Klavier

Dmitrij Schostakowitsch
Quintett für zwei Violinen, Viola, Violoncello und Klavier g-Moll op. 57

Amalia-Quartett:
Barbara Seifert, Violine
Astrid Schütte, Violine
Almut Bormann, Viola
Astrid Müller, Violoncello

Fabio Martino, Klavier

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